Mannesmann Aufsichtsrat billigt Fusion mit Vodafone

Der Aufsichtsrat hat grünes Licht für den bislang teuersten Merger gegeben. Die Offerte bewertet Mannesmann mit über 350 Euro, die Tauschfrist läuft nun bis 17. Februar. Vodafone-Chef Gent denkt bereits an neue Allianzen, z. B. mit Rupert Murdochs News Corp.

Düsseldorf - Der Aufsichtsrat der Mannesmann AG hat am Freitagmittag die Fusion mit Vodafone AirTouch einstimmig gebilligt. Dies teilte Mannesmann-Chef Klaus Esser mit. Auch die Arbeitnehmervertreter hätten die Entscheidung mitgetragen, erklärte Hermann-Josef Schmidt, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates von Mannesmann Arcor und Mitglied des Konzern-Aufsichtsrates. Vorstandschef Klaus Esser kündigte nach der Sitzung des Kontrollgremiums eine Erklärung vor der Presse an.

Vodafone-Chef Gent denkt unterdessen bereits an neue Allianzen. Es seien Gespräche für Verbindungen mit Murdochs News Corp zu erwarten und mit dem Hauptaktionär des vereinten Unternehmens, der Hutchinson Whampoa aus Hongkong. Gens Angaben zufolge wird das aufgebesserte Gebot für Mannesmann zu einer "marginal höheren Verwässerung" des EBITDA führen. Diese Dilutierung könne etwa zwei Jahre lang anhalten.

Die Kontrahenten Esser und Gent hatten sich bereits am späten Donnerstagabend verständigt. Vodafone legte zuvor ein neues, verbessertes Kaufangebot vor. Der Zusammenschluss stellt damit - gemessen am Aktienwert - die größte Fusion der Geschichte dar.

Der Aktientausch habe einen Wert von 190 Milliarden Euro (rund 371,6 Milliarden Mark), sagte Esser. Das sei deutlich besser als das offizielle Angebot von Vodafone vom Dezember. Nach dem neuen Gebot sollen die Mannesmann-Aktionäre 58,9 Vodafone Aktien (bisher: 53,7) für eine Mannesmann-Aktie erhalten. Dies entspreche eine Erhöhung von rund fünf Prozent gegenüber dem letzten Angebot. Der Wert des Aktientausches basiert auf den Kursen der Unternehmen vom Mittwoch. Nach diesen Schlusskursen - Mannesmann bei 325 Euro, Vodafone in London bei 3,78 Pfund - wird das Mannesmann-Papier rechnerisch mit 222,64 Pfund (rund 365 Euro) bewertet. Nachrichtenagenturen zitieren dagegen Vodafone mit einem niedrigen Pfund-Kurs: Danach ist jede Mannesmann-Aktie 350,50 Euro wert.

Vodafone verlängerte gleichzeitig die Umtauschfrist für Mannesmann-Aktien bis zum 17. Februar. Auf Grund der Zeitverzögerung im deutschen System der Depotbanken kenne Vodafone derzeit die Anzahl der für den Umtausch eingereichten Aktien nicht.

Esser hatte sich dreieinhalb Monate gegen die Übernahme durch den weltgrößten Mobilfunkbetreiber gewehrt. Er wird zunächst stellvertretend den neuen Konzern führen. Die Aktionäre hätten eine friedliche Lösung bevorzugt, sagte Esser. "Bei Mannesmann ist der Aktionär König."

Nach den Worten von Gent wird die Offerte von bisher 47,2 Prozent auf 49,5 Prozent Anteil der Mannesmann-Aktionäre an dem neuen Unternehmen aufgestockt. "Die Aktionäre sagen, diese Firma ist ein großes und wertvolles Unternehmen, das beste in der Welt", jubilierte Gent. Auf die Frage, ob Vodafone der Sieger des Übernahmekampfes sei, antwortete er: "Wir sind beide Gewinner".

Esser erklärte der Vorstand werde die Annahme des Vodafone- Angebotes empfehlen, wenn der Aufsichtsrat dem zustimme. Die Arbeitnehmervertreter hatten die seit dem Nachmittag dauernde Sitzung vorzeitig wegen einer fehlenden schriftlichen Vereinbarung verlassen.

Der Zusammenschluss stellt selbst die geplante Eingliederung der US-Medienriesen Time Warner in den weltgrößten Onlinedienst AOL mit 155 Milliarden Dollar in den Schatten.

Durch den Zusammenschluss von Vodafone AirTouch und Mannesmann entsteht ein neuer Telekommunikations- und Mobilfunkgigant. Vodafone ist mit seinen Beteiligungen in zahlreichen Ländern bereits weltweit der führende Mobilfunkanbieter. Mannesmann ist die Nummer eins in Europa. Gemeinsam kommen beide Konzerne in Mobilfunk auf 35 Millionen Kunden.

Vodafone erklärte, neben Mannesmann-Chef Klaus Esser würden auch alle anderen Vorstandmitglieder des deutschen Konzerns "wichtige Aufgaben" in der gemeinsamen Firma übernehmen. Beim geplanten Verkauf von Orange, einem direkten Mobilfunk-Konkurrenten von Vodafone in Großbritannien, werde Mannesmann ebenso behilflich sein wie beim Erwirken der nötigen aufsichtsrechtlichen Genehmigungen.

Millionen-Honorar für die Berater

Mit die größten Gewinner der Übernahmeschlacht sind die beratenden Investmentbanken. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, dürften die die Vodafone-Berater Goldman Sachs und UBS Warburg Dillon Read, Tochter der UBS AG - United Bank of Switzerland - jeweils rund 75 Millionen Dollar an Honoraren einstreichen.

Goldman habe zudem Aussicht auf ein Anschlussgeschäft beim anstehenden Verkauf der Mannesmann-Tochter Orange. Die Bankenvertreter der Mannesmann-Seite, Merrill Lynch, Morgan Stanley Dean Witter und Deutsche Bank würden wohl ebenfalls hohe Honorare kassieren.