Finanzbranche EU will Stresstest für Europas Banken

Die Europäische Union will dem Vorbild der USA folgen und das Bankensystem mit einem Belastungstest prüfen. Anders als in den USA sollen die einzelnen Ergebnisse jedoch nicht veröffentlicht werden - es gehe um den Kapitalbedarf des Gesamtsystems.

Brüssel - Anders als in Amerika soll bei dem EU-Stresstest nicht der Kapitalbedarf einzelner Geldhäuser, sondern des gesamten Systems ermittelt werden, verlautete am Dienstag aus Brüsseler EU-Kreisen. Dabei geht es besonders darum, ob der Bankensektor auch für eine Verschärfung der Finanzkrise gewappnet ist. Eine entsprechende Entscheidung sei von den EU-Finanzministern getroffen worden.

Die Ergebnisse sollen nicht öffentlich gemacht werden, sondern im September einem EU-Ausschuss vorgelegt werden.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hatte am Rande des Finanzministertreffens grundsätzlich grünes Licht für die Stresstests gegeben. Zugleich gab er jedoch die Prämisse aus, dass sich die Lage der Banken im Zusammenhang mit der Prüfung nicht verschlechtern dürfe.

Das nun gewählte Verfahren dürfte Steinbrücks Bedenken Rechnung tragen: Organisiert werden sollen die Stresstests vom Ausschuss der europäischen Bankenaufseher (CEBS), in dem ranghohe Vertreter der nationalen Bankaufsichtsbehörden und Notenbanken der EU sowie der Europäischen Zentralbank (EZB) sitzen.

Ausführendes Organ sind aber die nationalen Aufsichtsbehörden, die nach gemeinsamen Kriterien und Methoden vorgehen. Die Ergebnisse sollen dann dem EU-Wirtschafts- und Finanzausschuss vorgelegt werden, der im September über die Stabilität des Finanzsektors berät.

"Für die EU ist das US-Modell nicht sinnvoll"

In den USA waren die Stresstests vorige Woche abgeschlossen und veröffentlicht worden. Dabei überprüfte die US-Regierung konkret, wie groß der Kapitalbedarf von 19 Großbanken bei einer Verschärfung der Rezession ist. Die meisten Institute schnitten dabei besser ab als befürchtet: Zehn von 19 Banken müssen ihr Kapital um insgesamt rund 75 Milliarden Dollar aufstocken und wollen die Mittel dazu größtenteils aus eigener Kraft aufbringen.

"Für die EU ist das US-Modell nicht sinnvoll - das ist Aufgabe der nationalen Aufsicht", hieß es in EU-Kreisen. In den USA seien die Stress-Tests politisch sehr hoch gehandelt worden, weil die Regierung die Banken zu einer Stärkung ihrer Kapitaldecke habe zwingen wollen. In Europa sei der Handlungsdruck in dieser Hinsicht nicht mehr so groß.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) begrüßt Stresstests für den europäischen Bankensektor: "Das Vertrauen in das Finanzsystem muss wiederhergestellt werden", sagte der für Europa zuständige IWF-Experte Marek Belka in Paris. Der IWF schätzt, dass Banken weltweit bei Krediten und Wertpapieren Wertberichtigungen in Höhe von 2,8 Billionen Dollar vornehmen müssen. In der Euro-Zone waren es nach IWF-Berechnungen bislang 154 Milliarden Dollar. Doch bis Ende 2010 stehe mit weiteren rund 750 Milliarden Dollar an Wertberichtigungen noch ein dicker Batzen an.

manager-magazin.de mit Material von reuters