EZB Zinsen bleiben auf historischem Tief

Die Europäische Zentralbank hat den Leitzinssatz für die Eurozone erwartungsgemäß bestätigt. Nach Worten von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet dürfte sich daran in naher Zukunft nichts ändern. Zudem versuchte er, die wegen ihrer zögerlichen Kreditvergabe kritisierten Banken aus der Schusslinie zu nehmen.

Luxemburg - "Die Leitzinsen sind derzeit angemessen", sagte Notenbankpräsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag nach einer Sitzung des EZB-Rates in Luxemburg. Trichet sieht derzeit weder größere Deflations- noch Inflationsrisiken. Die Notenbank hatte zuvor beschlossen, den Leitzins unverändert bei einem Prozent zu belassen. Dieser Leitzins sei jedoch nicht der niedrigst mögliche Zins, sagte Trichet. Die Zinsentscheidung sei einstimmig getroffen worden.

"Wir erwarten, dass die aktuelle Episode von sehr niedrigen oder negativen Inflationsraten nicht lange anhalten wird", sagte Trichet. Die Teuerungsraten könnten zwischenzeitlich zwar negativ werden. Mittelfristig dürften sie wieder anziehen, aber durch die schwache Konjunkturentwicklung gedämpft bleiben. Kurzfristige Preisbewegungen seien jedoch nicht relevant für die Geldpolitik. Die Inflationserwartungen seien derzeit fest verankert.

Die Wirtschaftsentwicklung wird laut Trichet im weiteren Jahresverlauf schwach bleiben. Der Rückgang der Wirtschaftsaktivität dürfte jedoch nicht so stark ausfallen wie noch im ersten Quartal des Jahres. Positive Wachstumsraten erwartet Trichet ab Mitte des Jahres 2010.

Trichet zeigte sich zufrieden mit dem Ablauf des in der vergangenen Woche erstmals durchgeführten Refinanzierungsgeschäfts mit einer Laufzeit von einem Jahr. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die EZB die überschüssige Liquidität bei einer Konjunkturerholung rasch zurückführen kann. "Alle Maßnahmen sind so ausgelegt, um einen schnellen Ausstieg zu ermöglichen", sagte Trichet.

Zudem versuchte Trichet, die wegen ihrer zögerlichen Kreditvergabe heftig in die Kritik geratenen Banken aus der Schusslinie zu nehmen. Er sei "glücklich" mit dem Ergebnis des ersten über ein Jahr laufenden Refinanzierungsgeschäfts der EZB in der vergangenen Woche, sagte er. Es sei nicht überraschend, dass die Banken das Geld zum Teil wieder bei der EZB geparkt hätten. Er erwarte in Zukunft einen geringeren Grad an Überschussliquidität. Die Banken würden sich an die neuen Verhältnisse anpassen.

Wichtig sei langfristig, dass das frische Geld nach und nach dazu führe, dass das Finanzsystem besser funktioniere. "Die Märkte sind nun stark mit Liquidität ausgestattet." Die zurückliegenden Zinssenkungen der EZB würden von den Banken schrittweise an die Verbraucher weitergegeben. Gerade hieran zweifeln aber Verbraucherschützer und Politiker.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters