Schadensersatz Lehman soll 100 Milliarden Dollar zahlen

Auf die insolvente US-Bank Lehman Brothers kommt offenbar eine gigantische Schadensersatzforderung zu. Die Insolvenzverwalter der britischen Sparte der Bank verlangen nahezu 100 Milliarden US-Dollar von dem ehemaligen Mutterkonzern. Schon in Kürze soll Klage eingereicht werden, heißt es.

Hamburg - Knapp ein Jahr nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers wollen deren europäische Töchter bis zu 100 Milliarden US-Dollar (rund 70 Milliarden Euro) von der früheren Konzernmutter einfordern.

Da eine große Zahl von Tochterfirmen Ansprüche gegen die US-Bank richte, könne sich deren Summe auf bis zu 100 Milliarden Dollar belaufen, sagte Tony Lomas von der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) der "Financial Times" vom Montag. "Wir werden in Kürze Klage einreichen", hatte Lomas gegenüber der "Sunday Times" gesagt.

PwC verwaltet die wichtigsten Teile der Insolvenzmasse von Lehman in Europa. Lomas zufolge wollen über 100 Konzerntöchter Geld von Lehman einfordern. Die europäischen Töchter sind mit milliardenschweren Schadensersatzforderungen von Kunden konfrontiert.

Unterdessen wirft der Verwalter des US-Mutterkonzerns der Politik in den USA Versagen bei der Rettung von Lehman vor. Das "Chaos nach der Insolvenz" habe allein bei Lehman innerhalb von 48 Stunden bis zu 100 Milliarden Dollar Schaden angerichtet, sagte Lehman-Sanierer Bryan Marsal der Tageszeitung "Die Welt" vom Montag. Die Insolvenz sei vollkommen unzureichend vorbereitet gewesen.

Im Nachhinein hätten alle Entscheider aber eingesehen, dass die Pleite nicht der richtige Weg gewesen sei. Als die Bank jedoch in Schieflage geraten war, seien "die Folgen eines kompletten Vertrauensverlustes" im weltweiten Finanzsystem nicht vorhersehbar gewesen, sagte Marsal der Zeitung.

Die Investmentbank Lehman Brothers war im September vergangenen Jahres kollabiert und hatte damit eine beispiellose Flucht der Anleger von der Börse ausgelöst. Seitdem überzieht eine Reihe ehemaliger Lehman-Kunden den Konzern mit Klagen auf Schadensersatz beziehungsweise auf die Rückzahlung von Geldern.

Gerade heute wurde ein Urteil bekannt, mit dem die Sparkasse Frankfurt dazu verpflichtet wird, ein Lehman-Opfer in voller Höhe zu entschädigen. Ein 38-jähriger, börsenerfahrener Anleger sei von der Bank nicht ausreichend über die Risiken beraten worden, teilte das Landgericht Frankfurt mit. Das Institut will Berufung einlegen.

manager-magazin.de mit Material von afp und dow jones

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