Dienstag, 16. Juli 2019

Problemkredite KfW stark bei HRE engagiert

Ein Bankrott der nur mit Staatshilfen am Leben gehaltenen Hypo Real Estate würde auch die Förderbank KfW hart treffen. Das Kreditvolumen der KfW bei der HRE beträgt einem Bericht zufolge mehr als eine halbe Milliarde Euro.

Berlin - Noch im vergangenen März habe das Kreditengagement der KfW bei der HRE-Gruppe Börsen-Chart zeigen insgesamt 661,1 Millionen Euro betragen, berichtet das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL unter Berufung auf einen Brief der KfW an ihren Verwaltungsrat. Davon entfielen nur rund 76 Millionen Euro auf das Rettungspaket vom Herbst. Darüber hinaus halte die KfW 531,2 Millionen Euro gedeckte Wertpapiere (Pfandbriefe) und 243 Millionen ungedeckte Wertpapiere der HRE-Gruppe.

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FDP, Grüne und Linkspartei hatten bereits nach der ersten Arbeitssitzung des parlamentarischen Untersuchungsausschusses zur HRE-Krise angekündigt, auch die finanziellen Verflechtungen der HRE mit Institutionen des Bundes durchleuchten zu wollen. Sie könnten aus Sicht der Opposition auch ein Grund sein für die umfassenden Rettung der HRE mit Staatsgarantien von bisher 87 Milliarden Euro. Der Bund hatte auch stets betont, dass ein Zusammenbruch der HRE vermieden werden müsse, um den deutschen Pfandbriefmarkt zu stützen.

Die HRE gehört mit einem Emissionsvolumen von über 45 Milliarden Euro neben der Eurohypo zu den größten Anbietern im Geschäft mit Pfandbriefen. Das geht laut SPIEGEL aus einer Aufstellung des Finanzministeriums auf Anfrage der FDP hervor. Die Papiere lagern nicht nur bei der KfW, sondern bei fast allen deutschen Banken, Sparkassen und Versicherern. Nach Darstellung des SPIEGEL vermutet mancher Abgeordnete, dass eine HRE-Pleite auch verhindert werden müsse, weil der Deckungsstock der Pfandbriefe womöglich nicht so sicher sei wie vom Gesetz vorgeschrieben sei.

HRE-Aufsichtsrat: Bedarf für staatlichen Immobilienfinanzierer

Der Hypo-Real-Estate-Aufsichtsrat und frühere Chef der Commerzbank-Tochter Eurohypo Börsen-Chart zeigen, Bernd Knobloch, sieht unterdessen in Deutschland Bedarf für einen staatlichen Immobilienfinanzierer. "Wenn sich das Geschäft mit Gewerbeimmobilien für die private Wirtschaft nicht rentiert, müssen wir die Vorteile, die der Staat hat, auch bei der Refinanzierung nutzen", sagte Knobloch dem Magazin "Wirtschaftswoche".

Die wichtigsten Adressen vor der Krise - HRE, Eurohypo, HSH Nordbank und WestLB - seien alle "mehr oder weniger ausgefallen". Das Modell habe in Amerika bis zum Kollaps der halbstaatlichen Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac über Jahrzehnte gut funktioniert.

"Die Immobilienbanken können derzeit kaum Neugeschäft machen, weil sie kein Kapital haben", sagte Knobloch. Auf die Banken kämen wegen der Krise noch erhebliche Belastungen zu: "Das größte Problem sind die Bestandsobjekte, die in den vergangenen Jahren von Investmentgesellschaften mit wenig Eigenkapital und zu hohen Preisen gekauft worden sind. Auf heutiger Basis ist zumindest das Eigenkapital verloren. Das bereitet den finanzierenden Banken Sorgen", sagte Knobloch.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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