Übernahme Lufthansa sammelt 85 Prozent von AUA

Es war keineswegs ausgemacht, ob sich die Lufthansa mit ihrem Übernahmeangebot für Austrian Airlines durchsetzen würde. Doch der Deal verläuft unerwartet reibungslos. Die Annahmeschwelle von 75 Prozent hat die deutsche Airline nun übertroffen - und steuert nun auf die Möglichkeit einer Zwangsabfindung zu.

Wien - Die Lufthansa  ist einer Übernahme der österreichischen Fluggesellschaft Austrian Airlines einen wesentlichen Schritt näher gekommen. Bis zum Ende des Übernahmeangebots am Montagabend habe die Lufthansa mehr als 85 Prozent der AUA-Anteile eingesammelt, teilte die größte deutsche Fluggesellschaft am Dienstag mit. Damit wurde die angepeilte Annahmeschwelle von 75 Prozent klar übertroffen.

Nach Einschätzung von Experten dürfte die Lufthansa auch die von der EU-Kommission gesetzten Hürden nehmen. Die Kommission nimmt den geplanten Staatszuschuss von 500 Millionen Euro unter die Lupe, mit dem der milliardenschwere Schuldenberg der AUA verkleinert werden soll. Zudem steht die Entscheidung der Wettbewerbshüter im Kartellverfahren aus. Beide Genehmigungen müssen laut Übernahmeangebot vor Ende Juli fallen.

Das endgültige Ergebnis des Angebots will Lufthansa am Donnerstag bekanntgeben. Die übrigen AUA-Aktionäre können ihre Papiere nun noch weitere drei Monate bis 14. August zum Preis von je 4,49 Euro an Lufthansa verkaufen. Ab einem Anteil von 90 Prozent kann die Lufthansa eine Zwangsabfindung einleiten. Dann soll die AUA von der Börse genommen werden.

An der Wiener Börse legte die AUA-Aktie am Dienstag um mehr als zwölf Prozent auf 4,19 Euro zu. Die Lufthansa-Titel stiegen in Frankfurt um 1,3 Prozent auf 10,24 Euro. AUA-Vorstand Peter Malanik sprach von einem "entscheidenden Meilenstein" im Verkaufsprozess. "Wir sind zuversichtlich, dass wir das Closing im Sommer durchziehen werden können", sagte er.

AUA nicht einziger Übernahmekandidat

Der Ausgang des Übernahmeangebots war bis zuletzt spannend geblieben. Zwar hatte sich Lufthansa den ehemaligen Staatsanteil von rund 42 Prozent bereits gesichert. Doch Kleinaktionäre protestierten gegen das Angebot und verlangten einen höheren Preis als die von Lufthansa gebotenen 4,49 Euro. Aus Mangel an Alternativen zu einer Übernahme durch Lufthansa hatten dann aber offenbar viele eingelenkt und ihre Aktien der Lufthansa angedient.

Ohne einer Sanierung im Lufthansa-Konzern droht Austrian nach Einschätzung von Analysten die Insolvenz. Für den Staatsanteil zahlt die Lufthansa 366.000 Euro. Bessert sich die Lage der finanziell angeschlagenen AUA in drei Jahren, bekommt Österreich noch bis zu rund 160 Millionen Euro zusätzlich. Insgesamt würde die Lufthansa der Zukauf dann rund 380 Millionen Euro kosten.

Die AUA ist aber nicht das einzige Objekt der Begierde der deutschen Fluggesellschaft. Die Lufthansa strebt zudem die Übernahme von Brussels Airlines und British Midland (BMI) an. Die Übernahme der britischen Fluggesellschaft könnte Kreisen zufolge allerdings durch einen Eigentümerstreit scheitern. Lufthansa verlangt von BMI-Gründer Michael Bishop eine Kapitalspritze für die Verluste schreibende Airline. Bishop lehne das aber ab, sagte eine mit der Situation vertraute Person.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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