Wachstum Japan überwindet einjährige Rezession

Japans Wirtschaft hat ebenso wie Deutschland nach einem Jahr die Rezession überwunden. Mit einem Wachstum von 3,7 Prozent auf Jahressicht weisen die Zeichen nach vier schwachen Quartalen wieder nach oben. Anleger in Fernost trauen der Erholung jedoch nicht: In Tokio, Singapur und Shanghai brechen die Indizes ein.

Tokio - Die japanische Wirtschaft hat die Rezession im zweiten Quartal mit einem soliden Wachstum von 3,7 Prozent auf Jahressicht hinter sich gelassen. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt folgt damit den positiven Vorgaben aus Deutschland und Frankreich, deren Wirtschaft nach der weltweiten Finanzkrise im abgelaufenen Quartal ebenfalls erstmals wieder leicht gewachsen war.

Wie die Regierung in Tokio am Montag auf Basis vorläufiger Berechnungen bekanntgab, stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen April und Juni um eine Jahresrate von real 3,7 Prozent. Dazu hätten die privaten Konsumausgaben sowie staatliche Konjunkturspritzen beigetragen.

Die Investitionen der Unternehmen blieben dagegen schwach. Im Vergleich zum vorangegangenen Monat legte die Wirtschaft um 0,9 Prozent zu. Im ersten Kalenderquartal war Japans stark exportabhängige Wirtschaft in Folge der Weltwirtschaftskrise noch um annualisiert 11,7 Prozent geschrumpft, nach einem Rekordrückgang um 13,1 Prozent im Vorquartal.

Die Erholung in Japan von April bis einschließlich Juni wurde vor allem von steigenden Exporten beflügelt, die im Vergleich zum Vorquartal um 6,3 Prozent zulegten. Besonders die Ausfuhren nach China nahmen stark zu, japanische Elektrogeräte waren jedoch auch weltweit wieder mehr gefragt.

Erholung auf schwachen Beinen - Binnenkonsum weiter schwach

Ökonomen warnten, dass die jüngste wirtschaftliche Erholung noch auf schwachen Füßen steht. Sie verweisen auf ein fallendes Lohnniveau, einen schwachen Binnenkonsum und eine Rekordarbeitslosigkeit von 5,4 Prozent - der höchste Wert seit sechs Jahren

Angesichts der Zweifel an der wirtschaftlichen Erholung sind die asiatischen Börsen mit kräftigen Kursverlusten in die Woche gestartet. Gewinnmitnahmen spielten auch eine Rolle, sagten Händler in Tokio. In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Leitindex Nikkei  am Montag 3,1 Prozent schwächer bei 10.268 Punkten. Der breiter gefasste Topix  verlor 2,5 Prozent auf 949 Zähler.

In China sieht es nicht besser aus: Die Börse in Shanghai setzte ihre Talfahrt fort und fiel auf den tiefsten Stand seit acht Wochen. Auch dort herrschte Unsicherheit über die wirtschaftlichen Aussichten sowie über die Wirtschaftspolitik der Regierung.

Risikoneigung nimmt wieder ab

Die Börsen in Australien, Taiwan, Südkorea und Singapur gaben zwischen knapp 2 und 3 Prozent nach. Auch die US-Aktienfutures notierten im roten Bereich.

Anleger nahmen die neuen Daten eher zum Anlass, ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen und sich die jüngsten Gewinne zu sichern, erklärten Händler. Vergangene Woche waren die Aktien in Tokio auf den höchsten Stand seit zehn Monaten geklettert.

Auch die Kursverluste an anderen asiatischen Börsen gaben den Investoren in Japan zu Denken. Es herrsche das Gefühl, dass der Risikoappetit der Anleger bereits wieder eine Grenze erreicht habe, sagte Fondsmanager Mitsushige Akino von Ichiyoshi Investment Management. Die Anleger blicken vor allem mit Sorgen auf die USA. Sie befürchten, dass das niedrige Verbrauchervertrauen auch die japanischen Exporte belastet.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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