Infineon-Einstieg Apollo droht leer auszugehen

Der US-Finanzinvestor Apollo könnte bei dem geplanten Infineon-Einstieg Opfer seiner eigenen Schützenhilfe werden. Nachdem Apollo angekündigt hatte, bei dem Chipkonzern einsteigen zu wollen, legte die Infineon-Aktie kräftig zu - genau das könnte dem Einstieg nun im Wege stehen.

München - Keiner wollte dem krisengeschüttelten Unternehmen Geld geben, bis sich die Amerikaner vergangene Woche erbarmten, bei Infineon  eine Kapitalerhöhung von bis zu 725 Millionen Euro auch alleine zu stemmen. Doch das Kursfeuerwerk der vergangenen Woche könnte Apollo am Ende mit leeren Händen dastehen lassen.

Die große Lücke zwischen dem Bezugspreis der neuen Anteilsscheine aus der Kapitalerhöhung von 2,15 Euro und dem Schlusskurs der Aktie von Freitag von 3,32 Euro weckt reges Interesse unter den Altaktionären. So könnte der ersehnte Retter am Ende unverrichteter Dinge wieder abziehen müssen, statt sich den geplanten Anteil von knapp 30 Prozent an Infineon zu sichern.

Analysten zufolge lohnt sich vor allem für institutionelle Investoren die Zeichnung der Kapitalerhöhung. Sie können die große Lücke zwischen Emissionspreis und Kurs nutzen, um kurzfristig Gewinne einzustreichen. Somit könnte Apollo Zugriff auf weniger als die Hälfte der geplanten Kapitalerhöhung erhalten - und könnte sich damit nach einer Vereinbarungsklausel wieder als Geldgeber zurückziehen. "Je höher die Aktie steht, desto wahrscheinlicher wird es, dass Apollo nicht groß einsteigen kann", sagte Analyst Bernd Laux von Cheuvreux.

Finanzkreisen zufolge neigt die Private-Equity-Firma dazu, sich zu verabschieden, sollte sie nicht mindestens 15 Prozent erlangen. Denn das würde ihr nicht den Durchgriff auf das operative Geschäft von Infineon ermöglichen, auf den sie Wert legt. Ein lohnendes Geschäft wird es für sie allemal. Tragen die Altaktionäre die Kapitalerhöhung allein, erhält Apollo laut Emissionsprospekt 21 Millionen Euro allein für seine Rückendeckung. Bekommt der Finanzinvestor weniger als 25 Prozent, fallen noch 5,5 Millionen Euro plus 5,7 Cent für jede Aktie an, die ihm für das Viertel fehlen.

Analyst Laux verweist auf ein Detail, das Apollo zusätzliche Einnahmen verspricht. Der Investor ist bei einem Anteil von 15 Prozent nicht an eine Haltefrist gebunden. "Theoretisch können sie die am nächsten Tag verkaufen und einen beträchtlichen Gewinn realisieren" - nach derzeitigem Stand wäre das mehr als ein Euro je Aktie.

Infineon-Chef Bauer: "Sie sind uns willkommen"

Dass Apollo bei Infineon nur auf ein Finanzgeschäft aus war, hält Laux nicht für realistisch. "Ich glaube schon, dass sie einsteigen wollten und wollen, aber in Anbetracht des Aktienkurses ist es inzwischen eher unwahrscheinlich." Der Finanzinvestor hat schon die Neubesetzung der Aufsichtsratsspitze zum 1. Oktober geplant.

Infineon empfängt Apollo mit offenen Armen. "Sie sind uns willkommen", sagte Infineon-Chef Peter Bauer der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Samstagausgabe). Noch sei allerdings nicht gewährleistet, dass Apollo auch einsteige. "Es hängt ausschließlich von den Altaktionären ab, ob und in welchem Umfang diese das Angebot annehmen." Fest stehe für ihn aber, dass Apollo an einem langfristigen Engagement orientiert sei.

Nach Einschätzung von Analyst Laux ist Infineon "in jedem Fall seine Finanzprobleme los." Sal.-Oppenheim-Analyst Jürgen Wagner warnt allerdings davor, die Chancen von Apollo zu unterschätzen. Infineon hat einen recht großen Anteil von Aktionären, die Pakete von weniger als 3 Prozent halten. Es sei fraglich, ob gerade sie Bedarf an weiteren Papieren des Halbleiterkonzerns hätten. Vor allem die Bezugsrechte solcher Aktionäre könnte sich Apollo sichern, erwartet Wagner. Endgültige Gewissheit gibt es für alle erst nach Ablauf der Bezugsfrist am 7. August.

Jens Hack, reuters