Creditreform Weniger Pleiten in Deutschland und Europa

In Deutschland war die Zahl der Firmenzusammenbrüche und Privatpleiten 1999 erstmals seit sieben Jahren rückläufig. In der Europäischen Union ist die Zahl der Firmenpleiten auf den niedrigsten Stand seit 1991 gefallen, erklärte die Wirtschaftsauskunftei Creditreform.

Düsseldorf - Europaweit wurden im vergangen Jahr 182.200 Insolvenzen gezählt, 4,3 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Das berichtete die Wirtschaftsauskunftei Creditreform am Dienstag. Von den 15 Staaten EU-Staatenverzeichneten zehn eine günstige Entwicklung. In Deutschland meldeten 33.500 Firmen Konkurs an, ein Rückgang von 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der niedrigste Stand seit sieben Jahren. Auch in den nächsten Jahren werde die Pleitewelle weiter abebben, erwartet Creditreform-Chef Helmut Rödl.

Besonders deutlich nahm laut Creditreform die Zahl der Pleiten mit minus 24,5 Prozent in den Niederlanden ab. Danach folgten Frankreich (minus 24 Prozent) und Schweden (minus 20,7 Prozent). Negativ fielen Großbritannien, Irland und Österreich auf. Dort nahmen die Pleiten zwischen 21 und 25 Prozent zu.

Jeder vierte Pleitebetrieb in Deuutschland gehörte zur Baubranche

Nach Angaben der Auskunftei sind in der EU 1999 durch die Pleiten 1,4 Millionen Arbeitsplätze verloren gegangen, im Jahr zuvor waren es noch 1,6 Millionen. Vor allem in der Baubranche sei die Zahl der Pleiten besonders hoch. In Deutschland gehörte etwa jeder vierte Pleitebetrieb dieser Branche an.

Die erwartete positive Konjunkturentwicklung in Europa könne die Insolvenzrate auch in den nächsten Jahren sinken lassen, so die Creditreform. In Deutschland sei aber weiterhin keine Angleichung der Pleitenzahlen zwischen Ost und West zu erwarten. In Ostdeutschland müsse auch in den kommenden Jahren mit mehr Insolvenzen gerechnet werden. Großbetriebe haben nach Angaben der Creditreform weitaus größere Chancen zu überleben als Mittelständler. "Große Unternehmen werden nicht geschlossen, sondern aufgekauft", meinte Rödl.

Italiener zahlen Rechnungen erst nach 92 Tagen

Kritisch ist nach Darstellung von Creditreform weiter die geringe Eigenkapitalquote der mittelständischen Betriebe in Deutschland. Während hier zu Lande die Eigenkapitalquote zwischen zehn und 20 Prozent liege, wiesen Firmen in Großbritannien und den Niederlanden Eigenmittel in Höhe von mehr als 50 Prozent der Bilanzsumme aus. Zu den häufigsten Gründen für einen Konkurs zählt das Ausschöpfen von Lieferantenkrediten. In Belgien, Griechenland, Italien, Spanien und Frankreich ist die schlechte Zahlungsmoral der Kunden ein Hauptproblem.

Wer Waren nach Italien (92 Tage), Frankreich (60 Tage) oder Belgien (63 Tage) liefert, muss nach Angaben von Creditreform lange auf sein Geld warten. Schneller zahlen die Kunden in Schweden (31 Tage), Deutschland (41 Tage) und den Niederlanden (44 Tage).

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