Geldpolitik "Inflationsdruck bleibt gedämpft"

EZB-Vizepräsident Lucas Papademos hat Inflationsbefürchtungen wegen der krisenbedingt sehr großzügigen Geldversorgung der Märkte durch die Notenbank gedämpft. Vor einer Kursänderung in der Geldpolitik seien technische Fragen zu klären. Aktuell stehe das Umsteuern nicht an.

Berlin - "Die Art und Weise, wie wir die Liquidität in den Markt gegeben haben, macht es zumindest von der Konzeption her einfach, sie wieder zurückzuholen", sagte Papademos dem "Handelsblatt". Dafür gebe es mehrere geeignete Instrumente. Der Abzug von Liquidität müsse allmählich laufen.

Auf die Frage, ob er einen Zeitpunkt für das Umsteuern im Auge habe, sagte Papademos: "Keinen genauen." Er machte deutlich, dass sich die EZB von der Politik nicht unter Druck setzen lassen werde. "Wann und wie schnell die EZB Liquidität abziehen wird, hängt davon ab, wie wir mittel- bis langfristig die Preis- und Inflationsentwicklung einschätzen", sagte der Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB).

"Im Moment gehen wir davon aus, dass der Inflationsdruck auf mittlere Sicht gedämpft bleibt." Für 2010 werde allgemein eine Teuerungsrate von rund einem Prozent erwartet, deutlich weniger als die EZB-Stabilitätsmarke von knapp zwei Prozent. Aktuell stehe das Umsteuern nicht an.

Nach allen Informationen und den Analysen der EZB gebe es "keine Veranlassung, unmittelbar den Abzug ins Auge zu fassen", sagte er. Die Notenbank habe sich erst einmal festgelegt, "zumindest über das Jahresende hinaus" weiter Zentralbankgeld zum festen Notenbankzins zur Verfügung zu stellen. Alles andere hänge von der Stärke und Geschwindigkeit der wirtschaftlichen Erholung ab.

So gehe es etwa darum, wie schnell die Wachstumsrate im Euro-Raum sich wieder an das Potenzialwachstum annährt, bis zu der die Wirtschaft inflationsfrei wachsen kann. "Sie müssen aber bedenken, dass die künftige Potenzialwachstumsrate niedriger sein kann", mahnte Papademos. Der richtige Zeitpunkt für die Umsetzung der Exit-Strategie lasse sich nicht vorhersagen. Wichtig sei vor allem die Einschätzung der künftigen Inflationsdynamik und der entsprechenden Risiken.

Papademos versprach den Märkten eine rechtzeitige Vorbereitung auf den Zeitpunkt des Umsteuern der EZB durch eine entsprechende Informationspolitik. "Wir werde mit Sicherheit nicht an einem Tag eine Entscheidung treffen und sie am nächsten Tag umsetzen", sagte er. Man werde das den Märkte "mit einem ausreichenden Vorlauf" ankündigen. Politischen Druck auf die EZB bei diesem Thema wollte Papademos nicht ausschließen, doch werde die Notenbank darauf nicht reagieren.

"Auf jeden Fall werden wir die Entscheidung treffen, die wir für angemessen halten, um unser Ziel zu erreichen", sagte er. " Die Politiker werden unsere Entscheidung nicht beeinflussen", stellte er klar und ergänzte: "Politiker sind nie für steigende Zinsen".

manager-magazin.de mit Material von reuters

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