Euro Duisenberg nährt Zinsängste

Die europäische Gemeinschaftswährung setzt ihre Talfahrt zum Dollar fort. EZB-Präsident Duisenberg schließt eine Zinserhöhung deshalb nicht mehr aus.

Hamburg - "Eine weitere Schwächung des Euro würde ein Risiko für das Ziel der EZB, die Preisstabilität zu wahren, aufwerfen", sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, nach einem Treffen mit den Finanzministern der elf Euro-Länder. Der Euro habe das Potenzial für eine Aufwertung, basierend auf Wachstum und innerer Preisstabilität in der Eurozone.

Duisenberg gab damit Spekulationen neue Nahrung, dass die EZB über eine Zinserhöhung ernsthaft diskutiert. Der EZB-Rat tritt am kommenden Donnerstag zusammen und könnte die Zinsen anheben. Am Dienstag und Mittwoch wird bereits der Offenmarktausschuss der US-Zentralbank tagen. Von dem Treffen wird angesichts der starken Wirtschaftsentwicklung in den USA eine Leitzinsanhebung erwartet.

Bundesfinanzminister Hans Eichel sieht dagegen keinen Handlungsbedarf beim Euro: "Da sind wir ganz diszipliniert. Ich bleibe dabei: Nein." Auch der EU-Währungskommissar Pedro Solbes lehnte eine aktive Politik zur Stützung des Euro ab.

Analysten glauben nicht daran, dass höhere Zinsen die Vertrauenskrise in den Euro aufheben würden. "Eine Zinsanhebung dürfte von vielen Händlern als Verzweiflungstat gewertet werden. Wahrscheinlich verringert sich das Vertrauen in den Euro daraufhin nur umso mehr", sagte der Währungsanalyst Paul Bednarczyk von dem Prognose-Institut 4CAST.

Die EZB legte am Montag mit 0,9791 Dollar den Euro-Referenzkurs zum dritten Mal in Folge auf einem Rekordtief fest. Damit kostete der Dollar 1,9976 Mark.