Solarfirmen Q-Cells und Solon am Boden

Gleich zwei deutsche Solarfirmen berichten von Verlusten im ersten Quartal. Bei Solon kam die Produktion fast zum Erliegen. Weltmarktführer Q-Cells musste eine aufgegebene Beteiligung abschreiben. Die Branche leidet unter Überkapazitäten, nachdem die Nachfrage eingebrochen ist. Nach dem ersten Schreck kaufen Anleger wieder zu.

Bitterfeld/Berlin - Der weltgrößte Solarzellenhersteller Q-Cells  ist im ersten Quartal wegen einer Abschreibung in dreistelliger Millionenhöhe tief in die roten Zahlen gerutscht. Unter dem Strich stand ein Verlust von 391,9 Millionen Euro, wie die TecDax-Gesellschaft am Dienstag in Bitterfeld-Wolfen mitteilte. Zudem korrigierte das Unternehmen seine Umsatzprognose für dieses Jahr zum dritten Mal nach unten. Nun peilt der Vorstand Erlöse zwischen 1,3 und 1,6 Milliarden Euro an. Zuletzt lag das Ziel bei 1,7 bis 2,1 Milliarden Euro.

Nach einem Verlust zum Handelsauftakt von gut 5 Prozent erholten sich Q-Cells-Aktien und drehten danach ins Plus. Einige Händler bemängelten zunächst den erneut gesenkten Ausblick. Viele Analysten hatten dies bereits erwartet, sodass andere Händler betonten, dass bereits viel Negatives in den Kurs eingepreist gewesen sei. Auch andere Solaraktien wie Nordex , Phoenix Solar , Roth + Rau  oder Conergy  erholten sich von anfänglichen Verlusten. Nur Solon-Papiere  notierten nach schwachen Zahlen noch deutlich im Minus, konnten sich allerdings von den Tagestiefs von bis zu minus 14 Prozent deutlich lösen.

Im Auftaktquartal nahm Q-Cells die seit langem erwartete Wertberichtigung auf die inzwischen veräußerte Beteiligung am norwegischen Solarsiliziumhersteller Renewable Energy Corporation (REC) vor. Der Vorstand schrieb zunächst 387 Millionen Euro ab. REC steht in der Quartalsbilanz mit dem Stichtag 31. März mit einem Buchwert von 668,5 Millionen Euro. In der vergangenen Woche trennte sich Q-Cells für 530 Millionen Euro von seinem 17,2-prozentigen Anteil. Aus der Differenz ergibt sich damit für das zweite Quartal ein weiterer Abschreibungsbedarf von 138,5 Millionen Euro, wie ein Unternehmenssprecher bestätigte. Ein Überschuss ist damit in diesem Jahr praktisch ausgeschlossen.

Ohne diese Wertberichtigung und eine weitere Abschreibung von 9,4 Millionen Euro auf die Beteiligung am Solartechnologieunternehmen Solaria hätte Q-Cells trotz der widrigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im ersten Quartal einen Überschuss von 4,5 Millionen Euro verbucht, hieß es in der Mitteilung. Im operativen Geschäft verbuchte das Unternehmen überraschend einen Gewinn von 14,7 Millionen Euro. Das ist zwar ein Einbruch von 75 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2008, Analysten hatten im Schnitt aber mit einem Verlust von gut einer Million Euro gerechnet. Der Umsatz ging um 17 Prozent auf 224,8 Millionen Euro zurück. Auch das war besser als die Erwartungen von 189,14 Millionen Euro.

Das Unternehmen kündigte an, das geplante Produktionsvolumen zu reduzieren. Statt bislang 0,8 bis 1 Gigawatt sollen nur noch 0,6 bis 0,8 Gigawatt hergestellt werden. Damit reagiert auch Q-Cells auf den anhaltenden Preisverfall und die weltweiten Überkapazitäten. Seit Anfang Mai gilt für die meisten der 2500 Q-Cells-Beschäftigten Kurzarbeit. Q-Cells begründete die Prognosekappung insbesondere mit dem "weiterhin unsicheren Marktumfeld". So bleibe wegen der Kreditklemme die Finanzierung von Großanlagen schwierig.

Durch die Veräußerung der REC-Beteiligung hat Q-Cells sich finanziell Luft verschafft. Nach eigenen Angaben wurde dadurch die Finanzierung des Unternehmens gesichert. Das Geld will der Vorstand zum Abbau von Schulden einsetzen. Dadurch rechnet er mit einer Zinsentlastung von bis zu 20 Millionen Euro pro Jahr. Die Eigenkapitalquote erhöhe sich so auf rund 65 Prozent. Damit sieht sich das Unternehmen "weiterhin sehr stabil" aufgestellt. Zudem vermeldete das Unternehmen eine geplante Veränderung der Spitze des Aufsichtsrates. Neuer Vorsitzender soll der Chef der Schweizer Investitionsgesellschaft Good Energies, Marcel Brenninkmeijer, werden.

Solon-Produktion stand im ersten Quartal praktisch still

Der Berliner Solarmodulhersteller Solon hat im ersten Quartal schwer unter der eingebrochenen Nachfrage nach Solaranlagen gelitten und ist in die roten Zahlen gerutscht. Der Umsatz stürzte um 76 Prozent auf 38,3 Millionen Euro ab, wie die TecDax-Gesellschaft am Dienstag mitteilte. Das war noch schlechter als von Experten befürchtet. Die Produktion von Solarmodulen stand praktisch still. Lediglich 18 Megawatt wurden produziert. Im vorbörslichen Handel verloren Solon-Aktien gut 7 Prozent von ihrem Vortageskurs.

Im operativen Geschäft verbuchte Solon in den ersten drei Monaten dieses Jahres einen Fehlbetrag von 20,7 Millionen Euro (Gewinn vor Zinsen und Steuern). Im gleichen Zeitraum 2008 wies das Unternehmen an dieser Stelle noch ein Ebit von 12,5 Millionen Euro aus. Unter dem Strich vermeldete das Unternehmen einen Verlust von 18,5 Millionen Euro nach einem Überschuss von 6,9 Millionen Euro ein Jahr zuvor.

Auch im laufenden Quartal erwartet das Unternehmen vor allem wegen der anhaltenden Kreditklemme unter dem Strich einen Verlust. Das Ergebnis weiter belasten könnte eine mögliche Abschreibung auf die indirekte Beteiligung am insolventen französischen Siliziumprojekt SilPro. Solon rechnet nach eigenen Angaben mit Wertberichtigungen von bis zu 40 Millionen Euro. Im operativen Geschäft will sich Solon aber wieder der Gewinnzone nähern. "Wir rechnen mit einem ausgeglichenen Ergebnis, vielleicht wird es eine schwarze Null, vielleicht eine rote", sagte Vorstandschef Thomas Krupke.

Im Gesamtjahr will Solon nach eigenen Angaben operativ einen Gewinn erzielen. Krupke rechnet mit einer deutlichen Belebung der Nachfrage in der zweiten Jahreshälfte, sofern sich bis dahin die gesamtwirtschaftliche Lage verbessert und sich die Kreditklemme löst. "Wir haben schon im April ein deutliches Anziehen des Geschäfts erlebt", sagte der Vorstandschef. Eine konkrete Umsatz- und Gewinnprognose will das Unternehmen wegen der "anhaltenden Unsicherheiten" aber erst im weiteren Verlauf des Jahres geben.

Die gesamte Branche leidet seit dem abrupten Ende des Solarbooms im zweiten Halbjahr 2008 unter dem Absatzeinbruch. Insbesondere die Nachfrage von Großkunden kam wegen der Kreditklemme praktisch zum Erliegen. Dem stehen Überkapazitäten gegenüber. Die Folge ist ein Preisverfall von 15 bis 30 Prozent. Erschwerend kam zu Jahresbeginn für die Unternehmen der harte Winter in Deutschland hinzu, der die Montage neuer Anlagen lange unmöglich machte.

Solon hat noch ein weiteres Problem. Zu Jahresbeginn saßen die Berliner auf offenen Rechnungen von 100 Millionen Euro aus Spanien. "Das Geld geht inzwischen tröpfchenweise ein", sagte Krupke. Mittlerweile seien 20 bis 25 Millionen Euro überwiesen worden. Der Vorstandschef gab sich zuversichtlich, den ausstehenden Betrag noch in diesem Jahr zu erhalten. Die Finanzierung von Solon sei in jedem Fall für "die kommenden Monate" gesichert. Zurzeit liefen Verhandlungen mit den Hausbanken über den mittelfristigen Geldbedarf. Die Signale seien positiv, erklärte Krupke. Solon saß Ende 2008 auf Nettoschulden von 379 Millionen Euro.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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