Mittwoch, 17. Juli 2019

Krisenreport Die letzten Stunden von Bear Stearns

Der Niedergang von Bear Stearns im März 2008 löste an den internationalen Finanzmärkten eine Schockreaktion aus. Wie konnte eine der ältesten US-Investmentbanken kollabieren? Wer waren die Manager, die ihr bislang unverwüstliches Institut in den Ruin trieben? In "Street Fighters" gibt Kate Kelly Antworten.

Am frühen Abend des 13. März 2008 rief Sam Molinaro, Finanzvorstand der US-Investmentbank Bear Stearns, seinen Vorstandschef Alan Schwartz an: "Wir haben ein ernstes Problem". 72 Stunden später wird dieses ernste Problem mit der Übernahme durch J. P. Morgan gelöst. Dazwischen liegen rund 200 Buchseiten.

"Street Fighters" ist eine lebhafte Erzählung davon, was sich in diesen 72 Stunden innerhalb der Bear-Stearns-Wände abgespielt hat. Kate Kelly, Reporterin des "Wall Street Journal", gibt die Geschichte aus Sicht der wichtigen Protagonisten des Kollapses wieder - neben dem Bear-Stearns-Inventar sind das unter anderem Hank Paulson, Timothy Geithner und J.P.-Morgan-Chef James Dimon.

1923 gegründet, überlebte Bear Stearns die Große Depression und wuchs stetig. Im März 2008 beschäftigte die Investmentbank rund 14.000 Mitarbeiter - und war hoch verschuldet. Laut Kelly lag der Kredithebel bei 30 zu 1: Auf jeden Dollar, den Bear Stearns in bar hielt, entfielen 30 Dollar, die es sich bei anderen Unternehmen geliehen hatte.

In der Subprime-Krise flog dem Bear-Management der hohe Hebel buchstäblich um die Ohren. Besorgte Kunden flohen, sie zogen so lange Gelder ab, bis Bear Stearns den Zahlungsverkehr abstellen musste. Kelly beschreibt, wie es den Mitarbeitern in dieser Zeit erging. Sie schildert, wie sie sich anschreien oder sich in ihren Büros einschließen und in den Papierkorb erbrechen.

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