AOL Milliarden-Klage wegen neuer Zugangssoftware

Weil die neue Zugangssoftware 5.0 angeblich tief in das Betriebssystem eingreift, haben verärgerte AOL-Kunden in den USA eine Milliarden-Klage gegen den Onlineriesen eingereicht. Für AOL sind die Vorwürfe "völlig haltlos".

Washington - Die Sammelklage beläuft sich auf einen Streitwert von acht Milliarden Dollar. Die Kläger argumentieren, dass die Software-Version AOL 5.0 vorher einwandfrei laufende Computersysteme verändere und andere auf dem Rechner installierte Internetdienste und Programme behindere.

AOL-Sprecher Rich D'Amato wies die Anschuldigungen als völlig haltlos zurück, berichtete der Nachrichtensender CNN. Zwar würden AOL-Kunden bei der Installation der Version 5.0 gefragt, ob sie AOL als ihre Standard-Internetverbindung benutzen wollten, sie müssten diese Frage aber explizit mit "Ja" beantworten.

Die Kläger behaupten dagegen, die aktuelle Version könne zu erheblichen Problemen führen. Mehrere Benutzer beklagten, dass die Software andere Programme auf ihren Rechnern störe und es zu massiven Systemfehlern gekommen sei.

So würden neben der Internet-Zugangssoftware von AOL-Konkurrenten E-Mail-Programme und die Finanz-Software Quicken behindert. Sogar Probleme mit dem Windows-Betriebssystem, die bis hin zu einer unausweichlichen Neuinstallation führen könnten, seien aufgetreten.

"Was AOL getan hat, verletzt eine ganze Reihe von Verbraucherschutzgesetzen", sagte Fritz Schneider, einer der Anwälte der Kläger, dem Internetdienst WiredNews. Obwohl der Kunde eine monatliche Zugangsgebühr zahle, erlaube ihm AOL nicht, noch andere Zugangsprovider zu nutzen.

"Wir werden beweisen, dass AOL schon während der Entwicklung der Zugangssoftware wusste, dass es Schwierigkeiten mit anderen Programmen geben kann", so Schneider. "Trotz der Probleme hat AOL weitergemacht und das Programm schließlich auf den Markt geworfen."

Die Klage beruft sich neben dem Verbraucherschutz auch auf ein Bundesgesetz, das sonst vor allem gegen Hacker herangezogen wird: Demnach ist es nicht erlaubt, Veränderungen an fremden Computern vorzunehmen, die deren Funktionsweise beeinträchtigen können.

Auch die Konkurrenten von AOL sind über das Vorgehen empört. Ein Manager des Online-Dienstes Prodigy beklagte, AOL sage den Kunden nicht, dass sie nach der Installation der neuen Software möglicherweise ihre anderen Internetdienste nicht mehr benutzen können.

Nach Angaben der Kläger haben in den USA etwa acht Millionen der über 21 Millionen AOL-Kunden die neue Software installiert. Für jeden dieser Kunden fordern die Kläger nun bis zu 1000 Dollar.

Die Klage kommt nur wenige Wochen, nachdem AOL eine Fusion mit dem weltgrößten Medienkonzern Time Warner angekündigt hat. Im Rahmen des Zusammenschlusses ist geplant, die AOL-Zugangssoftware mit den Zeitschriften von Time Warner zu verteilen. Auf diese Weise könnte AOL rund 120 Millionen Leser erreichen.

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