Samstag, 14. Dezember 2019

Preisschub Ölpreisanstieg verdutzt Experten

Weil Händler mitten in der Krise auf das Ende der Rezession wetten, schießt der Ölpreis auf ein Halbjahreshoch. Die Zockerei könnte sogar aufgehen, glauben Experten. Sie blicken dabei weniger auf Konjunkturdaten als auf Europas Zentralbanker. Ausgerechnet die Krisenbekämpfer könnten für die nächste Blase auf dem Ölmarkt sorgen.

Düsseldorf - Er steigt. Woche für Woche, Dollar für Dollar, und langsam muss man wieder mit ihm rechnen. Denn Öl ist teuer geworden: Wer sich heute morgen bereits für Juni ein 159-Liter-Fass des US-Leichtöls West Texas Intermediate (WTI) sichern wollte, musste dafür rund 59,50 Dollar auf den Tisch legen; gestern war es mit etwa 60 Dollar noch ein wenig mehr und damit so viel, wie seit November vergangenen Jahres nicht mehr. Marktexperten sind verdutzt.

Volle Lager: Der Ölhafen in Rotterdam ist an der Kapazitätsgrenze angekommen
"Es gibt eigentlich immer noch zu viel Öl auf dem Markt, das niemand braucht", sagt Otto Wiesmann, Rohstoffhändler bei dem Unternehmen Index-Handel. Die Läger in Rotterdam beispielsweise sind so voll, dass Schiffe mit neuen Lieferungen bereits abgewiesen werden müssen. Zudem ist die Ölnachfrage zuletzt auch nicht stark gestiegen.

"Keine Änderung der schwachen weltweiten Nachfrage aufgrund der schlechten Weltwirtschaftslage", meldete etwa das Sekretariat des Ölförderkartells Opec Ende der vergangenen Woche. Die Rohölnachfrage sei im ersten Quartal dieses Jahres viel mehr um 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken - eigentlich sollten in so einer Lage die Ölpreise fallen, doch genau das Gegenteil passiert.

"Kräftig angezogen ist aber die Hoffnung, dass die Ölnachfrage bald steigen könnte, weil sich die Weltwirtschaft langsam zu berappeln scheint. Und das könnte reichen, um den Ölpreis steigen zu lassen", mutmaßt ein Analyst des Essener Stromunternehmens RWE, der für den Energieversorger vor allem die Kohle- und Ölpreise zu bewerten versucht.

Das mag noch Kaffeesatzleserei sein. Tatsächlich aber mehren sich die Signale, die auch in der Bundesrepublik ein Ende der Wirtschaftstalfahrt erwarten lassen. Erstmals seit einem halben Jahr beispielweise ist die Gesamtproduktion des verarbeitenden Gewerbes nicht mehr gesunken, hat das Bundeswirtschaftsministerium errechnet.

Darüber hinaus lieferten die deutschen Exporteure im März zum ersten Mal seit einem halben Jahr wieder mehr Waren ins Ausland als im jeweiligen Vormonat, wie das Statistische Bundesamt ermittelt hat. Und Deutschlands Industrie verbuchte nach siebenmonatiger Durststrecke auch wieder mehr Aufträge, ermittelten die Bundesstatistiker.

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