Märkte US-Börsen büßen Kursgewinne ein

Die New Yorker Aktienmärkte haben zum Wochenschluss noch einmal die Richtung gewechselt und etwas schwächer abgeschnitten. GM-Titel waren die Dow-Jones-Verlierer. Der Dax hatte sich zuvor knapp ins Plus gerettet.

New York/Frankfurt am Main - Die US-Börsen haben am Freitag vor dem verlängerten Wochenende leichter geschlossen. Nachdem der schwache Dollar zwischenzeitlich die Aufmerksamkeit und die Kauflust der ausländischen Investoren geweckt habe, hätten letztlich die Sorgen zur wirtschaftlichen Entwicklung der USA überwogen, sagten Händler. Auslöser hierfür sei die Ratingagentur Standard & Poor's, die am Tag zuvor den Rating-Ausblick für Großbritannien von stabil auf negativ gesenkt hatte. Dies habe die Furcht vor einem ähnlichen Schritt für die USA geschürt.

Der US-Leitindex Dow Jones  verlor 0,18 Prozent auf 8277,32 Zähler. Auf Wochensicht gewann das weltweit am meisten beachtete Börsenbarometer 0,10 Prozent. Der marktbreite S&P-500-Index sank um 0,15 Prozent auf 887,00 Zähler. An der Technologiebörse Nasdaq  fiel der Composite-Index um 0,19 Prozent auf 1692 Zähler. Für den Auswahlindex Nasdaq 100 ging es um 0,31 Prozent auf 1363,17 Punkte nach unten.

Der überraschend gute Zwischenbericht von Sears Holdings habe die Kauflust der Investoren bei diesem Titel beflügelt, sagten Händler. Der Einzelhandelsgigant hatte für das erste Quartal einen unerwarteten Gewinn ausgewiesen. Die Aktie sprang um 10,38 Prozent auf 55,40 Dollar in die Höhe.

Die Titel von McDonald's  stiegen mit plus 2,50 Prozent auf 57,08 Dollar an die Spitze des Dow Jones.

Schlechte Nachrichten für den von der Insolvenz bedrohten Autobauer General Motors  (GM) stürzten dessen Aktien in die Tiefe: Der Kurs brach um 25,52 Prozent auf 1,43 Dollar ein, die Titel sackten damit weit abgeschlagen ans Ende des Dow Jones. Die größten Gläubiger des angeschlagenen US-Autobauers wollen den Sanierungsplan ablehnen, der ihnen eine künftige Beteiligung von zehn Prozent am Unternehmen einräumt. Dies sagte ein Sprecher der Gruppe am Freitag. Eine Ablehnung durch die Gläubiger, bei denen GM mit rund 27 Milliarden Dollar (rund 19 Milliarden Euro) in der Kreide steht, hätte voraussichtlich eine Insolvenz des Autobauers zur Folge.

Die Gläubiger selbst wollten im vergangenen Monat eine 58-prozentige Mehrheitsbeteiligung durchsetzen, die aber von der Obama-Regierung als "unrealistisch" eingestuft wurde. Unterdessen erzielte GM mit den Gewerkschaften eine vorläufige Einigung. Bei ihnen steht GM mit rund 20 Milliarden Dollar für den Gesundheitsfonds der Betriebsrentner in der Pflicht.

Aktien von Autodesk stiegen nach überraschend guten Zahlen um 9,93 Prozent auf 20,70 Dollar. Der Anbieter von Softwarelösungen hatte die Erwartungen der Experten übertroffen.

Im Mittelpunkt des Interesses standen die Aktien von führenden US-Banken. In den Vereinigten Staaten gab es einen neuen Höhepunkt in der Pleitewelle von Regionalbanken: Der Zusammenbruch der Bank United FSB in Florida mit einer Bilanzsumme von rund 12,8 Milliarden Dollar (9,2 Milliarden Euro) ist der bisher größte Fall im laufenden Jahr - und das bereits 34. Opfer seit Jahresbeginn. Das Spar- und Kreditinstitut sei zum großen Teil an Finanzinvestoren und ein Managementteam verkauft worden, gab die staatliche Einlagensicherung FDIC bekannt. Aktien der Citigroup  und von JPMorgan  fielen jeweils etwas mehr als ein Prozent, die Titel der Bank of America  gaben um knapp 3 Prozent nach.

Außerdem steht beim schwer angeschlagenen Versicherungskonzern American International Group (AIG)  ein Wechsel an der Führungsspitze an. Der zur Sanierung angetretene Konzernchef Edward Liddy hatte seinen Rückzug angekündigt. Der 63-Jährige wird laut Konzernangaben nur noch solange im Amt bleiben, bis ein Nachfolger gefunden ist. Liddy war im vergangenen September kurzfristig als Sanierer eingesprungen. Sein Rücktritt gilt als weiterer Schritt zu einer allmählichen Stabilisierung des einst weltgrößten Versicherungskonzerns. AIG-Aktien sackten dennoch um 5,56 Prozent auf 1,70 Dollar ab.

Die Aktien des Pharma- und Medizintechnikkonzern Johnson & Johnson  (J&J) verloren 0,40 Prozent auf 54,77 Dollar. Das Unternehmen will sein Onkologiegeschäft mit der Übernahme von Cougar Biotechnology stärken. Für den Entwickler von Krebsmedikamenten will J&J 970 Millionen Dollar beziehungsweise 43 Dollar je Aktie zahlen. Cougar-Titel legten um 15,79 Prozent auf 42,82 Dollar zu und notierten damit etwas unterhalb des angebotenen Preises.

Dax leicht im Plus

Nach einem zwischenzeitlichen Absacken hat der Deutsche Aktienindex Dax  die Marke von 4900 Punkten doch noch halten können. Der Index der 30 wichtigsten hiesigen Aktiengesellschaften schloss am Freitag 0,37 Prozent im Plus bei 4918,75 Punkten. Das Handelsvolumen im Dax war allerdings mit 80 Millionen Aktien ebenso gering wie am Donnerstag (Christi Himmelfahrt). Der MDax  der mittelgroßen Unternehmen verlor 0,48 Prozent auf 5812,94 Zähler und der Technologieindex TecDax  gewann 1,55 Prozent auf 623,85 Punkte.

An den europäischen Aktienmärkten stieg der Euro Stoxx 50  um 0,4 Prozent auf 2433,52 Punkte. In London und Paris schlossen die wichtigsten Börsen ebenfalls im Plus.

Laut Marktanalystin Susanne Lahmann von der Bremer Landesbank herrscht weiter eine freundliche Stimmung am Markt. Am Dienstag hatte der Dax erstmals seit Anfang Januar 2009 wieder die Marke von 5000 Zählern geknackt, und Mitte der Woche hatte der Leitindex sogar über dieser Schwelle geschlossen. Gleichwohl könnte es auch in dem aktuellen Umfeld vereinzelt noch zu Gewinnmitnahmen kommen.

Beste Werte im Dax waren K+S-Aktien  mit Gewinnen in Höhe von mehr als 5 Prozent, Salzgitter-Titel  mit mehr als 4 Prozent und Metro-Anteilsscheine  mit mehr als 3 Prozent. Die Liste der Verlierer führte MAN  mit einem Minus von mehr als 2 Prozent an, vor Henkel-Aktien  mit fast 2 Prozent Verlust und Merck-Papieren  mit mehr als 1 Prozent Minus.

Stahltitel profitierten von einer positiven Sektorstudie von Goldman Sachs. Neben den Salzgitter-Papieren ging es für Aktien von ThyssenKrupp  um 0,59 Prozent auf 17,14 Euro hoch. Die Analysten hatten ihre Kursziele für beide Unternehmen angehoben, da sie davon ausgehen, dass der Abbau der Lagerbestände zu einem Ende kommen sollte. Entsprechend dürften sich im zweiten Halbjahr 2009 die operative Bedingungen im europäischen Stahlsektor verbessern. Im MDax verteuerten sich die Titel des Stahlhändlers Klöckner & Co.  um 3,23 Prozent auf 15,35 Euro.

Der Euro-Kurs  bewegt sich auf die 1,40 Dollar zu. Der Referenzkurs der Gemeinschaftswährung wurde am Nachmittag mit 1,3972 Dollar festgestellt, nach 1,3771 Dollar am Donnerstag. Am Rentenmarkt verharrte die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 3,17 Prozent. Der Rentenindex REX stieg um 0,05 Prozent auf 122,56 Punkte. Der Bund Future fiel um 0,76 Prozent auf 120,26 Punkte.

Die Ölpreise haben am Freitag nach ihren Verlusten vom Vortag einen Erholungskurs eingeschlagen. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Juli stieg auf 61,61 US-Dollar - das waren 56 Cent mehr als zum Handelsschluss am Vortag. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im Juli stieg um 66 Cent auf 60,59 Dollar. Händler verwiesen zur Begründung insbesondere auf die gestiegene Ölnachfrage aus China, dem weltweit zweitgrößten Energiekonsument.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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