Mittwoch, 11. Dezember 2019

Dax-Geflüster Als wäre nichts gewesen

Niedrigzinsen, Bilanzlockerungen, Bad Banks: Politik und Währungshüter rollen den Banken den roten Teppich aus. Doch statt die Wirtschaft verstärkt mit Krediten zu versorgen, drehen die Finanzinstitute auch dank der Hilfen schon wieder am großen Rad. Für Anleger ergibt sich ein neues Risikoszenario.

Keine zehn Monate ist es her, da erregten Banker noch Mitleid. In den USA gewährten Kneipen gefeuerten Mitarbeitern des Pleiteinstituts Lehman Brothers Börsen-Chart zeigen Rabatt aufs Bier, Karrieretrainer räumten Nachlässe bei der Bewerbung für einen neuen Job ein. In Deutschland sorgten sich Gewerkschaft und Öffentlichkeit um Zehntausende Arbeitsplätze in der Branche. Vor allem aber litten Inhaber von Finanzaktien mit den Bankern; Anleger verloren mitunter einen Großteil ihres Vermögens.

Wir sind wieder da: Bei Banken und Bankern macht sich neues Selbstvertrauen breit
Das Bild hat sich gewandelt. Inzwischen sprudeln die Gewinne bei vielen Geldhäusern wieder, Boni werden fließen, und zum Teil entdecken die Banken sogar erneut die alten, verhängnisvollen Geschäftsmodelle. Ausgerechnet Politik und Währungshüter machen es möglich mit geänderten Bilanzgesetzen, niedrigen Zinsen und Bad Banks. Von der eigentlich geplanten strengeren Regulierung ist dagegen noch nicht viel zu sehen.

Geht also alles wieder von vorne los? Werden die Banken künftig erneut in der Lage sein, hohe Risiken einzugehen und diese in ihren Bilanzen zu verstecken? Investoren scheint diese Aussicht fatalerweise zu erfreuen.

In dieser Woche nahmen sie elektrisiert die Nachricht auf, dass Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) die Regeln für die Eigenkapitalbilanzierung lockern will. Kaum machte der Vorschlag die Runde, griffen Anleger zu. Commerzbank Börsen-Chart zeigen gewannen mehr als 5 Prozent, auch die Kurse von Deutscher Bank Börsen-Chart zeigen und Postbank Börsen-Chart zeigen hängten Dax Börsen-Chart zeigen und MDax Börsen-Chart zeigen ab.

Dabei sollte das Ziel der Regelung zu denken geben: Verlieren von einer Bank gehaltene Papiere an Wert, soll dies nicht mehr offiziell das Eigenkapital schmälern. Die Institute hätten mehr Spielraum für die Kreditvergabe - aber eben auch für riskantere Geschäfte. Aus Sicht des Frankfurter Bankenprofessors Martin Faust eine Steilvorlage für einen "Rückfall" in alte Zeiten. "Niemand hindert die Banken daran, die neuen Freiheiten für verstärkte Wertpapiergeschäfte zu nutzen." Die Politik versuche "die Krise mit Mitteln zu bekämpfen, die für deren Ausbruch verantwortlich sind", sagt Bankenanalyst Dieter Hein von Fairesearch.

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