Zinspolitik EZB hat höhere Zinsen im Visier

Die Europäische Zentralbank will ihre laxe Geldpolitik bei einer konjunkturellen Trendwende schnell zu den Akten legen und den Leitzins wieder erhöhen, kündigt EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark an. Der Internationale Währungsfonds IWF dagegen beurteilt jüngste Konjunktursignale skeptischer und regt weitere Zinssenkungen an.

Linz - "Der sehr konjunkturstimulierende geldpolitische Ansatz, den wir derzeit fahren, wird revidiert werden, wenn die Wirtschaft wieder Tritt fasst und Inflationsgefahr droht", sagte EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark am Montagabend laut Redetext in der oberösterreichischen Stadt Linz. Derzeit gebe es einige Hinweise darauf, dass sich der schwere Konjunkturabschwung dem Ende nähere. "Die Wirtschaft befindet sich nicht mehr im freien Fall", sagte Stark. Ab Mitte kommenden Jahres seien wenigstens auf Quartalsbasis wieder positive Wachstumsraten möglich.

Die EZB hat ihren Leitzins wegen der schwersten Rezession seit Jahrzehnten bis auf rekordniedrige 1 Prozent gesenkt. Sie pumpt darüber hinaus Milliarden in das Finanzsystem, um eine Kreditklemme zu verhindern. Ab Juli will sie zudem Pfandbriefe kaufen, um die Refinanzierung der Banken weiter zu verbessern.

Stark sagte in Linz, die EZB sei darauf vorbereitet, diese Krisenmaßnahmen zurückzunehmen, sobald sich die Konjunktur fange. Dies gelte sowohl für die eingeleiteten unorthodoxen geldpolitischen Maßnahmen als auch für die massiven Liquiditätsspritzen.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) dagegen hat die EZB zu weiteren Zinssenkungen aufgefordert. Die Reaktion der EZB auf die Finanzkrise sei "eindrucksvoll" gewesen, doch sollten die Abwärtsrisiken anhalten, dann sei ein "kraftvolles Signal" nötig, empfahl die Sonderorganisation der Vereinten Nationen am späten Montagabend (MEZ) nach den jährlichen Konsultationen mit Vertretern der Eurozone in Washington.

Über eine mögliche Konjunkturerholung in der Eurozone zeigte sich der IWF zurückhaltend. "Die Eurozone befindet sich in einer Rezession, wobei es vorläufige Zeichen einer Verbesserung gibt, ein wirklicher Aufschwung steht aber noch aus", erklärte der IWF weiter. Eine Rückkehr des Wachstums sei "unsicher", ein Aufschwung werde "wahrscheinlich langsam" verlaufen.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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