Thilenius-Kolumne Der Tod der Aktie

Rezessionen hat es schon viele gegeben - ebenso wie schwache Phasen an der Börse. Bislang gelang es den Märkten jedoch stets, sich wieder zu berappeln. Die Skeptiker, die zu solchen Zeiten gern das Ende der Aktie als Kapitalanlage vorhersagen, wurden damit regelmäßig Lügen gestraft. Das wird auch diesmal so sein.

Vor ziemlich genau 30 Jahren, am 13. August 1979, erschien in der "Business Week" eine Titelgeschichte "The Death of Equities". Darin vertrat das US-Wirtschaftsmagazin die Ansicht, dass die damals herrschenden gesamtwirtschaftlichen Umstände, also hohe Ölpreise, Inflation und Arbeitslosigkeit zum Tod der Aktie führen würden. Der Dow-Jones-Index  stand damals bei ungefähr 900 Punkten.

Tatsächlich hatten hohe Ölpreise, insbesondere ab der Ölkrise 1973 sowie hohe Inflation und Arbeitslosigkeit zu Mutlosigkeit in Bezug auf die Aktienanlagen geführt. Seit 1966 hatte sich der Dow Jones in einem engen Kursband bewegt, das nach unten bei etwa 600 Punkten und nach oben bei etwa 1000 Punkten begrenzt war. Während der Ölpreis zum Anfang des Jahrzehnts genau bis zur Ölkrise im Herbst 1973 bei etwa zwei Dollar notierte, war er in mehreren Schüben zuletzt im Zuge der iranischen Revolution Ende 1978/Anfang 1979 auf über 20 Dollar angestiegen und sollte bis 1980 noch weiter bis auf 40 Dollar klettern.

Gleichzeitig litt die Wirtschaft unter den hohen Zinsen. Die Zinsen für kurzfristiges Geld stiegen bis in das Jahr 1981 hinein bis auf 20 Prozent. US-Staatsanleihen mit Laufzeit von 20 Jahren warfen damals 15 Prozent ab, deutsche Staatsanleihen 11 Prozent.

Die bekannten Selbstheilungskräfte der Wirtschaft, eine finanzpolitische Kehrtwende des neuen Präsidenten Ronald Reagan, die sogenannten Reaganomics, die den vorher starken Einfluss des Staates zurückdrängten und die Hochzinspolitik führten im Laufe der Zeit zum Nachlassen der Inflation und dem Rückgang der Arbeitslosigkeit. Ziemlich genau drei Jahre nach Erscheinen des "Business Week"-Artikels bewegte sich der Markt weiterhin in dem relativ engen Kursband zwischen ungefähr 800 Punkten und 1000 Punkten. Die totgesagten Aktien waren also keineswegs gestorben.

Dann kam plötzlich die Wende. Am 11. August 1982 drehte der Markt mitten in einer Phase vieler Firmenzusammenbrüche und allgemeiner Mutlosigkeit. Eines der vielen Unternehmen, die damals in die Insolvenz gingen, war Chrysler. Damals, Mitte August 1982, war der Dow Jones bis auf knapp unter 800 Punkte gefallen.

Welche Aktien sich anbieten

Heute steht der Index bei etwas über 9000 Punkten, also ungefähr zehn Mal so hoch wie vor 30 Jahren. Welcher andere Wert hat sich in den letzten 30 Jahren verzehnfacht? Immobilien, Rohstoffe? Der Ölpreis  stand im Frühjahr 1980 bei 40 Dollar, jetzt notiert er bei ungefähr 70 Dollar. Der Goldpreis  lag im Frühjahr 1980 bei 850 Dollar, jetzt sind es etwa 950 Dollar. Dieselben Argumente wie damals, über den unmittelbar bevorstehenden Tod der Aktie, waren auch in den schwarzen Monaten von letzten Herbst bis zu diesem Frühjahr zu hören.

Seither hat sich das Bild ein wenig aufgehellt. Sobald aber die Aktienmärkte in die allgemein erwartete Korrektur in diesem Herbst eintreten, werden wieder viele vom Tod der Aktie sprechen und dafür sicher auch Beifall erhalten.

Weitsichtige Investoren, welche die Schwächephase der Jahre 1979 bis 1981 durchgehalten und möglichst nachgekauft haben, können sich heute freuen.

Dieselbe Weitsicht ist nach meiner Meinung auch in der andauernden Schwäche der Gesamtwirtschaft heute die richtige Antwort. Die Aktienmärkte können durchaus in eine längere Seitwärtsbewegung eintreten, so wie dies auch in den späteren Jahren nach dem ersten Kursschub am Ende einer Rezession, in den Jahren 1983, 1984 und 1991, zu beobachten war. Langfristige Investoren werden jedoch die heutigen Chancen nutzen, die nach unserer Meinung ähnlich gelagert sein dürften wie die Chancen nach der Rezession der 70er Jahre, nach der Rezession Anfang der 90er Jahre und nach der Rezession Anfang dieses Jahrhunderts.

Da die Welt auch diesmal nicht untergehen wird, bietet sich der Kauf von Qualitätsaktien aus nichtzyklischen Branchen wie Gesundheit und Konsum an. Für Investoren, denen die Auswahl eigener Aktien zu kompliziert erscheint, empfehlen sich auch zu günstigen Kosten gehandelte Indexzertifikate auf die Aktienmärkte, wie zum Beispiel Dow Jones  oder EuroStoxx .