Sonntag, 15. Dezember 2019

Thilenius-Kolumne Der Tod der Aktie

Rezessionen hat es schon viele gegeben - ebenso wie schwache Phasen an der Börse. Bislang gelang es den Märkten jedoch stets, sich wieder zu berappeln. Die Skeptiker, die zu solchen Zeiten gern das Ende der Aktie als Kapitalanlage vorhersagen, wurden damit regelmäßig Lügen gestraft. Das wird auch diesmal so sein.

Vor ziemlich genau 30 Jahren, am 13. August 1979, erschien in der "Business Week" eine Titelgeschichte "The Death of Equities". Darin vertrat das US-Wirtschaftsmagazin die Ansicht, dass die damals herrschenden gesamtwirtschaftlichen Umstände, also hohe Ölpreise, Inflation und Arbeitslosigkeit zum Tod der Aktie führen würden. Der Dow-Jones-Index Börsen-Chart zeigen stand damals bei ungefähr 900 Punkten.

Immer wieder gerne prophezeit: Der Tod der Aktie
Tatsächlich hatten hohe Ölpreise, insbesondere ab der Ölkrise 1973 sowie hohe Inflation und Arbeitslosigkeit zu Mutlosigkeit in Bezug auf die Aktienanlagen geführt. Seit 1966 hatte sich der Dow Jones in einem engen Kursband bewegt, das nach unten bei etwa 600 Punkten und nach oben bei etwa 1000 Punkten begrenzt war. Während der Ölpreis zum Anfang des Jahrzehnts genau bis zur Ölkrise im Herbst 1973 bei etwa zwei Dollar notierte, war er in mehreren Schüben zuletzt im Zuge der iranischen Revolution Ende 1978/Anfang 1979 auf über 20 Dollar angestiegen und sollte bis 1980 noch weiter bis auf 40 Dollar klettern.

Gleichzeitig litt die Wirtschaft unter den hohen Zinsen. Die Zinsen für kurzfristiges Geld stiegen bis in das Jahr 1981 hinein bis auf 20 Prozent. US-Staatsanleihen mit Laufzeit von 20 Jahren warfen damals 15 Prozent ab, deutsche Staatsanleihen 11 Prozent.

Die bekannten Selbstheilungskräfte der Wirtschaft, eine finanzpolitische Kehrtwende des neuen Präsidenten Ronald Reagan, die sogenannten Reaganomics, die den vorher starken Einfluss des Staates zurückdrängten und die Hochzinspolitik führten im Laufe der Zeit zum Nachlassen der Inflation und dem Rückgang der Arbeitslosigkeit. Ziemlich genau drei Jahre nach Erscheinen des "Business Week"-Artikels bewegte sich der Markt weiterhin in dem relativ engen Kursband zwischen ungefähr 800 Punkten und 1000 Punkten. Die totgesagten Aktien waren also keineswegs gestorben.

Dann kam plötzlich die Wende. Am 11. August 1982 drehte der Markt mitten in einer Phase vieler Firmenzusammenbrüche und allgemeiner Mutlosigkeit. Eines der vielen Unternehmen, die damals in die Insolvenz gingen, war Chrysler. Damals, Mitte August 1982, war der Dow Jones bis auf knapp unter 800 Punkte gefallen.

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