746 Millionen Euro Verlust Kreditausfälle sorgen Commerzbank-Chef

Die teilverstaatlichte Commerzbank hat ihren Verlust im zweiten Quartal dank Anteilsverkäufen reduziert, bleibt aber in den roten Zahlen. Das Institut will dennoch einen kleinen Teil der Staatshilfen zurückgeben. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück warnt Deutschlands Banker prompt.

Frankfurt am Main - Die Commerzbank  hat im zweiten Quartal von der Erholung der Finanzmärkte profitiert. Das operative Minus zwischen April und Ende Juni drittelte sich so im Vergleich zum Auftaktquartal auf 201 Millionen Euro. Analysten hatten nur mit einer Halbierung gerechnet. Unter dem Strich blieb das Institut aber mit 746 Millionen Euro in der Verlustzone - und rechnet mit weiteren Problemen.

So wird die Commerzbank die Folgen der Rezession nach eigener Einschätzung erst noch zu spüren bekommen. Im Privatkundengeschäft rechnet sie in diesem Jahr angesichts steigender Arbeitslosenzahlen und der wachsenden Zahl von Pleiten mit Ausfällen in der Konsumfinanzierung und bei Geschäftskunden. Im kommenden Jahr dürfte dann eine größere Zahl von Kunden Immobilienkredite nicht mehr bedienen können.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat dann auch vor einer Rückkehr zur alten Kultur des "Kasino-Kapitalismus" gewarnt. "In manchen Finanzzentren im Ausland gibt es eine solche Tendenz. In den Vereinigten Staaten und Großbritannien stellt die Lobby manche Regulierungsmaßnahmen schon wieder infrage", sagte Steinbrück laut ddp der "Passauer Neuen Presse". Der Commerzbank-Vorstand bleibt dann auch vorsichtig. Wie erwartet, musste die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle aber deutlich erhöht werden.

1800 Stellen bereits gestrichen - Stellenabbau geht weiter

Wie genau die Lage der Commerzbank derzeit ist, lässt sich nach Expertenmeinung auch trotz der veröffentlichten Quartalszahlen nicht genau einschätzen. Die Zahlen seien schwer vergleichbar mit dem Vorjahr durch den Zukauf der Dresdner Bank. Derzeit läuft die Eingliederung der ehemaligen Allianz-Tochter. "Wir liegen im Plan", glaubt immerhin Commerzbank-Finanzvorstand Eric Strutz selbst. Gut 1800 Stellen von insgesamt geplanten 9000 sind bereits weggefallen. Der Umbau kostete die Bank im zweiten Quartal mehr als 200 Millionen Euro.

Dafür profitierte die Commerzbank aber auch von einer Erholung im Investmentbanking. Das Geschäft etwa mit Währungen oder Anleihen hatte sich branchenweit sehr gut entwickelt und beim heimischen Primus Deutsche Bank  jüngst für einen Milliardengewinn gesorgt.

Die Commerzbank ist jedoch wesentlich stärker als die Deutsche Bank auf das klassische Kreditgeschäft gestützt. Und das bereitet zunehmend Sorgen. Zum einen geht der Vorstand davon aus, dass die Kreditnachfrage durch die schwache Konjunktur im zweiten Halbjahr sinken wird, zum anderen rechnet er damit, dass immer mehr Schuldner in finanzielle Bedrängnis geraten werden. Im zweiten Quartal legte die Commerzbank für den Fall von Kreditausfällen fast eine Milliarde Euro zurück. Angesichts der Unwägbarkeiten traut sich Bankchef Blessing weiter keine Jahresprognose zu.

Schrottpapiere: Abbau des Problemportfolios gerät ins Stocken

Staatshilfe zurückgeben

Weil die Refinanzierung für das komplette Jahr jedoch bereits steht und die Kunden viel Geld bei der Commerzbank geparkt haben, will das Institut nun einen Teil der staatlichen Hilfen zurückgeben: Garantien von fünf Milliarden Euro. Insgesamt hatte das Institut 15 Milliarden Euro an Garantien erhalten. Zudem hatte der Staat 18,2 Milliarden Euro an Kapital zugeschossen. Die stillen Einlagen sollen weiterhin frühestens in zwei Jahren zurückfließen.

Dennoch gibt es Probleme: Die Commerzbank wird ihre Schrottpapiere dieses Jahr aller Voraussicht nach nicht los. Das nach wie vor schlechte Marktumfeld stelle die Bank beim Abbau des als kritisch identifizierten Portfolios vor große Herausforderungen, teilte die Bank mit. Es sei nicht mit einem zügigen Abverkauf im laufenden Jahr zu rechnen. Die als kritisch eingestuften mit Vermögenswerten abgesicherten Wertpapiere (ABS) stehen mit rund 26 Milliarden Euro in den Büchern.

Im zweiten Quartal belastete das ABS-Portfolio das Ergebnis der Bank mit 279 Millionen Euro. Zudem hat es weitere Einmalbelastungen infolge der Finanzkrise in Höhe von 342 Millionen Euro gegeben. Dem standen Erlöse aus Verkäufen von Aktien der Dax-Konzerne Linde , Lufthansa  und ThyssenKrupp  in Höhe von 328 Millionen Euro gegenüber. Die Problempapiere würden das Ergebnis auch in der zweiten Jahreshälfte drücken, hieß es.

manager-magazin.de mit Material von dpa, ap und afp

Commerzbank: Auf der Strafbank

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