Ratgeber Tipps für Mannesmann-Aktionäre

Der Tag der Entscheidung naht. Mannesmann-Aktionäre können die Vodafone-Offerte noch bis zum 7. Februar, 24 Uhr, annehmen. Peter Lessmann fasst zusammen, was Anleger bei Ihrer Entscheidung beachten sollten.

Düsseldorf - Bei der Übernahme wird es auf jeden Fall einen Sieger geben. Denn der höchst theoretische Fall, dass exakt 50 Prozent der Mannesmann-Aktionäre tauschen, wäre gleich bedeutend mit einem Erfolg Vodafones. Denn bei einem solchen Patt könnte Vodafone-Chef Chris Gent die fehlende Aktie an der Börse dazu kaufen. "Die 300 Euro bekäme er bestimmt zusammen", kommentierte ein Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz in Düsseldorf.

Nicht ganz klar ist die Situation, wenn Vodafone die Mehrheit verfehlt. In der Übernahmeofferte haben sich die Briten für diesen Fall vorbehalten, von dem Angebot zurückzutreten. Dies dürfte dann eintreten, wenn das angestrebte Ziel von 50 Prozent plus eine Aktie deutlich verfehlt wird. Die Aktionärstruktur bei Mannesmann bliebe unverändert, der feindliche Übernahmeversuch wäre abgewehrt.

Vodafone könnte aber den Umtausch der angebotenen Aktien trotz einer Minderheitsposition vollziehen. Dies dürfte man prüfen, wenn zwischen 40 und 50 Prozent der Mannesmann-Aktien angeboten werden. Vodafone wäre dann größter Mannesmann-Aktionär. In Vodafone-Kreisen gibt man sich aber siegesicher: "Über Minderheitsanteile wird nicht gesprochen", hieß es.

Mit einem Anteil von weniger als 50, aber mehr als 40 Prozent könnten die Briten die Hauptversammlungen von Mannesmann majorisieren. Denn die Präsenz bei Aktionärsversammlungen liegt bei Mannesmann in der Regel unter 50 Prozent. Ausreichend für die Abwahl des Aufsichtsrates ist bei Mannesmann eine einfache Mehrheit von 50 Prozent. Da der Aufsichtsrat den Vorstand beruft, ist eine Neubesetzung des Kontrollgremiums zwingend notwendig, um die Konzernspitze abzuberufen.

Kein Rücktrittsrecht nach Umtausch-Auftrag

Mannesmann-Anteilseigner, die ihre Aktien einmal zum Umtausch angeboten haben, haben keine Möglichkeit, diese Entscheidung rückgängig zu machen. Dies gilt auch für den Fall, dass Vodafone keine Mehrheit erhält. Ob sie künftig Vodafone- oder Mannesmann-Aktionäre sind, hängt ganz von der Entscheidung Vodafones ab. Eine Rücktrittsrecht vom Umtausch wird ihnen nur dann eingeräumt, wenn ein drittes Unternehmen ein verbessertes Kaufangebot vorlegt.

Die Vodafone-Offerte können die Aktionäre bei ihren Depotbanken bis zum 7. Februar 24 Uhr annehmen. Eine Verlängerung der Frist ist möglich, muss aber vor Ablauf der Umtauschperiode angekündigt werden. Vodafone hat einen solchen Schritt unlängst ausgeschlossen.

Nicht zulässig ist eine Verkürzung der Frist durch die Depotbanken. Damit ist jeder Umtausch, der bis zur genannten Zeit bei den Instituten eingeht, gültig. Sollte Vodafone die Mehrheit bekommen, erhalten die verbleibenden Mannesmann-Aktionäre eine zweite Chance. Diesen Anteilseigner wird nach Bekanntgabe des Ergebnisses eine Nachfrist eingeräumt.

Strittig ist derzeit, ob Vodafone mit Mannesmann zur Abtrennung der Mobilfunktochter Orange einen Beherrschungsvertrag abschließen muss. Ein solcher Vertrag macht ein Barabfindungsangebot für die außenstehenden Aktionäre erforderlich. Während Vodafone dies nicht für nötig hält, vertritt Mannesmann die Gegenposition. Beide Seiten stützen ihre Einschätzung mit juristischen Gutachten. Aus Sicht der Frankfurter Übernahmekommission ist die Rechtsfrage derzeit offen.