General Motors/Opel Zarte Signale der Hoffnung

Ein Treffen von General-Motors-Chef Fritz Henderson und Magna-Lenker Siegfried Wolf in Detroit lässt den Opel-Betriebsrat wieder hoffen. "Verhalten optimistisch", so wertet der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz die Signale. Derweil will der US-Autobauer General Motors selbst schon Mitte kommenden Jahres wieder an die Börse gehen - und damit schneller als erwartet.

Rüsselsheim/Detroit/New York - Im Ringen um den Verkauf des Autobauers Opel hat ein Spitzengespräch in den USA neue Hoffnungen geweckt. Das Treffen von General-Motors-Chef Fritz Henderson und Magna-Chef Siegfried Wolf am Freitag in Detroit stimmte den Opel- Betriebsrat zuversichtlich. Die Signale, die ihn erreicht hätten, machten ihn "verhalten optimistisch", sagte Gesamtbetriebsratsvorsitzender Klaus Franz am Samstag der dpa auf Anfrage. Der Betriebsrat favorisiert ebenso wie die deutsche Politik den Zulieferer Magna als neuen Opel-Eigentümer.

Das Treffen von GM-Chef Henderson und Magna-Chef Wolf am Freitag in Detroit sei sinnvoll und gut gewesen, sagte Franz. "Ich sehe, dass es von beiden Seiten das Bemühen gibt, eine zukunftsorientierte Lösung für New Opel zu finden." Über ein Ergebnis wurde nichts bekannt. In Kreisen aus der Umgebung der Beteiligten hieß es, die Gespräche hätten eine gute Richtung genommen. "Es hat Fortschritte gegeben, aber noch keinen finalen Durchbruch", sagte Franz der Nachrichtenagentur Reuters. Allein die Tatsache, dass der Opel-Mitgesellschafter GM und der Kaufinteressent Magna auf höchster Ebene versuchten, die geplante Opel-Übernahme voranzutreiben, sei jedoch als positives Zeichen zu werten. "Beide versuchen, aufeinander zuzugehen, und ich denke, dass wir Mitte kommender Woche ein Stück klarer sehen", sagte Franz.

Neben Magna  ist auch noch der Finanzinvestor RHJ International im Rennen. RHJI besserte sein Angebot für Opel nach. Nach Angaben von Verhandlungskreisen verlangt das Unternehmen weniger Staatshilfen, wenn GM ihm die gleichen Lizenzgebühren für die Patentnutzung berechne wie Magna. RHJI wolle dann 3,6 Milliarden Euro statt der bislang geforderten 3,8 Milliarden Euro an Staatsgarantien.

Magna plant Staatsgarantien in Höhe von 4,5 Milliarden Euro ein. Das Unternehmen gab einen Verlust von 205 Millionen US-Dollar (143 Millionen Euro) für das zweite Quartal bekannt. Im Vorjahreszeitraum hatte Magna noch ein Plus von 227 Millionen Dollar erzielt. Magna-Chef Wolf versicherte, das Unternehmen stehe trotz der schwierigen Lage solide da und verfüge über Cash-Reserven von 1,7 Milliarden Dollar (1,18 Milliarden Euro).

Die IG Metall befürchtet Konsequenzen zu Lasten der Arbeitnehmer, falls eine Entscheidung über den Verkauf des Autobauers erst nach der Bundestagswahl getroffen wird. "Wir müssen befürchten, dass einige Verantwortliche denken, nach der Bundestagswahl weniger unter Druck zu stehen, was die Rettung der Arbeitsplätze bei Opel angeht", sagte der IG-Metall-Bezirksleiter und Opel-Aufsichtsrat Armin Schild der "Berliner Zeitung". "Dann könnten für die Arbeitnehmer deutlich unangenehmere Entscheidungen möglich sein, die man sich jetzt vor der Bundestagswahl nicht zutraut."

Der Börsentraum

Betriebsratschef Franz bekräftigte seine Forderung nach einer Intervention der Bundesregierung. Falls es nicht bald zu einer Lösung komme, sollten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) die GM-Spitze einbestellen. Nach Überzeugung von Franz sind die RHJI-Manager Strohmänner für GM, um an staatliche Bürgschaften zu kommen

Unterdessen kritisierten Mitglieder der Opel-Treuhandgesellschaft die Einflussnahme der deutschen Politik auf den Verkaufsprozess. Das Gremium, das bis zu einem Verkauf 65 Prozent der Opel-Anteile hält und verwaltet, stehe unter massivem Druck seitens der Bundesregierung und der vier beteiligten Bundesländer mit Opel-Standorten, dies erschwere eine objektive und sachgerechte Entscheidung, sagte Treuhänder Dirk Pfeil der Tageszeitung "Die Welt". Bund und Länder hatten sich mehrfach dafür ausgesprochen, dass der Autozulieferer Magna den Zuschlag für Opel erhält. In der Treuhand bewertet man das Magna-Angebot laut Zeitungsbericht aber überwiegend kritisch. Derzeit sei nicht klar, wie der Abfluss von Opel-Know-how beispielsweise nach Russland verhindert werden kann, sagte ein Treuhand-Mitglied dem Blatt.

General Motors  selbst will spätestens Mitte nächsten Jahres wieder an die Börse gehen. Dies wäre genau ein Jahr nach dem Verlassen des Insolvenzverfahren am 10. Juli dieses Jahres.

Die Ausgabe von neuen Aktien solle noch vor dem Jahrestag des Neustarts erfolgen, kündigte GM am Freitagabend (Ortszeit) in einer Mitteilung an die Börsenaufsicht an. Der bisherige Mutterkonzern des deutschen Autobauers Opel will mit "allen angemessenen Kräften" auf diesen Termin hinarbeiten. Bislang war allgemein das Jahr 2010 als Datum für den Börsengang genannt worden.

Dazu will GM 3,5 Milliarden Aktien bereitstellen. Mit dem Verkauf der Aktien soll zumindest ein Teil der Schulden an die US-Regierung und weitere Gläubiger zurückgezahlt werden. Sprecherin Julie Gibson erklärte, dass zunächst vermutlich nicht alle Aktien öffentlich angeboten würden. Wann die Beteiligungen ausgegeben werden sollen, wurde am Freitag nicht bekannt. Neues zum Schicksal von Opel findet sich auf der Web-Präsenz des amerikanischen Unternehmens allerdings nicht; dort spricht man lieber von der "Neu-Erfindung" von GM.

Angeschlagene Mutter

GM hatte nach nur rund 40 Tagen viel schneller als von den meisten Experten erwarte die Insolvenz verlassen. Die Mehrheit am größten US-Hersteller hält nun nach milliardenschweren Hilfen die US-Regierung.

Als nicht mehr börsennotiertes Unternehmen ist GM nicht zur Veröffentlichung seiner Bilanz verpflichtet. GM hatte allerdings angekündigt, dennoch gewisse Informationen zu veröffentlichen.

So will das Unternehmen nach dem dritten Quartal dieses Jahres erstmals wieder Teile seiner Geschäftsergebnisse veröffentlichen, bestätigte ein Konzernsprecher US-Medien. Seit dem Jahr 2004 hat GM Verluste von mindestens 88 Milliarden Dollar (61 Milliarden Euro) eingefahren.

In der Mitteilung vom Freitagabend machte GM nun aber keine Finanzangaben zur Lage des Konzerns, sondern beschrieb vor allem die bisherigen Schritte und Planungen nach dem Neustart.

GM-Chef Fritz Henderson meinte trotzdem: "Die heutige Veröffentlichung entspricht unserer Zusage, transparent zu bleiben und die Öffentlichkeit über unseren Fortschritt zu informieren."

Die bisherige Opel-Mutter bremste aber zu große Erwartungen an eine rasche Erholung: Für einen dauerhaften Geschäftserfolg müssten erst die Absatztalfahrt gestoppt und das Vertrauen der Kunden zurückgewonnen werden.

Auch Wettbewerber Chrysler hatte kurz vor GM über eine Insolvenz einen Neuanfang gemacht. Neben dem Staat und der Automobilarbeitergewerkschaft kam vor allem der italienische Fiat-Konzern  an Bord, der mittelfristig die Mehrheit übernehmen kann. Auch für Chrysler ist ein Börsengang angestrebt - aber nach bisherigen Äußerungen erst in einigen Jahren.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa und reuters