Thilenius-Kolumne Raus aus dem Wald

Holz hat sich zu einer eigenen Assetklasse entwickelt. Prominente Geldverwalter haben mit frühen Investments in Holz viel Geld verdient. Doch Vorsicht: Der Markt hat einen enormen Aufschwung hinter sich, die Preise drohen zu kippen. Kluge Investoren steigen zu diesem Zeitpunkt nicht in den Markt ein - im Gegenteil.

In den vergangenen Jahren haben viele Investoren Wälder beziehungsweise Holz in der Erwartung eines langsam immer weiter steigenden Waldpreises gekauft. Die Logik hinter Investments in Holz leuchtet durchaus ein. Holz wächst organisch und auch dann, wenn der Anleger schläft. Es taugt zur Sicherung gegen die Inflation und die Preise bewegen sich ohne große Korrelation mit anderen Vermögensgegenständen wie Aktien, Renten oder anderen Rohstoffen.

Die Realität ist jedoch, dass die Erträge aus Wäldern hochgradig von zyklischen Industrien wie Bau, Möbel, Papier und Zeitungen abhängen. Allen diesen Branchen geht es zur Zeit nicht gut. Dies gilt sowohl für die USA als auch für Europa.

Innerhalb der vergangenen fünf Jahre, einschließlich des Jahres 2008, haben sich die Preise für Wälder in USA verdoppelt und in 10 Jahren nahezu verdreifacht. Im Jahr 2008, als alle anderen Werte wie Aktien, Anleihen, sowie Rohstoffe gefallen sind, haben Wälder in USA immer noch fast 10 Prozent zugelegt.

Auf diese Weise sind Wälder sehr teuer geworden. Im vergangenen Jahrzehnt haben viele Pensionsfonds und auch Privatleute in diesem kleinen Markt investiert, um den berühmten Universitäten wie Harvard und Yale zu folgen, die früh und sehr erfolgreich in Wald investiert haben.

Preise für Rohstoffe haben sich halbiert - Holz noch hoch bewertet

Die Schwäche der anderen Rohstoffe in den vergangenen Monaten haben Wälder jedoch nicht mitgemacht. Nachdem aber ihre Abnehmer in Schwierigkeiten stecken, dürfte auch der Ertrag aus Wäldern sinken und damit im Laufe der Zeit auch die Bewertung. Die Rendite aus der Bewirtschaftung von Wäldern liegt bei ungefähr 2 Prozent pro Jahr.

Zukünftige Wertsteigerungen sind angesichts der Schwäche der Abnehmerbranchen unwahrscheinlich. Nachdem sich im vergangenen Jahr die Preise vieler Rohstoffe, über das Jahr gerechnet, ungefähr halbiert haben, ist nicht zu verstehen, warum Holz konstant bleiben sollte.

Der Markt für Wälder ist wesentlich weniger liquide ist als der für Aktien und Rohstoffe. Wälder werden nicht an der Börse gehandelt und können daher weniger schnell und effizient umgeschlagen werden. Die Transaktionskosten bei Kauf und Verkauf sind wesentlich höher.

Die Preise pro Einheit sind ebenfalls wesentlich höher als bei Aktien. Mit Ausnahme einiger amerikanischer und kanadischer Forstaktien kann man nicht so einfach für wenige Tausend Euro ein Stück Wald kaufen. Wahrscheinlich bildet sich hier eine gefährliche Überbewertung.

Der weitsichtige Investor wird vernünftigerweise seine Gewinne mitnehmen bevor die Preise für Wälder ebenfalls fallen. Dann könnten mangels Liquidität die Preise schnell sinken. Der weitsichtige Anleger wird den Erlös bereits in stark gefallene und jetzt wieder in Erholung befindliche Märkte wie Öl investieren.

Der Autor ist geschäftsführender Gesellschafter der Stuttgarter Vermögensverwaltungsgesellschaft Dr. Thilenius Management GmbH in Stuttgart. Das Unternehmen unterliegt der Bafin.

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