Milliardenschulden HeidelbergCement wagt Kapitalerhöhung

Der hoch verschuldete Baustoffkonzern HeidelbergCement bereitet offenbar eine milliardenschwere Kapitalerhöhung vor. Sie soll bis zu 1,5 Milliarden Euro in die Kasse des Unternehmens spülen. Wer aber die neuen Aktien überhaupt zeichnen würde, ist völlig unklar.

Frankfurt am Main - Der mit 11,3 Milliarden Euro verschuldete Baustoffkonzern HeidelbergCement  wird nach einem Pressebericht noch in diesem Monat eine Kapitalerhöhung durchführen, die zwischen 1,2 Milliarden und 1,5 Milliarden Euro in die Firmenkasse spülen soll. Als Konsortialführer wurden in den Kreisen die Deutsche Bank und Morgan Stanley genannt, berichtete die "Börsen-Zeitung" am Samstag. Am Prospekt werde bereits gearbeitet. Der MDax-Konzern war für eine Stellungnahme am Sonntag nicht erreichbar.

Finanzchef Lorenz Näger hatte Ende Juli angekündigt, HeidelbergCement wolle das günstige Kapitalmarktumfeld nutzen, um rasch sein Eigenkapital zu stärken. Die hohe Verschuldung solle weiter gesenkt werden.

Die Voraussetzungen für eine Kapitalerhöhung sind geschaffen: Vorstandschef Bernd Scheifele hatte sich auf der HV im Mai die Ausgabe von Schuldverschreibungen für bis zu zwei Milliarden Euro genehmigen lassen, die in bis zu 62,5 Millionen neue Aktien gewandelt werden könnten. Insgesamt hätte HeidelbergCement die Möglichkeit, bis zu 125 Millionen neue Aktien auszugeben.

Hauptaktionäre des Konzerns sind der Unternehmer Ludwig Merckle mit 72,42 Prozent und die Unicredit-Tochter Hypovereinsbank mit 6,4 Prozent. Dass Merckle sich an einer Kapitalerhöhung beteiligt, gilt als ausgeschlossen, da dessen Firmengruppe selbst unter einer milliardenschweren Schuldenlast leidet. Merckle hatte seinen Anteil zuletzt verringert, zugleich aber angekündigt, sich nicht von weiteren Aktien zu trennen.

Nach wie vor ist auch völlig unklar, in welchem Umfang die Gläubigerbanken der hoch verschuldeten Merckle-Gruppe Zugriff auf die Stücke haben. Viele Kreditinstitute haben nicht nur Merckle, sondern auch HeidelbergCement Darlehen eingeräumt. Wer Heidelberg Cement-Aktien als Sicherheiten hat, wird an einem möglichst hohen Ausgabepreis interessiert sein.

HeidelbergCement erwartet ein baldiges Ende der Talfahrt auf den Baustoffmärkten. Nach Einschätzung von Vorstandschef Bernd Scheifele hat sich das Unternehmen trotz Umsatzeinbußen und Ergebniseinbrüchen in der schwersten Absatzkrise seit Jahrzehnten gut geschlagen.

Bereits auf der Hauptversammlung im Mai sprach Scheifele von einer "klaren Abflachung des Abwärtstrends" in den USA. Die Heidelberger hoffen zudem, dass sie bei der Umsetzung der Infrastrukturprogramme der US-Regierung Aufträge erhalten, vor allem im Straßenbau. Heidelberg Cement könnte auf auf Grund der starken Präsenz in den USA und in Großbritannien von einer wirtschaftlichen Erholung dort stark profitieren, hieß es zuletzt auch von Analysten.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters