Bertelsmann Medienriese kontert Telekom-Kirch-Pläne

Die Gütersloher halten dagegen. Am selben Tag, an dem die Deutsche Telekom und die Kirch-Gruppe ihr Zusammengehen im Multimediabereich bekannt gaben, konkretisierte Bertelsmann seine Pläne für interaktives TV.

Cannes - "In der zweiten Jahreshälfte werden wir unsere Set-Top-Box in zehn deutschen Großstädten einführen", sagte Werner Lauff, Top-Manager der Bertelsmann Broadband Group auf der Multimedia-Messe Milia in Cannes. Der neue Kanal für zunächst 5000 Nutzer habe noch keinen Namen. Später sei eine Ausdehnung auf andere Länder einschließlich Spanien und die Schweiz möglich. Über die Investitionen wollte Lauff keine Angaben machen.

Die Set-Top-Box eröffnet nach Lauffs Angaben über das TV-Kabel den direkten Zugang zum Internet - neben Video auf Abruf, umfangreichen Service-Angeboten, Musik-Clips, E-Mail-Funktion und Online-Shopping. Die Geräte verstünden sowohl die TV-Signale als auch HTML, die Sprache des World Wide Web.

Mit der neuen Technologie, die einen Teil des TV-Kabels als Rückkanal für die Interaktivität nutzen soll, sei es erstmals möglich, aus dem Fernseher ein völlig neues Medium zu schaffen, so Lauff. "Wir leisten Pionierarbeit und lernen täglich dazu." Um das neue Medium weiter zu entwickeln, sei aber eine starke Breitband- Allianz für das Senden großer Datenmengen erforderlich.

Bislang sei nur ein sehr begrenztes Angebot zusätzlich zum Fernsehprogramm realisierbar gewesen. "Der Zusatznutzen war für Verbraucher, die das Internet kennen, vergleichsweise enttäuschend", sagte Lauff. Sowohl die verschiedenen Plattformen als auch die Unternehmen seien jetzt aber im Begriff, zusammenzuwachsen. "Der Zusammenschluss von AOL und Time Warner ist da nur ein erstes Beispiel."

Um die nötigen Inhalte bereitstellen zu können, arbeitet Bertelsmann mit insgesamt 125 Partnern zusammen. Zudem nutzt das Unternehmen aus Gütersloh auch hauseigene Inhalte wie die des Internet-Buchversands BOL. Den TV-Anschluss sollen Verbraucher für einen Preis von etwa fünf Euro im Monat mieten können. Für spezielle Dienste will Bertelsmann nach Auskunft von Lauff voraussichtlich separate Gebühren erheben.