Bilanzregeln Allianz droht mit Rückzug aus Aktien

Die Allianz tadelt die Vorschläge für die neuen internationalen Bilanzregeln. Sollten sie in der vorliegenden Form umgesetzt werden, droht der Versicherungskonzern mit dem Rückzug aus Aktien. Denn nach den Vorschlägen würden Aktieninvestments zu sehr hohen Schwankungen in den bilanziellen Ergebnissen führen. Und so etwas schätzt die Assekuranz gar nicht.

München - Europas größter Versicherer Allianz  droht seinem Finanzchef zufolge mit dem Rückzug aus Aktieninvestments, wenn die jetzt vorliegenden Vorschläge für neue internationale Bilanzregeln unverändert bleiben. "Nicht nur die Allianz, alle Versicherer würden ihr Aktienengagement deutlich nach unten fahren", sagte Finanzchef Helmut Perlet der "Financial Times Deutschland". Die Versicherer fürchten dem Bericht zufolge, dass Investitionen in Aktien künftig zu sehr hohen Schwankungen in den Ergebnissen führen und viel Kapital binden. Sie wären damit unattraktiver für Investoren. Ohne die Großanleger aus der Assekuranz würde den Aktienmärkten ein sehr wichtiger Investor fehlen.

Perlet setzt darauf, dass das Londoner International Accounting Standards Board (IASB) die Vorschläge noch ändert. "Wir werden als Allianz eine Stellungnahme abgeben und uns an einer Stellungnahme des CFO-Forums beteiligen", sagte er. Dort sind Finanzchefs großer europäischer Versicherer vertreten. Das IASB hatte vor wenigen Wochen unter dem Titel IAS 39 Vorschläge veröffentlicht, wie Finanzanlagen zu bilanzieren sind. Das Londoner Komitee setzt die Regeln für die Rechnungslegung nach dem International Financial Reporting Standard (IFRS), die dann von den einzelnen Ländern als Vorschriften übernommen werden.

"Der Vorschlag zum IAS 39 enthält grundsätzlich sehr viele positive Dinge", sagte Perlet. Zum ersten Mal dürften Versicherer ihre Kapitalanlagen und ihre Verbindlichkeiten gegenüber Kunden nach einheitlichen Kriterien bewerten. Doch seien zwei Punkte nicht stimmig, monierte er. "Wertveränderungen bei Aktien sollen laut IASB in vollem Umfang durch die Gewinn- und Verlustrechnung gehen", sagte er. "Es wäre aber richtiger, die kurzfristigen Wertveränderungen im Eigenkapital zu zeigen." Sonst wären gewaltige Fluktuationen bei den Ergebnissen die Folge. "Wir haben ein sehr langfristiges Geschäftsmodell. Da macht es wenig Sinn, das mit den Spotpreisen am Aktienmarkt zu bewerten."

Perlet sieht einen zweiten Schönheitsfehler. "Wir als Versicherer bekommen einen strukturellen Konkurrenznachteil gegenüber den Banken", sagte er. "Die Banken dürfen ihr Kreditrisiko zu Anschaffungskosten bewerten, während wir unser Kreditrisiko zu Marktwerten bilanzieren müssen." Damit würden bei Versicherern alle Veränderungen in der Bonität ihrer Schuldner, also geänderte Credit Default Spreads, sofort in die Gewinn-und-Verlust-Rechnung schwappen. "Das ist wenig einsichtig, schließlich ist unser Geschäftsmodell sehr viel langfristiger als das der Banken."

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx