BMW 3er top, Rover und MG flop

Joachim Milberg nutzt die Chance nicht, im Aktionärsbrief auf ein sinkendes Minus bei Rover hinzuweisen. Die Absatzzahlen zeigen aber, dass nur wenige Rover-Modelle verkauft wurden. Die Börse reagiert mit Verkäufen.

München - Die BMW-Group hat 1999 den Umsatz um 6,6 Prozent auf 34,4 (1998: 32,28) Milliarden Euro gesteigert. Das Unternehmen blicke auf ein erfolgreiches Jahr 1999 zurück, schrieb der Vorstandsvorsitzende Joachim Milberg in einem am Montag veröffentlichten Aktionärsbrief. Das Unternehmen werde 1999 "in der Summe der Geschäftsfelder wieder das hohe Ergebnisniveau" des Vorjahres (1998: 3,92 Milliarden Mark) erreichen, erklärte er.

Von den Analysten waren diese Zahlen weitgehend erwartet worden. Peter Worel, Analyst bei der Bayerischen Landesbank (Bay.LB), sah keine Überraschungen. Außerdem fehlten sowieso konkrete Hinweise zum Ergebnis. Interessant wären insbesondere genauere Angaben zum Ergebnis bei Rover.

Einige Analysten waren in den vergangenen Tagen davon ausgegangen, daß BMW die Chance nutzt und die bislang genannten hohen Verluste nach unten korrigiert. Sie hatten dazu auch zum Einstieg in den Titel geraten. Doch Milberg teilte lediglich mit, daß die Absatzentwicklung "unbefriedigend" sei und die Restrukturierungsmassnahmen fortgesetzt würden. Vermutlich werde es aber bis zur Bilanzpressekonferenz am 29. März dauern, bis BMW dazu nähere Erläuterungen abgebe, erwartet Worel. Er belässt die Einstufung für die Aktie bei "Neutral", wobei insgesamt der Automobilsektor mit "Untergewichten" eingestuft ist. Interessanter werde der Titel erst, wenn sich bei Rover eine Wende abzeichne.

So reagiert auch die Börse: BMW notieren am Morgen mit rund drei Prozent Verlust deutlich niedriger.

Laut Aktionärsbrief war die Automobilproduktion der BMW-Group im Vergleich zum Vorjahr um knapp fünf Prozent auf 1.147.400 Einheiten gestiegen. Die Auslieferungen seien mit einem leichten Minus von 0,6 Prozent mit 1.180.400 Fahrzeugen auf Vorjahresniveau geblieben. Die Investitionen lägen mit einem Minus von 1,1 Prozent mit 2,156 Milliarden Euro ebenfalls nahezu auf dem Niveau des vergangenen Jahres.

Im Ausblick auf das Jahr 2000 rechnet BMW mit einer leichten Abschwächung auf dem nordamerikanischen Markt, während die Auslieferungen in Westeuropa fast das hohe Niveau des Vorjahres erreichen sollen. In Osteuropa sei sogar mit leichten Zuwächsen zu rechnen. In Südamerika sei im Zuge der konjunkturellen Erholung mit einer deutlichen Erhöhung der Zulassungen zu rechnen, auch die ostasiatischen Märkte setzten ihren Aufschwung fort.

Die Produktoffensive der BMW-Group gehe weiter, erklärte Milberg. Im Jahr 2000 erfolge die Auslieferung des neuen 3er Cabrio. Der neue M3 werde auf den Markt kommen, ebenso wie der Z8 Roadster mit modernster Aluminium-Technologie. Ab Frühjahr sei das BMW "Sports Activity Vehicle" X5 auf dem europäischen Markt erhältlich. Zum gleichen Zeitpunkt bringe BMW das Motorrad F650 GS und ab April das motorisierte Zweirad C1 auf den Markt. Die Rover 25 und 45 seien ab Frühjahr auf allen europäischen Märkten erhältlich. Der neue Mini werde zum Jahresende vorgestellt und soll dann auch auf dem US-Markt vertrieben werden.

Neue trendbestimmende Modelle, die Nutzung profitabler Marktchancen und technologische Spitzenleistungen sollten auch weiter die Basis für die Selbständigkeit der BMW-Group bilden, schrieb Milberg. Das Restrukturierungsprogramm bei Rover werde konsequent fortgesetzt.

3er-Reihe ist der Renner

Im vergangenen Jahr habe BMW bei BMW-Automobilen und -Motorrädern, aber auch beim Land Rover, der derzeit am stärksten wachsenden Marke der BMW Group, Absatzrekorde erzielt. BMW lieferte 1999 mit 751.300 Fahrzeugen sieben Prozent mehr aus als im Vorjahr. In den USA sei die Auslieferung um 18 Prozent auf 155.000 Fahrzeuge gestiegen. In Europa und Ostasien seien ebenfalls deutliche Zuwächse zu verzeichnen gewesen, während ungünstige wirtschaftliche Rahmenbedingungen in Osteuropa und Südamerika zu einem Rückgang der Auslieferungen führten. Im Inland sei BMW entsprechend der ruhigen Automobilkonjunktur moderat gewachsen, hieß es weiter.

Maßgeblich zum Erfolg der Marke BMW beigetragen habe die 3er-Reihe, deren Absatz um 17 Prozent auf erstmals über eine halbe Million Fahrzeuge im vergangenen Jahr gestiegen sei. Auch der 5er-BMW habe trotz eines Rückgangs um neun Prozent mit rund 201.600 ausgelieferten Fahrzeugen die Erwartungen übertroffen. Bei der touring-Variante habe die Zahl der Auslieferungen der mittleren Baureihe um acht Prozent zugenommen. Vom 7er-BMW wurden neun Prozent weniger, nämlich 43.000 Fahrzeuge verkauft. Die Nachfrage nach BMW-Motorrädern verzeichne im siebten Jahr in Folge einen Höchststand, schrieb Milberg. Die Zahl der weltweit ausgelieferten Motorräder sei um acht Prozent auf 65.200 Einheiten gestiegen.

In Deutschland, dem mit Abstand wichtigsten Markt für BMW, habe sich der Motorrad-Absatz mit 22.800 Einheiten auf dem hohen Niveau des Vorjahres stabilisiert.

Rover in einigen Märkten besser, MG schlechter

Den Rover-Absatz bezeichnete Milberg als unbefriedigend. 1999 sei die Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge um 25 Prozent auf 227.700 Einheiten gesunken. Milberg nannte verschiedene Ursachen: Der neue Rover 75 habe das Volumen der ausgelaufenen Rover-Baureihen 600 und 800 noch nicht kompensieren können. Auch wirke sich der weiter gestiegene hohe Pfundkurs gravierend auf den Rover-Absatz aus.

Allerdings sei es Rover trotz eines Rückgangs der Auslieferungen um rund 32 Prozent auf 102.100 Einheiten gelungen, in Großbritannien den Rover-Marktanteil wieder zu steigern. Einen beachtlichen Nachfrageanstieg um 34 Prozent habe Rover 1999 in Japan und in Österreich, wo 17 Prozent mehr Kunden gewonnen werden konnten, zu verzeichnen. Die rückläufige Entwicklung der Marke Rover sei allerdings im vierten Quartal 1999 gestoppt worden, der Absatz sei im Dezember im Vergleich zur Vorjahresperiode sogar um knapp elf Prozent gestiegen.

Die BMW-Group sei zuversichtlich, so Milberg, dass der Rover 75 im laufenden Geschäftsjahr eine steigende Anzahl von Kunden finden werde. Bis Jahresende 1999 seien vom Rover 75 rund 25.000 Einheiten abgesetzt worden. Die Marke Land Rover habe im vergangenen Jahr einen erneuten Verkaufsrekord, nämlichen einen Zuwachs der ausgelieferten Fahrzeuge um 16 Prozent auf 178.000, erzielt. In nahezu allen wichtigen Märkten habe der Land Rover Zuwächse erzielt, so in den USA rund 37 Prozent, in Deutschland 28 Prozent, in Osteuropa 39 Prozent und in Westeuropa rund 15 Prozent.

Nicht so erfolgreich war die Marke MG, der MGF Roadster verzeichnete einen Absatzrückgang um 19 Prozent auf 11.700 Einheiten. Der Mini Classic sei in seinem letzten vollen Produktionsjahr erwartungsgemäß um 27 Prozent auf 11.700 Einheiten zurückgegangen.