CDU Krisensitzung nach Weyrauch-Aussage

Nach einer Anhörung ihres früheren Finanzberaters Weyrauch hat die CDU eine neuerliche Krisensitzung der Parteispitze anberaumt. Die Spekulationen um die Zukunft von CDU-Chef Schäuble reißen derweil nicht ab.

Berlin - Es gebe "wesentliche neue Erkenntnisse", die der "Prüfung und Aufarbeitung" bedürften. Das war alles, was vorerst über ein Gespräch des CDU-Geschäftsführers Willi Hausmann mit dem ehemaligen CDU-Finanzberatern Horst Weyrauch zu erfahren war. Das Präsidium werde am Freitag in Bonn über die Ergebnisse des Gesprächs beraten, kündigte eine Sprecherin der Partei am Mittwoch an. Einem Zeitungsbericht zufolge räumte Weyrauch die Existenz von Schwarzkonten der Bundes-CDU mit zweistelligen Millionenbeträgen im Ausland ein. Weyrauch selbst bestätigte nur, dass über das Thema gesprochen worden sei. In der Union wachsen unterdessen Zweifel, ob Parteichef Wolfgang Schäuble sich längerfristig im Amt halten kann.

Das mehr als sechsstündige Gespräch mit Weyrauch in Bonn habe in kooperativem Geiste stattgefunden, hieß es in einer kurzen Erklärung Hausmanns. Die neuen Erkenntnisse seien wesentlich. Eine umfassendere Unterrichtung der Öffentlichkeit stellte Hausmann erst nach Information der Parteigremien in Aussicht. Zentrale Frage der Beratungen am Mittwoch war nach Angaben aus Parteikreisen, ob es wie bei Hessens CDU auch schwarze Auslandskonten im Namen der Bundes-CDU gab.

Zeitung: Weyrauch bestätigte schwarze Auslandskonten der Bundes-CDU

Dazu hieß es in einem Vorab-Bericht der "Bild"-Zeitung unter Berufung auf gut informierte CDU-Kreise, Weyrauch zufolge habe es früher Konten der Bundes-CDU in der Schweiz gegeben, die inzwischen jedoch aufgelöst seien. Darauf seien in den 80-er und 90-er Jahren zweistellige Millionensummen deponiert gewesen. Ein Sprecher der Partei wollte zu dem Bericht nicht Stellung nehmen.

Weyrauch sagte am Abend in Frankfurt, die CDU werde die Öffentlichkeit bereits am Donnerstag über neue Entwicklungen unterrichten. Zur Verstrickung führender CDU-Politiker in die Finanzaffäre sagte Weyrauch, alle Namen lägen auf dem Tisch. Wer Aufklärung wolle, müsse nun lediglich das Tableau richtig anordnen.

Stoiber: Das "Problem Schäuble" wurde besprochen

Neben Solidaritätsbekundungen aus der Partei für Schäuble gab es auch vorsichtige Distanzierungen von dem Parteichef, der frühere Angaben über seine Zusammentreffen mit dem Waffenhändler Karlheinz Schreiber erneut hatte korrigieren müssen. Manche dächten darüber nach, was zu tun sei, falls Schäuble sein Amt niederlege oder sich auf dem Bundesparteitag im April entgegen seinen bisherigen Ankündigungen doch nicht mehr zur Wahl stelle, hieß es außerdem in CDU-Kreisen. Allerdings wünschten die meisten trotz aller Kritik einen Verbleib Schäubles im Amt, auch weil es derzeit keine Alternative zu ihm gebe.

Der als möglicher Nachfolger Schäubles an der Parteispitze ins Gespräch gebrachte thüringische Ministerpräsident Bernhard Vogel warnte vor anhaltenden Personalspekulationen. Auf die Frage, ob er zur Verfügung stehe, falls Schäuble von sich aus beim CDU-Parteitag im April auf eine neuerliche Kandidatur verzichte, sagte er, es gelte weiterhin die Unterstützung des CDU-Präsidiums für den Vorsitzenden. In München wies Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber Berichte zurück, er habe mit Vogel die Möglichkeit der Ablösung Schäubles besprochen. Allerdings sei über "das Problem Schäuble und die Lage der Union insgesamt" geredet worden. Der ebenfalls immer wieder als möglicher Nachfolger genannte sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf sagte, er gehe davon aus, dass Schäuble als Parteichef wieder gewählt werde, wenn er kandidiere.