Anlage Staatsanleihen als Superstars

Es gibt Anlageexperten, die nach der monatelangen Hausse der Aktie das Wort reden. Und es gibt Bernd Früh, der vor dem Einbruch warnt und für Staatsanleihen plädiert. manager-magazin.de fragt bei dem Rentenexperten nach.
Von Arne Gottschalck

mm.de: Hat die Entwicklung der Aktien seit Jahresbeginn Sie eigentlich zu Aktien bekehrt - oder halten Sie den Anleihen die Treue?

Früh: Als Rentenfondsmanager halte ich natürlich der Anleihe die Treue, das ist ja auch mein Mandat.

mm.de: Für wie nachhaltig halten Sie die Erholungsbewegung an der Börse?

Früh: Zwei bis vier Monate kann sie gut noch dauern, so lange halten die Stimmungsindikatoren noch. Doch dann wird sich die Realität durchsetzen, der Bärenmarkt dürfte noch nicht beendet sein. An der Krise werden wir noch lange zu tragen haben.

mm.de: Welche Lehre ziehen Sie aus der Krise - ist Harry Markowitz zum Beispiel tot, wie Medien gern einmal sagen?

Früh: Der ist sicherlich nicht tot. 2008 hätte seine Lehre funktioniert, aber die Liquiditätsklemme hat das teilweise vereitelt. Staatsanleihen wären schon damals eigentlich gut gelaufen, doch kaum einer wollte sie haben - wegen der Furcht vor Inflation. Es ist endlich Zeit für die Ursachenforschung der Krise. Das, was in den Medien steht, greift meines Erachtens zu kurz.

mm.de: Ich bin gespannt.

Früh: Die zu geringe Eigenkapitalausstattung der Banken, ja, das ist richtig. Auch die aggressive Niedrigzinspolitik und die unzulängliche Regulierung. Doch allein deswegen von einer Kreditblase zu sprechen, ist falsch. Den Trend zur übermäßigen Kreditexpansion gibt es doch seit den 70er Jahren. Das lässt sich nicht so schnell reparieren. Zumal die Waffen - expansive Geldpolitik - einfach stumpfer werden. Nach jeder Krise werden die Geldhähne geöffnet, aber jedes Mal wird der Aufschwung schwächer. Die Probleme werden einfach nur verschleppt.

Ein- und Ausfälle

mm.de: Welche Rolle spielt derzeit die Ausfallwahrscheinlichkeit bei Anleihen?

Früh: Die Ausfälle werden kommen, allerdings verzögert. Solche Krisen haben langfristige Folgewirkungen. Aber vielleicht bin ich auch zu pessimistisch - wenn Rentenfondsmanager Blumen sehen, denken sie an eine Beerdigung.

mm.de: Welcche Anleihen sind denn aktuell interessant?

Früh: Ich denke, die Staatsanleihen werden es machen, Unternehmensanleihen sind bereits gelaufen. Wenn ich auf zehn Jahre 2 Prozent am langen Ende bekommen und das bei einer Inflation von 0 Prozent, dann ist das so schlecht nicht. Allerdings hat das etwas von japanischen Verhältnissen.

mm.de: Sie sprechen das verlorene Jahrzehnt an?

Früh: Ja, denke schon, dass es so etwas ist. Die konsequente Lösung wäre es gewesen, den Markt machen zu lassen. Aber dann liefe man Gefahr, voll in die Deflation zu laufen, und das war politisch nicht gewollt.

mm.de: Wenn ich Sie um die Aufteilung eines Musterportfolios für einen 30-jährigen Mann bitten würde mit Blick auf zehn Jahre, wie groß wäre der Aktien- und wie groß der Anleihenanteil?

Früh: Ganz stark vereinfacht, 95 Prozent Staatsanleihen. Und 5 Prozent Aktien.