Thilenius-Kolumne Als eine neue Zeit begann

Als Edwin L. Drake vor 150 Jahren erfolgreich die erste unterirdische Ölquelle erschloss, ahnte niemand, welche Bedeutung dies für die moderne Welt haben würde. Für gemeinhin gilt Drakes Experiment als Ausgangspunkt der Ölindustrie. Auch 150 Jahre danach macht es Sinn, über ein Öl-Investment nachzudenken.

Ende dieses Monats sollten Börseninteressierte einmal innehalten und die Uhr für einen Moment 150 Jahre zurückstellen. Denn die letzte Augustwoche im Jahr 1859 gilt als Beginn einer neuen Zeitrechnung. Ob nun am 27. oder 28. August, die Quellen sind hier nicht eindeutig, machte der Amerikaner Edwin L. Drake eine der wirtschaftlich bedeutendsten Erfindungen der Neuzeit.

Die Namen der großen Erfinder des 19. Jahrhunderts wie Daimler, Benz, Edison und einige andere kennt jedes Kind. Wer aber war Edwin Drake? Und was war seine große Erfindung?

In der Nähe der kleinen Stadt Titusville in Pennsylvania hatte er zusammen mit einigen örtlichen Handwerkern einen hölzernen Turm errichtet, in dem ein großes dampfbetriebenes Rad ein langes Kabel aufwickelte. Am Ende dieses langen Kabels hing ein eisernes Gewicht. Das Rad drehte sich, zog das Kabel und das Gewicht nach oben. Oben angekommen wurde es fallen gelassen und hieb ein großes Loch in den Boden. Dies funktionierte so ähnlich wie das Einschlagen eines großen Nagels. Das Bemerkenswerte an dem Boden war, dass darunter eine Ölquelle lag. Drake hatte damit als erster US-Amerikaner eine unterirdische Ölquelle erschlossen. Für gemeinhin wird dieses Experiment als Geburtstag der Ölindustrie angesehen.

Vom Whisky-Fass zum Öl-Barrel

Drake hat auch eine der bedeutendsten und heute noch gültigen Maßeinheiten geschaffen. Denn das in Pennsylvania gewonnene Öl wurde in hölzerne Fässer abgefüllt, die vorher zur Herstellung und Transport von Whisky gebraucht wurden. Daher kommt der Ausdruck Barrel in der Ölindustrie, der uns heute noch begleitet als Maß für Produktion und Verbrauch in der Ölindustrie. Die ursprüngliche Produktion von Drakes Ölquelle betrug 35 Barrels am Tag, das Barrel fasste 159 Liter. Jedes Barrel wurde zum Preis von 40 Dollar verkauft, dies entspricht ungefähr 700 Dollar nach heutigen Preisen.

1861 wurde dann die erste Ölraffinerie errichtet. Im selben Jahr wurde die erste Schiffsladung von Öl, damals in Barrels gelagert, aus Philadelphia nach London exportiert. Im Jahr 1865 wurde die erste erfolgreiche Pipeline gebaut deren Kapazität bei 800 Barrels am Tag lag und die immerhin über eine Länge von fünf Meilen lief. Bald wurde das Öl "schwarzes Gold" genannt und hat in den vergangenen 150 Jahren seinen Siegeszug um die Welt angetreten.

Rockefeller organisiert ein Öl-Kartell

Ab 1863 gelang es dann John D. Rockefeller die vielen verschiedenen kleinen Anbieter von Öl zusammenzufassen und in eine Art Kartell zu organisieren. Seine Gesellschaft hieß dann später die Standard Oil Company. Aus der ursprünglichen Standard Oil Company ist unter anderem. Exxon Mobil hervorgegangen. Viele Unternehmen sind seither gekommen und wieder gegangen, aber die Zahl der seit über einem Jahrhundert als Aktiengesellschaft bestehenden Unternehmen ist recht gering. In USA gehört auch Procter & Gamble dazu, gegründet im Jahr 1837.

Leider können wir nicht nachrechnen, was heute aus einem Dollar geworden wäre, der in der Frühzeit bei John D. Rockefeller investiert worden wäre. Es dürfte jedoch eine erkleckliche Summe sein. Wer nicht nur an sich, sondern auch an seine Kinder und Enkelkinder denkt, ist nach unserer Meinung mit einem Investment in Exxon Mobil sicher nicht schlecht bedient.

Hier ist kein schneller Ertragszuwachs und keine hohe Dividendenrendite in Sicht. Die Gesellschaft hat jedoch ein erstklassiges Renommee für das Schaffen von Shareholder Value durch sehr diszipliniertes Investieren in der Ölindustrie. Der Gewinn des Konzerns ist im Schnitt der vergangenen fünf Jahre durchschnittlich um 25 Prozent jährlich gestiegen. Diese für ein sehr großes Unternehmen recht hoch anmutende Zahl hängt natürlich vom stark gestiegenen Ölpreis ab. Über längere Zeiträume dürfte der Gewinn von Exxon eher etwa um die 10 Prozent steigen. Die Dividendenrendite beträgt 2,3 Prozent, das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt bei zehn.

Als einer der größten nichtstaatlichen Rohstoffproduzenten der Welt bietet die Exxon-Aktie nach unserer Meinung darüber hinaus einen sehr soliden Schutz gegen die in den kommenden Jahren wieder steigende Inflation.

Der Autor ist geschäftsführender Gesellschafter bankunabhängigen Vermögensverwaltungsgesellschaft Dr. Thilenius Management GmbH in Stuttgart. Das Unternehmen unterliegt der BaFin.