Mannesmann Vodafone hat teuer bezahlt

Chris Gent habe den Vivendi-Coup teuer bezahlt, heißt es aus Düsseldorf. Die Franzosen erhielten die gesamten Festnetz- und Mobilfunk-Aktivitäten von Mannesmann und damit rund 40 Prozent des Unternehmenswertes.

Newbury/Düsseldorf/Paris - Nach der überraschenden Partnerschaft von Vodafone und dem französischen Mischkonzern Vivendi spricht Mannesmann nun von einem Ausverkauf der Unternehmenswerte.

Die herausragenden Wachstumsaussichten sowie der damit verbundene deutlich höhere Wert wären für die Mannesmann-Aktionäre verloren, sagte Esser am Sonntagabend zur geplanten Kooperation zwischen Vodafone und dem französischen Mischkonzern Vivendi.

Mit jeder Ankündigung von Vodafone würden sich wachsende Risiken für die Aktionäre ergeben, betonte Esser und empfahl den Anteilseignern, "weiterhin einfach nichts zu tun".

Vivendi bekommt 40 Prozent von Mannesmann

Mannesmann habe mit Vivendi ebenfalls unter anderem über eine Internet-Kooperation gesprochen, wie sie jetzt zwischen dem französischen Mischkonzern und Vodafone AirTouch vereinbart worden ist. Ein Mannesmann-Sprecher sagte, man habe mit den Franzosen über eine Vertiefung in allen Bereichen gesprochen, wo dies sinnvoll wäre, und ein Punkt sei ein Zusammengehen zwischen einem Inhalteanbieter wie Vivendi und einem Infrastrukturdienstleister wie Mannesmann. Dass Vivendi am Ende das "sehr attraktive" Angebot Vodafones vorgezogen habe, sei dem französischen Konzern nicht zu verdenken. Der Sprecher betonte, falls es zu dem vereinbarten Gesamtgeschäft komme, würde Vivendi 40 Prozent des Unternehmenswertes von Mannesmann erhalten, nämlich die Festnetzgesellschaften Arcor und Infostrada, den britischen Mobilfunkbetreiber Orange und weitere 7,5 Prozent an der französischen Telekommunikationsgesellschaft Cegetel. Vodafone habe dieses Angebot nur gemacht, um im Übernahmekampf mit Mannesmann "Pluspunkte" zu sammeln. Doch dürfte dieser "Ausverkauf" auf den britisch-amerikanischen Mobilfunkkonzern zurückschlagen, sollten die Pläne realisiert werden: "Vodafone hat einen hohen Preis auf den Tisch gelegt, und das wird nicht ohne Auswirkungen auf die Vodafone-Aktiva bleiben", sagte der Sprecher

Analysten: "Schlag ins Gesicht"

WGZ-Analyst Manfred Jaisfeld sprach von einem "Schlag ins Gesicht" für Mannesmann. Die Düsseldorfer hätten sicher selbst "liebend gerne" die Mehrheit an der Vivendi-Telekommunikationstocher Cégétel erworben. Doch habe vermutlich der gebotene Preis nicht ausgreicht. Vivendi habe mit Vodafone nun den lange gesuchten starken Partner gefunden. Für den Mannesmann-Jäger seien die Franzosen ihrerseits in Europa der ideale Verbündete. Zusammen würden beide zu einer schlagkräftigen Konkurrenz für andere Internet-Portale wie AOL oder Yahoo. Sie würden sich nun auf neue Zugangswege ins Web wie TV oder Mobilfunk konzentrieren, die andere Anbieter bislang nicht böten. Holger Grawe von der WestLB sprach von einem "geschickten Schachzug" Vodafones im Übernahmekampf. Hier könnte sich das Zusammengehen mit Vivendi als "Joker" erweisen. Allerdings sei noch acht Tage Zeit, bis das Angebot ende, und da fließe noch "viel Wasser den Rhein runter".

Dennoch: Der Übertritt des Vivendi-Chefs Messier gilt vor allem als wichtiges Signal für die Mannesmann-Grossaktionäre. Messier hatte beide Angebote auf dem Tisch - und sich für Vodafone entschieden. Nun wird spekuliert, ob Mannesmann möglicherweise mit AOL Europe eine Partnerschaft vereinbart, um in punkto Internet-Phantasie nach zu holen.

Neues Gemeinschaftsunternehmen

Vodafone-Vorsitzende Chris Gent und Vivendi-Chef Jean-Marie Messier zeigten sich zuversichtlich, dass sich die Mannesmann-Aktionäre an ihrem Projekt beteiligen. Diese müssen sich bis zum 7. Februar entscheiden, ob sie das Übernahmeangebot von Vodafone annehmen.

"Das Bündnis zwischen der Nummer eins im Bereich Mobilfunk und der Nummer eins im Bereich Medien/Internet ist die beste Allianz, um die Einführung der zweiten Internetgeneration in Europa zu beschleunigen", sagte Messier vor Journalisten.

Ziel des neuen Unternehmens sei es, ein Multi Access Portal (MAP) in Europa zu entwickeln, mit dem ein Zugang zum Internet von jedem Bildschirm aus verfügbar sei. Man gehe von einem Potenzial von 70 Millionen Kunden aus. An dem Unternehmen seien Vivendi und Vodafone mit jeweils 50 Prozent beteiligt.

Gent bezeichnete das Bündnis mit Vivendi als bedeutende Stufe der Internet-Strategie Vodafones. Er rief die Mannesmann-Aktionäre noch einmal auf, der Übernahme zuzustimmen. Die strategische Partnerschaft zwischen Vodafone und Vivendi schaffe ein Unternehmen, das alles besser könne als Mannesmann allein. Vom bestmöglichen Vorstoß zur Einrichtung eines MAP in Europa sprach auch Messier. MAP ermöglicht Kunden einen Internet-Zugang über Fernsehen, Computer sowie Mobil- und Festnetz-Telefone.