Trotz niedriger Inflation Arbeitnehmern bleibt weniger

Nach Berechnungen der Commerzbank werden die Reallöhne der Arbeitnehmer fallen. Die Inflation ist zwar niedrig, sie werde aber das geringe Plus bei den Einkommen in diesem und im kommenden Jahr überragen, sagen die Experten voraus.

Berlin - Die Verbraucherpreise steigen kaum noch, trotzdem kann sich die Bevölkerung weniger leisten: Die Pro-Kopf-Löhne deutscher Arbeitnehmer dürften im laufenden Jahr real zurückgehen, ist die Commerzbank überzeugt

Nach Berechnungen des Instituts, die der "Berliner Zeitung" vorliegen, sollten die Tariflöhne in diesem Jahr zwar noch um 2,2 Prozent steigen. Gleichzeitig aber streichen die Unternehmen Sonderzahlungen und freiwillige Leistungen an die Beschäftigten. Zudem versuchten sie, Öffnungsklauseln in Tarifverträgen zu nutzen.

Der effektiv gezahlte Lohn werde dieses Jahr daher lediglich um 0,3 Prozent zulegen. Angesichts einer erwarteten Inflation von etwa 0,4 Prozent "erleiden die Lohn- und Gehaltsempfänger ein Minus", sagte Commerzbank-Ökonom Eckart Tuchtfeld der Zeitung.

2010 wird es voraussichtlich nicht besser. "Die effektiv gezahlten Löhne dürften 2010 stagnieren", vermutet Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Angesichts eines Anstiegs der Inflationsrate auf etwa 1,5 Prozent drohten den Arbeitnehmern weitere Reallohnverluste.

Die gesamte Bruttolohnsumme wird 2009 nach Commerzbank-Berechnungen um 0,5 Prozent sinken, die Nettolohnsumme sogar um 1,5 Prozent. Insgesamt würden die verfügbaren Einkommen um 1 Prozent schrumpfen.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam das Wirtschaftsforschungsinstitut RWI bereits Ende Juni. "Pro Kopf werden die Reallöhne 2009 um 1,5 Prozent sinken", hatte RWI-Konjunkturchef Roland Döhrn erklärt. Hauptgrund ist aus Sicht des Experten die zunehmende Zahl der Kurzarbeiter. Wenn eine Million Deutsche in Kurzarbeit seien, senke allein dies die Löhne im Schnitt um knapp 1 Prozent, sagte Döhrn.

Schon im ersten Quartal dieses Jahres waren die Reallöhne um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesunken, hatte das Statistische Bundesamt mit seinem erstmalig errechneten Reallohnindex festgestellt. Die rückläufigen Reallöhne resultierten hauptsächlich aus dem schwachen Anstieg der Verdienste um 0,4 Prozent, hieß es. Ursache dafür sei vor allem der Rückgang der Sonderzahlungen gewesen, die im Jahresvergleich um 7,9 Prozent abnahmen. Die Grundvergütung, das heißt die Bruttomonatsverdienste ohne Sonderzahlungen, sei hingegen im gleichen Zeitraum um 1,5 Prozent gestiegen.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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