Börse Tokio Erst Machtwechsel, dann Kursverluste

Der Regierungsumschwung in Japan hat an der Börse in Tokio nur kurz für steigende Notierungen gesorgt. Anleger machen sich Sorgen über die Ausgabenprogramme des designierten neuen Ministerpräsidenten Yukio Hatoyama. Dabei haben die Vorgängerregierungen den Staat in die größte Verschuldung seiner Geschichte geführt.

Tokio - Japans Aktienbörse hat am Montag nach anfänglichen Gewinnen leichter geschlossen. Der Nikkei-Index  für 225 führende Werte notierte zum Handelsschluss ein Minus von 41,61 Punkten oder 0,4 Prozent bei 10.492,53 Punkten. Der breit gefasste Topix  gab um 3,58 Punkte oder 0,37 Prozent auf 965,73 Punkte nach.

In Reaktion auf den haushohen Sieg der japanischen Oppositionspartei DPJ bei der Unterhauswahl am Vortag stiegen die Kurse zunächst. Doch die jüngste Abschwächung des Dollar zum Yen ließ sie wieder fallen.

Kommentatoren waren sich einig, dass die Wahl heute Einfluss auf das Börsengeschehen auf dem bedeutendsten Aktienmarkt Asiens genommen hat. "Dass Wahlergebnis war zwar erwartet worden, aber die Freude über den Regierungswechsel wurde schnell von Befürchtungen beiseite gewischt, wie denn einige der Programmpunkte des Wahlgewinners Yukio Hatoyama in Zukunft bezahlt werden sollen, beispielsweise das Kindergeld", sagte Masatoshi Sato, Analyst von Mizuho Investors Securities.

Allerdings hatte die Regierung Taro Aso die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft ohnehin bereits Milliardenprogramme gegen die Wirtschaftsflaute in Japan gestartet. Zusammen mit den Konjunkturprogrammen, die von der Dauerregierungspartei LDP über viele Jahre im Kampf gegen die Deflation aufgelegt worden sind, türmen sich die Staatsschulden Japans nunmehr so hoch, wie in keinem anderen Industriestaat. Die Staatsverschuldungsquote hat ungefähr 170 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung Japans erreicht.

Zum Vergleich: In der Bundesrepublik sind es ungefähr 60 Prozent, trotz der ebenfalls sehr hoher Ausgabenprogramme, um Wirtschaft, Städte und Infrastruktur der ehemaligen DDR zu sanieren.

Kursverluste der Exportschwergewichte

Hatoyama hat am Sonntag mit seiner Demokratischen Partei den bisherigen Amtsinhaber und Premierminister Taro Aso deutlich geschlagen. Damit löst er dessen Liberaldemokratische Partei als Regierungsbündnis ab, das seit 1955 durchgehend die Geschicke der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt bestimmt hat. Hatoyama hatte im Wahlkampf damit für Aufsehen gesorgt.

"Die Anleger werden in den vier Wochen nach der Machtübernahme der neuen Regierung wohl abwarten, da niemand weiß, was sie sonst noch alles vorhat", sagte Mitsushige Akino, Fondsmanager bei Ichiyoshi Investment Management.

Der stärkere Yen belastete insbesondere die Titel exportorientierter Unternehmen. Für Canon  ging es um 3,3 Prozent auf 3.570 Yen nach unten. Die Anteilsscheine von Honda  büßten 1,8 Prozent auf 2935 Yen ein und Toyota-Titel  verbilligten sich um 1,2 Prozent auf 3990 Yen.

Die japanische Industrie hat dank der weltweiten Konjunkturprogramme im Juli ihre Produktion stärker als erwartet gesteigert. Der Ausstoß legte um 1,9 Prozent zu, wie aus Daten vom Montag hervorgeht. Das war bereits das fünfte Plus in Folge. Experten mahnten jedoch zur Vorsicht: Die Firmen profitierten von den Konjunkturprogrammen, wie der Abwrackprämie für Altautos, die in mehreren Ländern eingeführt wurde.

Diese Effekte dürften aber im kommenden Jahr auslaufen. Die Kapazitäten seien zudem immer noch nicht ausgelastet, und die steigende Arbeitslosigkeit drücke auf die Inlandsnachfrage.

"Japan erholt sich von einem sehr niedrigen Niveau aus, und wir wollen nicht den Fehler machen, nun zu glauben, wir kehren zu raschem Wachstum zurück", sagte Calyon-Experte Sebastien Barbe.

manager-magazin.de mit Material von dow jones, dpa-afx und reuters

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