Heraeus Der Krisenprofiteur

Trotz der Finanzkrise will der Edelmetall- und Technologiekonzern Heraeus wachsen. Dazu hat er seine Eigenkapitalbasis gestärkt, wie das Unternehmen am Montag mitteilte.

Frankfurt am Main - Der kapitalstarke Edelmetall- und Technologiekonzern Heraeus will auch in der Krise weiter wachsen. Trotz zuletzt gesunkener Gewinne verfüge man über ausreichende Mittel, um jederzeit in attraktiven Märkten mit Innovationen und Zukäufen wachsen zu können, erklärten der Heraeus-Vorstandschef Frank Heinricht und Finanzvorstand Jan Rinnert am Montag in Frankfurt. Das Unternehmen im Familienbesitz verfüge aktuell über 658 Millionen Euro an flüssigen Mitteln. Die Eigenkapitalbasis sei im vergangenen Jahr auf 56 Prozent erneut gesteigert worden.

Trotz der konjunkturellen Krise bei wichtigen Kunden wie der Stahl-, Auto- und Halbleiterindustrie habe Heraeus im ersten Quartal ein positives operatives Ergebnis (vor Zinsen und Steuern) in zweistelliger Millionenhöhe erreicht, erklärte Heinricht. Man gehe von einer Bodenbildung in der Krise aus, wolle aber keine konkreten Prognosen für das laufende Geschäftsjahr abgeben.

Im laufenden Jahr übernahm das Unternehmen bereits für jeweils rund sieben Millionen Euro zwei Unternehmen, die sich zum einen mit Kontaktmaterialien für die Elektronikindustrie und zum anderen mit dem Edelmetall-Recycling von Autoteilen in China befassen. 2008 kauften die Hanauer für zusammen 150,4 Millionen Euro unter anderem einen Golddrahthersteller in Singapur und übernahmen das Medizinkomponentengeschäft des Konkurrenten Synovis Life Technologies. Die Investitionen in Sachanlagen betrugen 105 Millionen Euro.

2008 hat Heraeus auch vom besonders schwunghaften Handel mit Gold und anderen Edelmetallen profitiert. Der vom operativen Geschäft getrennt ausgewiesene Handelsumsatz stieg um 40 Prozent auf den Rekordwert von knapp 13 Milliarden Euro. Zum operativen Gewinn des Konzerns von 275 Millionen Euro (minus 14,5 Prozent) habe der Handel "10 bis 12" Prozent beigetragen, erklärte Finanzvorstand Rinnert.

Das Kerngeschäft seien allerdings die industriellen Produkte, die es 2008 auf einen um 0,3 Prozent gewachsenen Umsatz von 2,9 Milliarden Euro brachten. Heraeus stellt neben dem Edelmetallgeschäft unter anderem Sensoren, Beschichtungen, Dental- und Medizinprodukte sowie Quarzglas her. Der Reingewinn verfehlte mit 168 Millionen Euro den Rekordwert aus 2007 um 19,9 Prozent.

Zum Jahresende arbeiteten für den weltweit operierenden Konzern 12.830 Menschen und damit 8 Prozent mehr als Jahr zuvor. In Deutschland wuchs die Belegschaft um 2,5 Prozent auf 4.662 Beschäftigte. In der Krise agiert das Unternehmen laut Geschäftsführung in den umsatzschwachen Geschäftsfeldern mit tariflich vereinbarter Arbeitszeitverkürzung für rund 1500 Menschen und Kurzarbeit für 500 Beschäftigte.

manager-magazin.de mit material von dpa

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