EZB/BoE Zentralbanken halten den Zins niedrig

Die Europäische Zentralbank und die britische Notenbank haben die Leitzinsen unverändert auf ihrem historisch niedrigen Niveau gelassen. Um eine Kreditklemme zu verhindern, hat die Bank of England zudem ihr Ankaufprogramm für Staatsanleihen und andere Papiere auf 175 Milliarden Pfund aufgestockt.

Frankfurt am Main - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins für den Euro-Raum auf dem Rekordtief von 1,00 Prozent gelassen. Das teilten die Währungshüter am Donnerstag im Anschluss an ihre turnusmäßige Ratssitzung in Frankfurt mit.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sagte, er rechne mit einer deutlichen Abschwächung des Wirtschaftsabschwungs. Allerdings werde die Konjunktur auch in den kommenden Monaten schwach bleiben.

Für das kommenden Jahr rechnet der EZB-Chef nach eigenen Worten mit einer Erholung. Im Gegensatz zu früheren Äußerungen, als er mit einer Belebung in der Mitte des kommenden Jahres rechnete, gab Trichet nun keine zeitliche Prognose ab.

Der Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB) zeigte sich wenig überrascht von der Entscheidung. VÖB-Hauptgeschäftsführer Karl-Heinz Boos sagte: "Sofern die leichte Konjunkturerholung Bestand hat und sich das wirtschaftliche Klima nicht massiv verschlechtert, wird der Leitzins unserer Überzeugung nach bis Mitte 2010 unverändert bleiben."

Zum letzten Mal hatte die EZB den Leitzins im Mai gesenkt, und zwar auf Rekordtief von 1 Prozent. Um die Kreditvergabe zwischen den Banken anzukurbeln, hatten die Europäischen Währungshüter Ende Juni den Banken mit 442 Milliarden Euro für eine Laufzeit von zwölf Monaten die größte Liquiditätsspritze aller Zeiten verpasst. Zudem hatte die EZB angekündigt, besicherte Schuldverschreibungen wie zum Beispiel Pfandbriefe im Wert von 60 Milliarden Euro aufzukaufen.

Bank von England stockt Ankaufprogramm auf

Angesichts von Sorgen vor einer Kreditklemme weitet Großbritanniens Notenbank ihren Kampf gegen die Rezession abermals aus. Die Bank von England (BoE) beschloss am Donnerstag, die für den Ankauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren zur Verfügung stehende Summe auf 175 Milliarden Pfund aufzustocken - 25 Milliarden mehr als ursprünglich von der Regierung genehmigt.

Zwar zeichne sich eine langsame Stabilisierung der Wirtschaft ab und die Geschwindigkeit des Abschwungs habe abgenommen, die Lage bleibe aber unsicher, urteilten die Notenbanker. Zudem gehe die Kreditvergabe an Unternehmen zurück - obwohl es erste Anzeichen für eine Verbesserung der Kreditkonditionen gebe.

An den Märkten gab das britische Pfund gegenüber Euro  und Dollar  zum Teil kräftig nach. Kaum ein Experte hatte mit einem so starken Aufstocken des Ankaufprogramms gerechnet. Analysten sahen darin ein Anzeichen dafür, dass die Notenbank ernsthafte Sorgen über die Aussichten für die Wirtschaft und vor einer Kreditklemme habe.

"Die Kreditvergabe der Banken an die Wirtschaft bleibt sehr schwach und die Spannen bei Bankdarlehen sind erhöht; das ist eine ernsthafte Bedrohung für eine Erholung der Konjunktur", sagte Howard Archer von Global Insight. Zudem stehe die Wirtschaft derzeit auf wackeligen Füßen, betonte Philip Shaw, Chefvolkswirt bei Investec.

Die Notenbank geht davon aus, dass die Käufe drei Monate lang fortgeführt werden. Den Leitzins beließen die Währungshüter wie erwartet bei 0,5 Prozent.

manager-magazin.de mit Material von ap und reuters