Madoff-Affäre Die Jagd ist eröffnet

150 Jahre Haft für Bernard Madoff, urteilte das Gericht, dazu Rückzahlungen in Milliardenhöhe. Am Ende steht die juristische Aufarbeitung der Madoff-Affäre damit noch lange nicht. Eher am Anfang - die Jagd auf Madoffs Vermögen ist eröffnet.
Von Deborah Sturman

New York - Der vielleicht größte Betrüger der Geschichte, Bernard Madoff, wurde am Montag zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt. Madoff wurde zudem auferlegt, 171 Milliarden Dollar zurückzuzahlen, was nach Schätzung der Staatsanwälte dem Betrag entspricht, der in seine Firma investiert wurde. Die einzige andere Person, die bisher in dieser Sache strafrechtlich verfolgt wurde, ist David Friehling, der Wirtschaftsprüfer der Bernard L. Madoff Investment Fonds.

Ermittelt wird weiterhin gegen Madoffs Bruder Peter, seine Frau Ruth, seine zwei Söhne Andrew und Mark, die beiden Kundenfänger Carl Shapiro und Ezra Merkin sowie zwei Manager von Madoffs Unternehmen, Frank diPascalli und Annette Bongiorno. Der Bundesstaat Massachusetts hat eine Zivilklage wegen Betrug gegen die Fairfield Greenwich Group eingereicht, und der New Yorker Oberstaatsanwalt Andrew Cuomo hat das Gleiche gegen von Ezra Merkin verwalteten Fonds getan. In Österreich laufen Untersuchungen gegen die Bank Medici, und in der Schweiz gegen die Bank Santander.

Madoffs Frau Ruth hat mit den Behörden ein Abkommen getroffen, wonach sie ihren Anspruch auf einen Teil von Madoffs Vermögen in Höhe von 80 Millionen Dollar gegen 2,5 Millionen Dollar abtritt.

Gegen bestimmte "Opfer" von Madoff, die anscheinend wissentlich exorbitante illegale Renditen erzielt haben, wird ebenfalls ermittelt. In einigen Fällen erreichte ihre Rendite 300 bis 950 Prozent im Jahr. So erzielten die Konten von Stanley Chais und seiner Familie mit ihren Madoff-Anlagen beispielsweise im Durchschnitt jährliche Renditen von 40 Prozent, und in manchen Jahren sogar 300 Prozent.

Madoffs Unternehmen hat bereits Konkurs angemeldet. Der Status des Verfahrens ist teilweise schwer zu eruieren, weil der gerichtlich bestellte Konkursverwalter Irving Picard, ein in hohem Grade erfahrener und hoch angesehener Rechtsanwalt, keine "sinnvolle Mitarbeit von Herrn Madoff" erhält. Picard hat bereits Madoff-Vermögen in Höhe von ungefähr 1,2 Milliarden US-Dollar eingetrieben und am Freitag zudem die Erlaubnis bekommen, einige von Madoffs verbleibenden Vermögensanteilen, einschließlich verschiedener Häuser, einzuklagen. Weiterhin hat er Klage gegen Chais und andere auffällig gut verdienende Anleger eingereicht.

Madoffs Vermächtnis

Unter US-Insolvenzrecht kann der Konkursverwalter die Rückerstattung aller Zahlungen fordern, die vom Schuldner innerhalb von 90 Tagen vor Konkursanmeldung getätigt wurden. Dieser Richtlinie liegt die Theorie zugrunde, dass es dem Schuldner nicht gestattet sein sollte, direkt vor Insolvenz Vorzugsleistungen zu zahlen. New Yorker Gesetze gegen Schneeballsysteme erlauben dem Insolvenzverwalter zudem, die Rückzahlung von Anlagen einzufordern, die bis zu sechs Jahre vor Bekanntwerden des Betrugs getätigt wurden.

Verwalter Picard hat - zumindest vorläufig - entschieden, keine Gelder einzufordern, die nicht die ursprüngliche Einzahlung eines Investors übersteigen. Die Umsetzung dieser Richtlinien wird einige Komplikationen mit sich bringen, da es für den Konkursverwalter schwer sein wird, Anlagegüter einzufordern, die sich nicht im Staatsgebiet der Vereinigten Staaten von Amerika befinden.

Trotz allem kann aus diesem ganzen Übel viel Gutes erwachsen, da Madoff zum Sinnbild aller betrügerischen Machenschaften der Wall Street geworden ist. Es kann somit sein, dass Madoff ein Vermächtnis hinterlässt, das er eigentlich nicht verdient hat, da die Ungeheuerlichkeit seiner Verbrechen wahrscheinlich regulatorische Verbesserungen erzwingen wird.

In Shakespeares "Julius Cäsar" sagt Mark Anton zu den Mitbürgern, Freunden und Römern: "Begraben will ich Cäsarn, nicht ihn preisen. Was Menschen Übles tun, das überlebt sie, das Gute wird mit ihnen oft begraben. So sei es auch mit Cäsarn!"

So sei es auch mit Madoff. Sein Vermächtnis wird hoffentlich ein neues regulatorisches System sein, das zukünftige Generationen von Madoffs, groß oder klein, früh entdeckt und stoppt.

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