Rezession Preise sinken erstmals seit 22 Jahren

Was sich schon länger angedeutet hatte, ist jetzt amtlich: In Deutschland sinkt das Preisniveau für Waren und Dienstleistungen. Das Statistische Bundesamt veranschlagt den Rückgang für Juli auf 0,6 Prozent. Sinkende Preise wurden hierzulande zuletzt 1987 beobachtet.

Hamburg - Zum ersten Mal seit mehr als 20 Jahren sind die Verbraucherpreise in Deutschland gesunken. Die Preise lagen im Juli um 0,6 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch mitteilte. Dank der niedrigen Inflation spüren die Deutschen ihre Lohnerhöhungen nach vielen mageren Jahren wieder im Geldbeutel.

Die Inflationsrate lag erstmals seit 1987 unter null Prozent, teilte das Statistikamt unter Berufung auf vorläufige Zahlen aus sechs Bundesländern mit. Im März 1987 waren die Preise um 0,3 Prozent zurückgegangen. Zwischen April 1986 und April 1987 lag die Inflationsrate jeden Monat zwischen null Prozent und minus 1,0 Prozent.

Wie schon damals ist auch in diesem Jahr der starke Rückgang der Spritpreise für die negative Inflationsrate verantwortlich. Im vergangenen Juli hatten die Preise für Benzin und Diesel mit mehr als 1,50 Euro pro Liter einen historischen Höchststand erreicht. In diesem Juli liegen die Spritpreise um bis zu 20,7 Prozent niedriger.

Gesunken sind auch die Preise für Nahrungsmittel, die wie der Sprit einen großen Anteil an den Ausgaben der deutschen Verbraucher haben. Sie lagen im Juli zwischen 1,2 Prozent und 3,3 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Im Vergleich zum Juni sanken die Preise um 0,1 Prozent. Im Monatsvergleich gingen hierbei unter anderem die Preise für Heizöl und Sprit wieder deutlich zurück. Die Spritpreise sanken je nach Bundesland zwischen 3,6 Prozent und 5,5 Prozent.

Lohnerhöhungen füllen real den Geldbeutel

Schon in den vergangenen Monaten hatten sich die Kosten für die Lebenshaltung nur noch gering erhöht. Im Mai hatte die Inflationsrate bei null Prozent gelegen, im Juni bei 0,1 Prozent. Noch im vergangenen Sommer waren Inflationsraten von 3 Prozent und mehr gemessen worden.

Wie das Statistische Bundesamt in einer weiteren Erklärung mitteilte, lagen die Tarifverdienste im April im Schnitt um 2,8 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Die Verbraucherpreise stiegen in dieser Zeit nur um 0,7 Prozent. Somit spürten die Deutschen ihre Lohnerhöhungen auch im Geldbeutel. In den vergangenen Jahren war das Lohnplus oft von der Inflation aufgefressen worden.

Laut Statistikamt stiegen in dem Zeitraum die Löhne besonders stark im öffentlichen Dienst, wo es ein Plus von 3,3 Prozent gab. Geringer fiel das Lohnplus unter anderem bei Hotels- und Gaststätten mit 1,5 Prozent und auf dem Bau mit 1,7 Prozent aus. Keine Lohnerhöhung gab es in der Zeit im Rundfunk, im Landschafts- und Gartenbau sowie in der Leiharbeitsbranche.

manager-magazin.de mit Material von afp