Nachranganleihe Deutsche Bank will die Investoren testen

Nachrangige Anleihen locken mit hohen Zinsen, sie gelten aber als risikoreich. Denn im Insolvenzfall gehen die Anleger womöglich leer aus. Die Deutsche Bank erwägt, nach langer Zeit erstmals wieder so einen Bond aufzulegen. Dabei hatte das Institut die Investoren schon einmal enttäuscht und sich scharfe Kritik zugezogen.

Frankfurt am Main/London - Die Deutsche Bank  will den brachliegenden Markt für riskante Nachranganleihen in Europa wieder beleben. Das Institut sondiert einem Sprecher zufolge Möglichkeiten für die Emission eines solchen Bonds, der wegen seiner Ausgestaltung dem Kernkapital zugerechnet werden kann.

Dabei sei an ein Volumen deutlich unter der Milliardenschwelle gedacht, sagte eine mit den Plänen vertraute Person am Montag. Der geplante Bond, der ab März 2015 jährlich gekündigt werden kann, soll einen festen Zins haben; Analysten rechnen mit einem Kupon von 9 bis 10 Prozent.

Seit fast einem Jahr sind in Europa keine Papiere dieser Art mehr begeben worden, da die Investoren wegen der Finanzkrise vor Risiken zurückschrecken. Die Nachranganleihen der Banken werden wegen ihrer Risiken zwar hoch verzinst, doch bei einer Insolvenz werden ihre Ansprüche auch erst nach denen anderer Gläubiger bedient.

Zudem hatten einige Banken, die von der Finanzkrise besonders schwer getroffen waren, in den vergangenen Monaten ihre Zinszahlungen ausgesetzt. Das ist zwar bei vielen Transaktionen möglich, hat die Anleger aber misstrauischer gegenüber diesen Papieren gemacht.

Die Laufzeit solcher Anleihen ist in der Regel nicht begrenzt. Die Titel können vom Emittenten nach frühestens fünf Jahren erstmals zurückgezahlt werden. Für viele Banken sind solche Anleihen derzeit billiger als die Aufnahme frischen Kapitals etwa am Aktienmarkt. Daher wird in den nächsten Monaten mit weiteren Emissionen gerechnet.

Deutsche Bank verschreckte schon einmal die Investoren

Ob die Deutsche Bank tatsächlich mit dem Papier an den Markt kommt, ist noch offen. Zum Jahreswechsel hatte die Bank Investoren verschreckt, als sie einen ähnlichen Bond nicht vorzeitig zurückgezahlt hatte, um ihre Kapitalbasis zu schonen. Dies wurde am Markt als Tabubruch gewertet, da Banken die Titel üblicherweise zum erstmöglichen Termin kündigen.

Einige Investoren hatten anschließend mit einem Boykott bei künftigen Anleihe-Emissionen des Instituts gedroht. "Das Gedächtnis vieler Anleger ist aber kurz", sagte ein Analyst. Dies habe bereits die starke Nachfrage nach einem Pfandbrief und anderen Emissionen des Instituts in den vergangenen Monaten gezeigt.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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