Wall Street US-Börsen reagieren kaum auf beschlossene US-Zinserhöhung

Die US-Notenbank hat am Mittwoch die Leitzinsen zum vierten Mal seit vergangenem Juni erhöht. Die Wall Street reagierte gelassen. Technologieaktien blieben gefragt.

Washington - Die Notenbank hob die Discount-Rate um 25 Basispunkte auf 5,75 Prozent an und den Tagesgeldsatz für die rasche Geldbeschaffung der Banken um 25 Basispunkte auf 5,25 Prozent. Der Dow Jones-Index fiel um 0,3 Prozent auf 11.003 Punkte. Technologie- und Internetaktien waren gefragt. Deshalb festigte sich der Nasdaq-Sammelindex um 0,54 Prozent. Der S&P 500-Index schloss fast unverändert. Damit bestätigte sich die Prognose von Analysten, dass die Börsen die Leitzinserhöhung bereits in den vergangenen Tagen in die Kurse "eingearbeitet" hätten.

In einer Erklärung nach der Sitzung des Offenmarkt-Ausschusses hieß es, mit der Leitzins-Erhöhung begegne die Notenbank der Sorge, die rasch wachsende Wirtschaft könne die Inflation nach oben treiben. Der Schritt war angesichts der US-Daten allgemein erwartet worden.

Die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten wuchs in den vergangenen drei Monaten 1999 um 5,8 Prozent. Im Gesamtjahr waren es vier Prozent. Die Arbeitslosenrate sank auf 4,1 Prozent, den niedrigsten Wert seit 30 Jahren. Arbeitgeber reagierten mit höheren Löhnen und Sonderkonditionen auf den Mangel an qualifizierten Kräften, was die Produktionskosten steigen ließ. Experten äußerten daher die Befürchtung, die Inflation könnte trotz stabiler Preise steigen. Sie rechnen bis Juni mit zwei weiteren Zinserhöhungen.

Am Donnerstag tagt der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB). Mit Spannung wird erwartet, ob der Entscheidung aus Washington gefolgt wird. Fachleute aus der Wirtschaft äußerten sich unterschiedlich. Der Vorsitzende des Ausschusses für Wirtschafts- und Währungspolitik des Bundesverbands deutscher Banken, Ulrich Ramm, sagte, ein solcher Schritt sollte nur aus binnenwirtschaftlichen Gründen erfolgen. Die EZB sollte das Selbstbewusstsein haben, eine Zinserhöhung in den USA zunächst zu ignorieren. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, sprach sich dagegen für eine Zinserhöhung um einen halben Prozentpunkt aus. Die Märkte müssten die Ernsthaftigkeit der EZB in ihrem Bemühen um Stabilität erkennen können.