Mannesmann Bieterstreit um Orange entbrannt - EU prüft weiter

Kaum war die Einigung zwischen Vodafone und Mannesmann perfekt, da begann das Tauziehen um die "Fusionsmasse". Im Blickpunkt: der britische Mobilfunkanbieter Orange, eine Tochter der Mannesmann AG.

Paris/Amsterdam - Schon lange vor der Einigung war klar, dass ein fusioniertes Unternehmen sich aus kartellrechtlichen Gründen von Orange trennen muss. Das bekräftigte ein Sprecher von EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti am Freitag.

Heißer Aspirant auf eine Übernahme ist die France Télécom. Laut "Wall Street Journal" hat das Unternehmen bereits Banken engagiert, die bei einen möglichen Kauf des britischen Mobilfunkanbieters Orange beraten sollen. Die niederländische Telefongesellschaft Koninklijke PTT Nederland NV (KPN) will ebenfalls um Orange mitbieten, berichtet die niederländische Zeitung "Telegraaf".

EU-Prüfung trotz Einigung von Vodafone/Mannesmann

Ein Sprecher von EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti unterstich darüber hinaus, dass die Einigung zwischen Mannesmann und Vodafone auf eine Fusion nichts an der laufenden wettbewerbsrechtlichen Untersuchung der Europäischen Kommission ändern werde. "Das Faktum einer freundlichen Übernahme macht gar keinen Unterschied", so der Sprecher. Auch über Orange hinaus sei weiterhin alles in Betracht zu ziehen.

Darüberhinaus wollte der Sprecher keine Bewertung abgeben. Monti untersucht den Fall seit dem 14. Januar, als Vodafone die geplante Übernahme von Mannesmann in Brüssel angemeldet hat. In einer Erklärung vom 19. Januar hatten die EU-Wettbewerbshüter bereits auf die wettbewerbsrechtlich kritische Überlappung wegen des britischen Mobilfunkanbieters Orange hingewiesen. Mannesmann hatte unlängst grünes Licht aus Brüssel für diese Übernahme erhalten, die 60 Milliarden Mark kostete. Weiter hieß es der Erklärung, dass die Kommission die Auswirkungen der Fusion Mannesmann/Vodafone auf den Markt erst bewerten könne, wenn die Marktanalyse bei ettbewerbern und Kunden abgeschlossen sei.

Die Frist für die erste Prüfung ist derzeit der 17. Februar; sie würde sich automatisch um zwei Wochen verlängern, falls die Unternehmen Zugeständnisse im Falle wettbewerbsrechtlicher Bedenken der Kommission machen. Monti muss dann entscheiden, ob er den Zusammenschluss genehmigt oder ob er ihn eingehender für maximal vier Monate prüfen will.