EZB Zentralbankrat erhöht alle drei Leitzinsen

Der Rat der Europäischen Zentralbank hat am Donnerstag überraschend alle drei Leitzinsen für die Euro-Zone um 25 Basispunkte erhöht.

Frankfurt am Main - EZB-Präsident Duisenberg wollte den Zinsbeschluss am Donnerstagnachmittag erläutern. Die Mehrheit der Analysten hatte unveränderte Zinsen vorausgesagt. Vor dem Hintergrund des schwachen Euro und der daraus resultierenden Inflationsgefahren für die Euro-Zone hatten aber auch mehr und mehr Marktteilnehmer eine Zinserhöhung nicht mehr ausgeschlossen. Zuletzt hat die EZB am 4. November 1999 alle drei Leitzinsen um 0,50 Prozentpunkte angehoben.

Den Angaben der EZB zufolge steigt der Zinssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte auf 3,25 von 3,0 Prozent. Den Zinskorridor für den Euro-Geldmarkt schleußt die EZB auf 2,25 von 2,0 Prozent für die Einlagenfazilität und auf 4,25 von 4,0 Prozent für Über-Nacht-Kredite nach oben. Die Schweizer Nationalbank erhöhte die Zielzone für den Libor um 0,5 Punkte auf 1,75 bis 2,75 Prozent.

Eine Minderheit von Analysten hatte eine Zinserhöhung der EZB erwartet. Hans-Jürgen Meltzer, Deutsche Bank Research, erklärte: "Das ist eine kleine Überraschung, aber die Welt wird sich bei einer Erhöhung um 25 Basispunkte nicht ändern." Die EZB habe wohl dem Umfeld und dem Druck von allen Seiten gerechnet werden müssen. Ein Schaden entstehe aus der Entscheidung nicht, erklärte Meltzer weiter.

Viele Analysten hatten zuvor gewarnt, dass eine Zinserhöhung den Konjunkturaufschwung bremsen könnte. Zudem hatten sie argumentiert, dass nicht zuletzt wegen der vorausgegangenen Zinserhöhung in den USA die EZB die Zinsen unverändert lassen würde, um keine Zweifel an ihrer Unabhängigkeit aufkommen zu lassen.

Die amerikanische Notenbank hatte am Mittwoch den Zielsatz für Tagesgeld um 25 Basispunkte auf 5,75 Prozent erhöht. Zudem hob die Fed den weniger bedeutenden Diskontsatz für die direkte Kreditvergabe an die Banken ebenfalls um 25 Basispunkte auf 5,25 Prozent an. Die Fed begründete ihre Entscheidung damit, dass aus einem exzessiven Nachfragewachstum weitere Inflationsgefahren in den USA entstehen könnten. Analysten erwarten weitere Zinserhöhungen im Verlauf des ersten Halbjahres.

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