Barack Obama "Der Rockstar-Politiker"

Wie wichtig ist Obama für die Wirtschaft? Und wie ist der Stresstest für Banken zu interpretieren? Diese und andere Fragen diskutiert manager-magazin.de mit Felix Wintle, Fondsmanager und US-Experte von Neptune Investment Management.
Von Arne Gottschalck

mm.de: Die ersten hundert Tage von Barack Obama sind um, und viele meinen, sein Nimbus des unangreifbaren Machers habe bereits gelitten. Was meinen Sie?

Wintle: Obama ist kaum zu unterschätzen, er ist ein Rockstar-Politiker. Er hat zwar keinen optimalen Start hingelegt, es besteht immer die Gefahr, dass er zu viel auf einmal will. Doch die Welt braucht jemanden wie ihn. Er hat halt einen fast unmöglichen Job.

mm.de: Haben politische Börsen nicht kurze Beine?

Wintle: Nein, die Politik ist immer wichtig, die Welt läuft nicht nach ökonomischen Modellen, sondern wird durch Vertrauen vorangetrieben. Nehmen Sie das Beispiel Gordon Brown. Er ist unglaublich unpopulär, ihm scheint alles zu missglücken. Das ist aber auch eine Frage der Wahrnehmung.

mm.de: Gutes Stichwort - Banken scheinen in der Wahrnehmung der Anleger aktuell auch ganz anders dazustehen, immerhin konnten ihre Aktienkurse seit März kräftig zulegen.

Wintle: Ich habe da eine Vermutung. Ich glaube, dass war unter anderem der Vorgriff auf den Stresstest. Und der dürfte in erster Linie politisch motiviert gewesen sein.

mm.de: Sprechen wir kurz über den US-Aktienmarkt - wann erholt der sich nachhaltig?

Wintle: Wenn der Immobilienmarkt und der weltweite Handel wieder in Ordnung kommen.

Börsengelistete Beerdigungsunternehmen

mm.de: Was halten Sie von kanadischen Aktien - das Land galt doch eine Zeitlang als das bessere Amerika?

Wintle: Das ist eine Rohstoffgeschichte, ähnlich wie Australien. Es fehlt die Diversifikation. In den USA haben Sie eine Riesenauswahl. Nehmen Sie allen die Retailer - da gibt es lauter verschiedene Konzepte: Nur schade, dass Aldi dort nicht gelistet ist.

mm.de: Aber die USA gelten doch als sehr effizienter Markt.

Wintle: Wenn Sie auf die Schnelligkeit abstellen, mit der Informationen verarbeitet werden, haben Sie Recht. Und es nützt sicher auch nichts, wenn ich als Fondsmanager Microsoft anschaue, die von so vielen Analysten abgedeckt wird. Da kann ich keinen Mehrwert schaffen.

Doch bei der Riesenauswahl verhalten sich nicht alle Aktien gleich, und das bietet Chancen.

Ein etwas skurriles Beispiel: Es gibt gelistete Beerdigungsunternehmen. Oder eben Gilead, die Tamiflu gegen Vogelgrippe herstellen. Oder man kann Hühnerfarmen shorten.