Sonntag, 8. Dezember 2019

Liquidität Banken horten Geld

Politiker, Wirtschaftsinstitute und Topbanker streiten darüber, ob Deutschland in einer Kreditklemme steckt. Neben den aufgeregten Wortgefechten gibt es nackte Zahlen, die zeigen: Die EZB stellt zwar Unmengen Geld bereit, Banken bringen es aber nicht in Umlauf. Die Einlagen bei der Zentralbank erreichen Rekordhöhe.

Hamburg - Vor der Krise liehen sich Banken und andere Investoren Geld aus, um es höher verzinst wieder anzulegen. Seit der Krise borgen sich Banken Liquidität, um es niedriger verzinst zu parken. Das scheint auf den ersten Blick für die Banken kein gutes Geschäft zu sein. Auf den zweiten Blick ist das Modell fatal für die gesamte Wirtschaft.

Geld lieber sammeln als verteilen: Das Dagobert-Prinzip
Rund jedes zweite große Industrieunternehmen berichtet laut der jüngsten Ifo-Umfrage, dass es trotz solider Bilanzen und ausreichender Eigenkapitaldeckung keine neuen Kredite bekommt. Marktbeobachter äußern, den Banken fehle es nicht an Liquidität, sondern an der Bereitschaft, sie auszuleihen (Dagobert-Prinzip). Zu groß ist die Angst vor Kreditausfällen.

Seit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers flutet die Europäische Zentralbank (EZB) den Markt regelmäßig mit Liquidität. Ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte die Geldschwemme am 24. Juni. An diesem Tag lieh die EZB dem Bankensektor eine Rekordsumme von 442 Milliarden Euro zu einem festen Zins von nur einem Prozent für ein Jahr.

Die Banken griffen zu - und legten das Geld postwendend wieder bei der EZB an. Dafür bekamen sie einen Zinssatz von 0,25 Prozent. Das bringt zwar Zinsverluste, schafft Banken jedoch ein Risikokissen.

Damit laufen die Bemühungen der Zentralbanken ins Leere. Die EZB erhofft sich von ihren Langfristtender vor allem, dass sich die Situation am Geldmarkt weiter entspannt und die Banken wieder stärker Kredite an Unternehmen und Verbraucher weiterreichen. Diese Hoffnung hat sich jedoch bislang noch nicht erfüllt: Marktbeobachter befürchten, dass viele Banken das Geld der Zentralbanken als Risikopuffer gegen weitere Wertpapierabschreibungen und Kreditausfälle nutzen.

Anfang dieser Woche sind die Einlagen der Banken des Euro-Raums bei der EZB erneut auf einen Rekordstand geklettert. Rund 315,96 Milliarden Euro übernachteten bei der Notenbank. Zum Vergleich: Ende vergangener Woche waren es noch 287,73 Milliarden Euro.

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