Börsenprognose Stimmungsindikator im Tief - Ende der Hausse?

Noch legen die Kurse kräftig zu, doch die Aussichten sind düster. Die Hausse verliert nach Meinung von 400 befragten Grossanlegern ihre Kraft. Die Stimmung - gemessen am G-Mind - ist so schlecht wie lange nicht mehr.

Frankfurt - Am deutschen Wertpapiermarkt hat sich die Stimmung im Februar weiter verschlechtert. Das ist das Ergebnis der aktuellen Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. Der Indikator G-Mind markiert danach mit -1,8 Punkten ein Stimmungstief nach -1,0 Punkten im Januar und liegt deutlich im negativen und damit pessimistischen Bereich seiner Bewertungsskala.

Verursacht wurde die Verschlechterung des Gesamtindikators durch die Subkomponente G-Mind (Aktien), die auf +2,2 Punkte von +4,6 im Januar absackte. Die Hausse am Aktienmarkt verliert nach Meinung der befragten Finanzfachleute ihre Kraft.

Dem nur von wenigen Titeln getragenen Aufwärtsschub des DAX schenkt über die Hälfte der Fachleute kein Vertrauen mehr. Ein Viertel der Befragten rechnet mit Kurskorrekturen.

Auf dem Rentenmarkt sehen die Experten weiterhin kaum Lichblicke. Zwar verbesserte sich die Stimmung auf -4,7 von -5,2 Punkten im Vormonat, auf deutlich verbesserte Renditechancen am Rentenmarkt deutet dies allerdings nicht hin, sondern auf anhaltende Unsicherheit unter deutschen Kapitalanlegern.

Brisanz erhält der Stimmungsabschwung auch durch den historischen Vergleich. Das langjährige Mittel des G-Mind (Aktien) liegt bei +5,6 Punkten, die aktuellen +2,2 Punkte liegen somit deutlich darunter.

Stimmungsbild erinnert an das Frühjahr 1998

Das derzeitige Stimmungsbild erinnert an das Frühjahr 1998. Damals folgte dem schwindenden Optimismus eine deutliche Korrektur am Aktienmarkt. Zwar kann die derzeitige Lage mit der damaligen nicht verglichen werden, zumal Asien- und Russlandkrise verdaut sind, aber weitere Höhenflüge des DAX sind nach Meinung der Marktbeobachter auf jeden Fall nicht zu erwarten.

Nachdem monatelang versucht wurde, den Euro stark zu reden, bröckelt im Februar auch hier die Hoffnung. Während im Januar noch 73 Prozent an einen gegenüber dem Dollar aufwertenden Euro glaubten, waren es im Februar nur noch 62 Prozent. Möglicherweise liegt auch hier der Grund für die Erwartung eines weiteren Zinsschritts der Europäischen Zentralbank (EZB), die in ihre Stellungnahme zur jüngsten geldpolitischen Enscheidung die Wechselkursproblematik als indirekte Begründung aufgenommen hat.

Zumindest haben die Parallelschritte der US-Notenbank Fed und der EZB noch zu keiner Verengung der Zinsdifferenz geführt und so dem Euro noch keine Stütze leisten können.

Fast 90 Prozent der Experten rechnen mit einem Anstieg der Zinsen am kurzen Ende. Ein weiterer Grund für steigende Zinsen wird offenbar im erwarteten Inflationsanstieg gesehen. Über 70 Prozent rechnen mit höheren Preissteigerungsraten. Eventuell führen hier aber Sondereffekte zu einer Überbewertung des Preisauftriebs. Vor allem der letztjährige Preisverfall am Energiemarkt sorgt für einen Basiseffekt, der die Preissteigerungsraten in den kommenden Monaten höher erscheinen lassen wird, als sie wirklich sind.

Unverändert positiv wird die künftige gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Deutschland und dem Euroraum gesehen, wobei nach Meinung der Marktbeobachter export- und technologiestarke Branchen weiterhin die Nase vorn haben werden. Wenn vor dem Hintergrund viel versprechender Wirtschaftsdaten aber verhältnismäßig hohe Tarifabschlüsse zustande kommen sollten, könnten die Experten mit ihren Inflationsängsten recht haben.

Der G-Mind (Anleihen) schwankt seit Monaten um den Wert -5 herum und liegt damit noch weit entfernt von positivem Terrain. Der Rentenmarkt kann somit nicht viel zum Abbau der Marktspaltung zwischen Renten und Aktien beitragen. Nach Meinung der Fachwelt ist wohl eher wahrscheinlich, dass die Aktien den Renten entgegenkommen werden. Und das könnte die Rentenpapiere dann wieder attraktiver machen.