Freitag, 13. Dezember 2019

Dax-Geflüster Riskante Erwartungsblase

Weil Investoren im Vertrauen auf die wirtschaftliche Erholung neue Millionen in den Aktienmarkt gepumpt haben, ist der Frankfurter Leitindex Dax heiß gelaufen. Experten fürchten, dass der Index deshalb Luft ablassen muss - und prophezeien einen Rücksetzer um 1000 Punkte, bis der erwartete Aufschwung den Dax eingeholt hat.

Zehn Wochen lang ist der Dax Börsen-Chart zeigen nun schon gestiegen. Hat dabei seit seinem Jahrestief im März etwa 40 Prozent zugelegt, die Verluste aus dem vergangenen Jahr somit Stück für Stück wettgemacht, ist sogar an die 5000-Punkte-Marke herangerückt - und hat sich damit womöglich vorerst an die Decke gestreckt. "Der Dax kämpft mit dieser Marke, anscheinend fällt es dem Index schwer, diese Schwelle nachhaltig zu überwinden", sagt Klaus Schrüfer, Leiter Anlagestrategie bei der SEB Bank.

Wie lange hält der Trend? Börsianer sind nervös
Tatsächlich hat Deutschlands wichtigstes Börsenbarometer dieses Niveau während eines Handelstages zwar schon ein paar Mal kurzfristig überwunden. Am Schluss der Handelstage leuchtete aber nur zweimal die 5000 auf der Anzeigentafel im Frankfurter Börsensaal auf. Zu mulmig scheint vielen Anlegern das Comeback des Aktienmarkts, als dass sie nun weiter auf den zuletzt kräftigen Aufwärtstrend setzen.

Dabei hat der Dax mit seinem Schlusskurs vom 20. Mai mit 5038 Zählern einen neuen Rekordwert für das laufende Jahr markiert, was den vor zehn Wochen gestarteten Aufwärtstrend aus Sicht vieler Marktexperten bestätigt. "Dennoch zweifeln die Anleger an der Nachhaltigkeit der Aktienmarktbewegung", sagt Patrick Hussy, Geschäftsführer des Analysehauses Sentix.

Vielleicht nicht zu Unrecht.

Der stürmische Aufwärtstrend der vergangenen Wochen ist bereits vorbei. Der Dax hat einen Gang zurückgeschaltet und ist in einen flacheren Trendkanal geraten. "Die Börse hat eine schnelle und starke Wirtschaftserholung vorweggenommen. Das war zu viel des Guten", sagt Stefan Bielmeier, Aktienanalyst der Deutschen Bank. "Vielleicht hat sich sogar eine Art Erwartungsblase an der Börse gebildet", ergänzt Michael Köhler, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg.

An der Schallmauer: Dax hat die 5000-Punkte-Marke kurzfristig überschritten
manager-magazin.de
An der Schallmauer: Dax hat die 5000-Punkte-Marke kurzfristig überschritten
Tatsächlich liefern die Konjunkturdaten noch immer ein verschwommenes Bild der Wirtschaft. Erstmals hat zwar ein wichtiger Frühindikator für den Welthandel aufhorchen lassen. Der Baltic-Dry-Index ist auf den höchsten Stand seit acht Monaten geklettert. Der Index misst beispielsweise die Preisentwicklung der Frachtraten für Eisenerz, Kohle, Weizen und Zement - und hat nicht zuletzt für die deutsche Wirtschaft eine gewisse Bedeutung. Denn die Bundesrepublik dürfte als exportstarke Nation vom Aufschwung andernorts zügig mitprofitieren, der sich wahrscheinlich in den Frachtraten niederschlagen wird. Schließlich müssen auch mehr Vorprodukte transportiert werden, wenn die Produktion anzieht.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung