Vertreter machten Druck Allianz 24 gibt auf

Der Versicherungskonzern Allianz wird seinen deutschen Internetanbieter Allianz 24 im September schließen. Die Onlinestrategie des größten deutschen Versicherers gilt damit als gescheitert. Der Widerstand der eigenen Allianz-Vertreter gegen die günstigere Onlinekonkurrenz war offenbar zu groß.

Hamburg - "Sparen Sie bis zu 400 Euro bei der Kfz-Versicherung" - Werbebotschaften wie diese der eigenen Onlinetochter waren den Allianz-Vertretern schon immer ein Dorn im Auge. Mussten sie das nahezu gleiche Produkt ihren Kunden doch deutlich teurer verkaufen. Die seit 2005 unter Allianz 24 aggressiv betriebene Onlinestrategie des größten deutschen Versicherers hatte in der Vergangenheit immer wieder für Ärger unter dem Allianz-Dach geführt. Angesichts des dürftigen Erfolgs und des Drucks in den eigenen Reihen nimmt die Allianz ihre Onlinetochter unter der Marke Allianz 24 jetzt vom Netz.

Die Allianz habe bereits alle Kooperationsverträge mit Onlinevergleichsportalen gekündigt, berichtet die "Financial Times Deutschland" (FTD, Dienstagausgabe). Künftig müssen interessierte Kunden damit deutlich teurer über die normale Allianz-Website abschließen. Im Billigsegment wolle der Konzern europaweit mit einem neuen Anbieter auftreten. Die Marke Allianz soll aber auf keinen Fall verwendet werden, heißt es in dem Bericht.

Unter Experten wie Manfred Poweleit gilt die seit dem Jahr 2005 verfolgte Strategie des Marktführers, unter einer Marke zugleich ein Hochpreisangebot über Versicherungsvermittler und Billigtarife über das Internet anzubieten, damit als gescheitert.

"Der Druck des Hausvereins war offenbar zu groß", mutmaßt der Chef des Branchendienstes Map-Report. Sogenannte Hausvereine sind die Interessenvertretung der Ausschließlickeitsvermittler. Sie vertreten die beruflichen und wirtschaftlichen Belange der für einen Versicherer arbeitenden Versicherungsvermittler gegenüber der Geschäftsführung und versuchen, auf sie Einfluss zu nehmen. Der Hausverein der Allianz-Vertreter soll bei Deutschlands größtem Versicherer eine starke Position haben, heißt es.

Ein Sprecher der Allianz Deutschland bestätigte, dass Allianz 24 nicht fortgeführt wird. Der Konflikt unter den Vertriebskanälen habe dabei eine "große Rolle" gespielt. Das heißt im Klartext: Die 10.000 Allianz-Vertreter hatten sich auch über ihren Hausverein vehement gegen die Internet-Konkurrenz aus dem eigenen Haus zur Wehr gesetzt, die mit Preisen von 20 Prozent bis 30 Prozent unter den regulären Angeboten auftrat.

Der reine Versicherungsvertrieb über das Internet spielt mit Blick auf die Marktanteile noch eine untergeordnete Rolle in Deutschland. Der Direktvertrieb (Post/Telefon) und der Internetvertrieb kommen zusammen auf ein Prämienvolumen, das im vergangenen Jahr gerade einmal 5 Prozent erreichte. Gleichwohl haben in der Vergangenheit immer mehr Anbieter ihre Chance auch über das Internet gesucht, über das vor allem Kfz-Policen und Risikolebensversicherungen abgesetzt werden.

"Ein zufriedener Außendienst bringt mehr ein als das Internet"

Besonders stark ist der Preiskampf im Kfz-Bereich ausgeprägt. Gilt doch die Autoversicherung als Einstiegspolice für weitere Produkte, die sich an den Kunden bringen lassen könnten. Die Allianz hat hier in der Vergangenheit zusehends an Boden verloren und versichert mittlerweile nur noch unter neun Millionen Fahrzeugen. Der Mittbewerber HUK-Coburg kommt auf etwas mehr als acht Millionen Verträge.

Dabei hat der Internetableger HUK24 nach Informationen der "FTD" mittlerweile mehr als eine Million Fahrzeuge versichert und sorge im Wesentlichen für das Wachstum der Gruppe. Die Hoffnungen des vergleichsweise jungen Marktteilnehmers Allianz 24 erfüllten sich dagegen nicht: Mit 300.000 versicherten Fahrzeugen blieb das Portal weit hinter der Konkurrenz und auch den eigenen Erwartungen zurück.

"Internetvertrieb hat noch nie wirklich gut funktioniert", sagt Poweleit. Die meisten Kunden informierten sich zwar online, würden ihren Vertrag dann aber doch über einen Vertreter abschließen. Poweleit hält es indes für eine "kluge Entscheidung" des Konzerns, den Versicherungsvertrieb unter der Marke Allianz 24 einzustellen. "Ein zufriedener Außendienst bringt mehr ein als es der Vertrieb über das Internet vermag", ist der Experte überzeugt.

Allianz 24 soll nun im September vom Netz gehen. Interessierte Kunden können dann zwar weiter im Internet Verträge abschließen, allerdings nur noch zu höheren Preisen als bisher. Sie sollen nach Informationen der "FTD" lediglich bis zu 10 Prozent unter den Standardpreisen des Versicherers liegen. Wird künftig eine Police unter Allianz.de geordert, verdient das Vertriebspersonal über eine Provision aber auf jeden Fall mit. Denn der online gestellte Antrag des Kunden werde nach seiner Adresse einem Vertreter zugeordnet, heißt es. Dem Hausfrieden in der Allianz dürfte das jedenfalls nicht abträglich sein.

mit Material von Nachrichtenagenturen

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