Air France-KLM Erster Verlust der Konzerngeschichte

Die weltweite Luftfahrtkrise hat den europäischen Branchenprimus Air France-KLM erstmals seit seiner Entstehung 2003 tief in die Verlustzone gestürzt. Der französisch-niederländische Konzern kappt daher die Kapazitäten und baut Tausende Stellen ab.

Paris - Im Geschäftsjahr 2008/09 (per Ende März) sei ein Verlust von 814 Millionen Euro angefallen, sagte Konzernchef Pierre-Henri Gourgeon am Dienstag in Paris. "Das neue Geschäftsjahr wird noch einmal sehr schwierig."

Im Vorjahr hatte der härteste Lufthansa-Konkurrent als eine von wenigen deutlich rentablen Fluggesellschaften noch 756 Millionen Euro verdient. "Die Geschäftsreisen und der Frachtverkehr sind im zweiten Halbjahr besonders stark zurückgegangen", sagte Gourgeon. Es gebe zwar Anzeichen einer Stabilisierung. Doch eine klare Prognose für das laufende Jahr wolle er nicht geben. "Wir haben keine Sicht."

Nach Zukäufen wie dem Einstieg bei Alitalia  ist jetzt Sparen angesagt. Im laufenden Geschäftsjahr würden drei Prozent der 107.000 Stellen gestrichen, sagte Finanzchef Philippe Calavia. "Das sind so 3000 Stellen." Im Vorjahr seien 2700 Stellen weggefallen. Air France-KLM  will die Passagierkapazitäten um 4,5 Prozent und die Frachtkapazitäten um 11 Prozent drücken. Die Investitionspläne werden auf 1,4 Milliarden Euro halbiert.

Kräftige Einsparungen von 1,9 Milliarden Euro erwartet Gourgeon beim Treibstoff. Zuletzt hatte Air France-KLM kräftig draufgezahlt, weil der Konzern sich mit Termingeschäften gegen Preissteigerungen abgesichert hatte. Die Preise waren aber gefallen und Air France-KLM hatte viel teurer eingekauft als nötig. Die Absicherungsgeschäfte seien von 80 auf 45 Prozent der Treibstoffkäufe gedrückt worden, sagte Gourgeon.

Auch operativ rutschte Air France-KLM 2008/09 mit 129 Millionen Euro die Verlustzone. Das waren zwar rund 70 Millionen weniger, als noch vor wenigen Wochen angekündigt. Doch 2007/08 hatte der Konzern operativ noch 1,41 Milliarden Euro verdient.

Sparprogramm wirkt bereits stärker als erhofft

Besonders stark war der Einbruch des Geschäfts in den ersten drei Monaten 2009. Der Umsatz stürzte im Jahresvergleich um 12,2 Prozent auf 5,01 Milliarden Euro. Der Fehlbetrag sank zwar von 543 auf 505 Millionen Euro. Doch der operative Verlust schoss von 37 Millionen auf 574 Millionen Euro in die Höhe. Hart traf es den Frachtverkehr. Die Transporte brachen um 21,3 Prozent ein, was mit einem Kapazitätsabbau um 9,8 Prozent nur teilweise aufgefangen wurde.

Zu Jahresbeginn konnte Air France-KLM ihren Verlust eingrenzen. Zwar verbuchte das Unternehmen im ersten Quartal operativ ein Minus von 574 Millionen Euro, es schloss damit aber besser ab als von Analysten erwartet. Air France-KLM setzte vor allem bei den Personalkosten den Rotstift an, doch auch die Aktionäre müssen künftig den Gürtel enger schnallen. Der Verwaltungsrat empfahl, die Dividende von zuletzt 58 Cent je Aktie zu streichen. Sparen habe Priorität, sagte Konzernchef Pierre-Henri Gourgeon am Dienstag bei der Bilanzvorlage. "Wir müssen extrem vorsichtig sein."

Die Kosten wurden um 675 Millionen Euro gedrückt. Das seien 245 Millionen Euro mehr Einsparungen als vorgesehen, sagte Calavia. Obwohl gleichzeitig die Investitionen von 2,34 Milliarden auf 2,04 Milliarden Euro verringert wurden, flossen netto 1,1 Milliarden Euro Kapital ab.

Gourgeon kündigte daher eine weitere Verschärfung des Sparkurses ("Challenge 12") um rund eine Milliarde bis 2012 an. Einsparungen bei der Flotte sollen parallel dazu 3,1 Milliarden Euro bringen. So plant Air France-KLM bis zum Sommer 2012 nur noch den Kauf von 189 Langstreckenjets bei Airbus und Boeing ein; das sind 14 weniger als im vergangenen Jahr beschlossen.

Die Nettoschulden stiegen 2008/09 von 2,7 Milliarden auf viereinhalb Milliarden Euro. "Die Schulden bleiben noch auf einem akzeptablen Niveau, auch wenn wir sie natürlich scharf im Auge behalten", sagte Calavia. "In drei normalen Jahren könnten wir unsere Schulden begleichen." Der Einstieg mit 25 Prozent bei Alitalia hat das Ergebnis 2008/09 nicht belastet. Der Einstieg soll spätestens im dritten Jahr 160 Millionen Euro Synergien bringen.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters