Lautstarker Protest Opel-Treuhänder unter Druck

Sie sollen das Beste für den Steuerzahler und Opel herausholen, doch daran würden sie gehindert: Die Opel-Treuhänder fühlen sich von Politikern in die Enge getrieben - und von deren Votum für den Opel-Bieter Magna. Dabei hat der bereits Ärger mit der US-Regierung. Jetzt entwickeln die Treuhänder offenbar einen Notfallplan. Die Opel-Betriebsräte sind in Aufruhr.

Berlin/Washington - Mitglieder der Opel-Treuhand haben die Einflussnahme der Bundesregierung und der vier beteiligten deutschen Bundesländer auf den Verkaufsprozess der General-Motors-Tochter scharf kritisiert. Das Gremium, das bis zu einem Verkauf 65 Prozent der Opel-Anteile hält und verwaltet, stünde unter massivem Druck seitens der Politik. Dies erschwere eine objektive und sachgerechte Entscheidung, sagte Treuhänder Dirk Pfeil der Tageszeitung "Die Welt".

"Ich habe den Eindruck dass hier politische Interessen über betriebswirtschaftliche Interessen gestellt werden. Aber für eine politische Lösung haben wir keinen Auftrag. Wir sollen einen Weg finden, der der beste für den deutschen Steuerzahler sowie für das Unternehmen und die Arbeitsplätze dort ist", sagte der Frankfurter Unternehmensberater und FDP-Politiker Pfeil.

Auch andere Mitglieder der Treuhand kritisieren dem Bericht zufolge den politischen Druck aus Deutschland. Bund und Länder hatten sich mehrfach dafür ausgesprochen, dass der Autozulieferer Magna den Zuschlag für Opel erhält. In der Treuhand bewertet man das Angebot Magnas aber überwiegend kritisch. "Derzeit ist es nicht klar, wie der Abfluss von Know-how Opels beispielsweise nach Russland verhindert werden kann", wird ein Treuhand-Mitglied zitiert. Und genau das ist auch eine Sorge, die offenbar die US-Regierung umtreibt.

Die amerikanische Regierung hat die Opel-Mutter General Motors  (GM) nach einem Bericht der "Wirtschaftswoche" angewiesen, Magna den Zuschlag für Opel so lange zu verweigern, bis Magna seine Verträge mit den russischen Magna-Partnern Gaz und Sberbank  offengelegt habe. Russische Unternehmen dürften keinen umfassenden Zugriff auf GM-Patente bekommen, berichtet das Blatt unter Berufung auf amerikanische Verhandlungskreise. Magna beharre aber bisher auf dem Zugriff auf alle Erfindungen und Entwicklungen im GM-Patentpool - nicht nur für den Autobau.

Rund 5 Prozent des Umsatzes macht der Konzern mit Rüstungsgütern. Die Forderung von GM, den Zugriff auf die Automobiltechnik zu begrenzen, habe Magna aber bisher stets abgelehnt. Das Misstrauen auf amerikanischer Seite schürte Magna angeblich noch, weil sich die Österreicher hartnäckig weigerten, GM in ihren Gesellschaftsvertrag mit der russischen Sberbank schauen zu lassen.

Der Opel-Betriebsrat hat deshalb Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aufgefordert, sich in die Verhandlungen einzumischen. "Wenn es bis Mitte nächster Woche keine Einigung gibt, dann bin ich dafür, dass Frau Merkel und Frank-Walter Steinmeier den GM-Chef Fritz Henderson nach Berlin einbestellen", sagte Opel-Betriebsratschef Klaus Franz. Bei diesem Spitzengespräch könne dann unter Führung der deutschen Bundesregierung eine Lösung gefunden werden.

Treuhänder suchen Alternative

Bisher buhlen Opel sowohl der Zulieferer Magna International  als auch der Finanzinvestor RHJ International weiter heftig um die Gunst des US-Konzerns General Motors ohne Zutun der Bundesregierung. RHJI erwägt nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", sein Angebot für Opel nachzubessern. Der von der deutschen Politik bevorzugte Bieter Magna wollte sich am Freitagabend mit GM in Detroit an einen Tisch setzen, um weiter über Opel zu verhandeln.

Das Patt zwischen GM und Magna löst mittlerweile in der Opel- Treuhandgesellschaft Besorgnis aus. "Wenn Deutschland und GM sich nicht auf Magna einigen können, dann müssen wir nach Alternativen suchen", sagte ein Mitglied des Treuhandbeirats der Zeitung. Denkbar sei dann auch ein Verkauf an RHJI, obwohl Bund und Länder dies bisher ablehnen. Die für die Sanierung von Opel benötigten Staatskredite müssten dann aus Amerika und anderen europäischen Ländern mit Opel- Standorten kommen - statt wie geplant aus Deutschland.

Unterdessen schließt der italienische Autobauer Fiat  laut "Welt" nicht mehr aus, erneut ein Angebot für den Rüsselsheimer Autobauer Opel abzugeben. "Wenn die Verhandlungen scheitern, ist alles wieder offen", erfuhr die "Welt" aus Kreisen des Turiner Industriekonzerns. Fiat hatte sich einen heftigen Bieterwettstreit mit Magna um den Zuschlag für Opel geliefert.

Als sich die Bundesregierung und die Betriebsräte jedoch für Magna ausgesprochen hatten und auch GM seine Ablehnung signalisiert hatte, hatte sich Fiat-Chef Sergio Marchionne aus dem Bietergefecht zurückgezogen und auf die Integration der Beteiligung am angeschlagenen US-Automobilhersteller Chrysler konzentriert. Magna musste heute allerdings einen herben Rückschlag melden.

Der Konzern fuhr im zweiten Quartal dieses Jahres wieder einen Verlust ein und die Umsätze brachen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ebenfalls dramatisch ein. Nach einem Gewinn von 434 Millionen Dollar im entsprechenden Vorjahreszeitraum lief ein Verlust von 405 Millionen Dollar auf.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa-afx und reuters