US-Banken Die Ruhe vor dem zweiten Sturm

Sie taumelten als erste an den Abgrund, nun feiern die US-Banken eine Wiederauferstehung. Analysten erwarten, dass in der beginnenden Quartalssaison die Gewinne wieder sprudeln werden. Doch die nächsten Risiken lauern schon.

New York - Zuerst haben Amerikas Banken die Welt ins Unheil gestürzt. Doch während rund um den Globus die Wirtschaft noch tief in der Krise steckt, trauen Analysten einigen US-Finanzhäusern bei den anstehenden Zahlen für das zweite Quartal bereits wieder deutliche Gewinne zu.

Frisch gestärkt wagt die Wall Street sogar zunehmend die Machtprobe mit der US-Regierung, die sie mit Steuergeldern gerade erst aus dem Sumpf zog. Experten aber warnen die Branche vor Übermut: Mit Kreditausfällen infolge der Rezession rolle schon die nächste Problemwelle auf die Institute zu.

Die Investmentbank Goldman Sachs  eröffnet an diesem Dienstag den Reigen der Bankenergebnisse - Analysten zufolge mit einem satten Gewinn. Unter dem Strich könnten 2,2 Milliarden Dollar (1,6 Milliarden) stehen, wie der US-Wirtschaftsdienst Bloomberg aus den Prognosen ermittelte. Das wäre der höchste Gewinn seit dem Rekordjahr 2007.

Gewinne wie vor der Krise? Manche beschleicht da ein ungutes Gefühl: "Glauben wir, dass es gut oder wünschenswert ist, wieder zum Status quo zurückzukehren?", fragt Bankenrechts-Professor Arthur Wilmarth von der George Washington University laut Bloomberg.

Die Wall-Street-Legende Goldman Sachs und andere große Institute zahlten erst kürzlich jeweils zweistellige Milliardenhilfen der US- Regierung zurück, die einige hinter vorgehaltener Hand sogar als "aufgezwungen" beklagt hatten. Ein Signal zurückkehrender Stärke an die Märkte - aber auch der Versuch, den ungeliebten Staatseinfluss wieder abzuschütteln. Wer will sich schon von US-Präsident Barack Obama die Managerbezahlung und die Kreditvergabe diktieren lassen?

Comeback des Investmentbankings

Zunehmend die Stirn bieten einige Banken dem Staat auch bei einem anderen Thema: Nach den Rettungsaktionen für die Branche hält die Regierung noch riesige Optionspakete für den Kauf von Anteilen an den Finanzhäusern. Auch das ist den Banken ein Dorn im Auge. Der Staat und viele Institute streiten sich nun über den Rückkaufwert.

Für solide Ergebnisse sorgte im vergangenen Quartal bei einigen Häusern das Wertpapiergeschäft. Das sei sehr stabil gelaufen, sagt Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank. Auch das Investmentbanking dürfte manchen gute Zahlen bescheren.

"Banken, die hier im ersten Quartal geglänzt haben, werden das auch dieses Mal tun", sagt Martin Faust von der Frankfurt School of Finance etwa mit Blick auf Goldman Sachs. "Problematisch sind dagegen Institute, die sich nur auf das klassische Geschäft konzentrieren."

Spannend wird es beim Finanzkonzern J. P. Morgan Chase, der sich bisher besser als die Rivalen schlug und trotz der Krise stets noch Gewinne erzielte. Zur Zahlenvorlage am Donnerstag erwarten Analysten im Schnitt ein kleines Plus, nur einzelne ein Minus.

Die zu den größten Sorgenkindern der Krise zählende Citigroup  konnte laut Experten ihren Verlust zum Vorjahr verringern. Bei der Bank of America  rechnen Analysten mit weniger Gewinn als ein Jahr zuvor. Der staatliche Stresstest zur Bankenstabilität hatte dem Finanzriesen die größte Kapitallücke der Branche bescheinigt: fast 34 Milliarden Dollar. Beide Häuser legen ihre Ergebnisse am Freitag vor.

Noch mehr als auf die Zahlen der Vergangenheit blicken Anleger auf die Prognosen für das kommende Geschäft. Und da warten jede Menge Risiken. "Die nächste Frage wird sein, wie sich die Krise der Realwirtschaft auswirkt und in Kreditausfällen in den Bankbilanzen niederschlägt", sagt der Kölner Bankenprofessor Thomas Hartmann-Wendels.

Durchgestanden haben die US-Institute die Krise deshalb noch längst nicht. "Es gibt zwar Anzeichen für eine Entspannung im ersten Halbjahr, die Bankenbranche befindet sich aber immer noch in einem sehr labilen Zustand", sagt Hartmann-Wendels. "Was wir jetzt sehen, ist die Ruhe vor dem zweiten Sturm."

Annika Graf und Roland Freund, dpa

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