Kurssprung Einzelner Zocker trieb Ölpreis hoch

Die Fachwelt staunte, Autofahrer schäumten. Trotz weltweiter Rezession legte der Ölpreis in den vergangenen Wochen wieder deutlich zu - auf fast 75 Dollar pro Barrel. Nun wird deutlich, warum. Ein Händler trieb die Notierung am Dienstag im Alleingang nach oben - seine Millionenwette verlor er dabei.

Hamburg - An den Rohstoffbörsen herrscht Ausnahmezustand, seit Monaten machen Regierungen gegen Spekulanten mobil. Wie wenig alle Beteuerungen und Bemühungen bislang nützen, hat ein einzelner Mann bewiesen.

Nach inzwischen von seinem Arbeitgeber bestätigten Angaben heißt er Steve Perkins, ist beim Londoner Rohstofftrader PVM Oil Associates beschäftigt - und hat am Dienstag im Alleingang den Ölpreis um bis zu zwei Dollar pro Barrel (159 Liter) nach oben getrieben. Perkins selbst war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Die Auswüchse der Rohstoffzockerei waren frappierend: Binnen einer Stunde verteuerte sich das Barrel der Referenzmarke Brent von 71 auf 73,5 Dollar - der höchste Stand seit Jahresbeginn. Binnen kürzester Zeit wurden Futures für 16 Millionen Barrel Öl gehandelt. Saudi-Arabien braucht zwei Tage, um diese Menge zu fördern.

Nach Angaben mehrerer Rohstoffhändler war Perkins allein für die Hälfte dieses immensen Volumens verantwortlich. Für einen zusätzlichen Schub sorgten andere Zocker, die wild mitspekulierten. Bis Freitag sackte der Ölpreis wieder auf rund 66 Dollar ab - das entspricht einem Verlust von gut 10 Prozent.

Bei Perkins' Arbeitgeber PVM steht durch die Preiskapriolen nun ein Verlust von zehn Millionen Dollar in den Büchern. Hinzu kommt ein Imageverlust: Das Unternehmen ist einer der weltweit größten und renommiertesten Rohstoffhändler. Und Konzernchef David Hufton gilt als scharfer Spekulantenkritiker, er hat in der Vergangenheit immer wieder gegen "elektronische Öl-Casinos" gewettert.

In einer offiziellen Stellungnahme distanziert sich PVM vom eigenen Trader. Das Unternehmen sieht sich als "Opfer eines unautorisierten Handels".

Man habe inzwischen die zuständige Kontrollbehörde über den Vorfall informiert. Für das Londoner Unternehmen ist das die britische Financial Services Authority. Diese hat im vergangenen Jahr ein Abkommen mit ihrem US-amerikanischen Gegenpart, der Commodity Futures Trading Commission, getroffen, marktsensible Ausschläge sofort weiterzuleiten.

Doch das hat offenbar nicht funktioniert: Die US-Behörde gab gegenüber der "FT" an, stundenlang über die Öl-Zockerei nicht informiert worden zu sein - peinlich angesichts der politischen Beteuerungen, die Märkte streng zu zügeln.

Hinzu kommt, dass Perkins' Spekulationssolo kein Einzelfall ist. Bereits im Mai sorgte ein Rohstoffhändler der Investmentbank Morgan Stanley für Negativschlagzeilen. Ihm wird vorgeworfen, betrunken mit Rohstoffpapieren gezockt zu haben. Als sich andeutete, dass die Aktion seinem Arbeitgeber Verluste bescheren könnte, tauchte er unter.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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